Schauspieler Klaus Henner Russius im Schlossturm. Bild Tanja Holzer
Schauspieler Klaus Henner Russius im Schlossturm. Bild Tanja Holzer

Literatur

Worte des einsamen Dichters Heinrich von Kleist

Mit Schauspieler Klaus Henner Russius begegneten sich am Donnerstag die Werke von Heinrich Kleist und Robert Walser zu einem intensiven, literarischen Abend unter dem Patronat von Pro Schloss Pfäffikon.

«Für mich ist (Heinrich) Kleist einer der merkwürdigsten Dichter», schrieb einst der Schweizer Schriftsteller Robert Walser nieder. Am Donnerstagabend fügte der Schauspieler Klaus Henner Russius die Stimmen dieser beider Autoren zu einem emotionalen, dichterischen Wortteppich zusammen. Robert Walser hatte sich früh zu den eher psychisch labilen Deutschen Dichtern hingezogen gefühlt und das Schaffen von Heinrich Kleist muss ihn sehr beschäftigt haben.

200. Todestag

Anlässlich von Kleists 200. Todestag bündelte Russius die Kraft von Walsers Texten «Kleist in Thun» mit Worten aus Kleists Feder. Kleist hatte damals, als er sein Leben auf der Scherzliginsel in der Aare bei Thun begann, dreifaches Verlangen: ein Kind zeugen, ein schönes Gedicht schreiben und eine heldenhafte Tat begehen. «Ich brauche nichts als mich selbst», schrieb er nieder auf der Insel und vereinsamte. «Manchmal, gerade an einem schönen Abend, scheint ihm, hier sei das Ende der Welt», beschrieb Walser Kleists Einsamkeit.

Schmerz und Freude zugleich

Die prächtige Natur war dem deutschen Dichter Freude und Schmerz zugleich. Seine ganze Seele verzehrte sich nach körperlicher Anstrengung. Nach einem Brief an seine Schwester Ulrike holte ihn diese aus der Schweiz und brachte ihn zurück nach Deutschland. Zerfressen von Misserfolg, Armut, Aufführungsverboten und Zensur schrieb Kleist: «Ich sterbe, weil mir auf Erden nichts mehr zu lernen und erwerben übrig bleibt». In Henriette Vogel, die vermutlich krebskrank war, fand er eine Seelenverwandte. Im November des Jahres 1811 erschoss er erst sie und dann sich selbst.

Raffiniert verwoben

Obwohl die Dichter Kleist und Walser über hundert Jahre auseinander lebten, verwob Russius die Worte der beiden raffiniert zu einem einzigen, runden, literarischen Abend – beeindruckend. Der Schauspieler hatte mit der szenischen Lesung von «Michael Kohlhaas» bereits eine beachtliche Resonanz. Dies sowie Kleists Todestags- Jubiläum und eine Walser-Tagung in Thun waren ihm Inspiration für sein neues Programm. Die Zuhörer im Schlossturm hatten einer Vorpremiere lauschen dürfen. Das Kleist-Walser- Programm von Russius wird im Herbst 13 Mal aufgeführt.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt / Tanja Holzer

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

23.05.2011

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