Franz Hohler las kurze Erzählungen aus seinem Buch «Der Autostopper». Bild Christian Altorfer
Franz Hohler las kurze Erzählungen aus seinem Buch «Der Autostopper». Bild Christian Altorfer

Literatur

Mit Fantasie und Beobachtungsgabe gefesselt

Franz Hohler las am Donnerstag im Rahmen der Reihe «WortKunst» im Schlossturm in Pfäffikon kurze Erzählungen aus seinem Buch «Der Autostopper».

«WortKunst» im besten Sinne bot Franz Hohler mit seinem lustvollen Vorlesen im voll besetzten Saal im Schlossturm. Dabei fixierten seine wachen Augen die Zuhörer; immer wieder fesselte er sie mit seinem lausbübischen Schalk und entlockte ihnen manches Schmunzeln und manchen Lacher.

Unerschöpfliche Fantasie

In seinen Erzählungen liess er sich nicht nur von seiner unerschöpflichen Fantasie leiten, er erwies sich zudem als genauer und unverstellter Beobachter der Menschen, der hinter ihre Fassaden und in ihre Abgründe schaut. Da sein Blick aber von Sympathie getragen ist und auch das Unscheinbare wahrnimmt, zeigte er ebenso viel Gespür für ihre liebevolle Seite, die oft in ganz kleinen, fast unmerklichen Gesten zum Ausdruck kommt.

Den Spiegel vorgehalten

Die kurzen Erzählungen, die Franz Hohler für diesen Abend ausgewählt hatte, stammten aus der Sammlung seiner sämtlichen kurzen Erzählungen aus «Der Autostopper», erschienen 2014 im Luchterhand Verlag. In diesen Geschichten ging es etwa um eine nicht nur festliche Bundesfeier beim Forchdenkmal zu Zeiten von James Schwarzenbach oder um einen Liederhörer, der in der Hochblüte der Liedermacher als einziger Zuhörer übrigblieb, weil alle nur noch singen wollten, sowie um ein Fussballspiel zwischen Lebenden und Toten. Häufig kam die Pointe in einer völlig unerwarteten Wendung, oder Hohler offenbarte den Kern der Geschichte – wie in seiner Titelgeschichte «Der Autostopper» – erst mit den letzten Worten.

Selbstironie

Auch sich selber beobachtet der Autor, und dies mit gehörig viel Selbstironie. Seine Schilderung, wie er an der Kasse unbedingt ein paar Superpunkte aus seinem Einkauf herausholen wollte, war höchst amüsant. Besonders, weil er damit den Zuhörern augenzwinkernd einen Spiegel vorhielt. Zum Schluss war das Publikum derart begeistert, dass es Zugaben hören wollte. Daher bot Franz Hohler das unverwüstliche «Totemügerli » und danach die kürzere, rätoromanische Version. Weil das immer noch nicht genügte, las er aus seinem Kinderbuch «Es war einmal ein Igel», wobei die Zuhörer beim Reimen der Kinderverse mit Freude mitmachten.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Lilo Etter)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

20.04.2015

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schwyzkultur.ch/66dCrv