Die Schwyzerin Beatrice Egli reitet derzeit auf einer Erfolgswelle. Bild: PD
Die Schwyzerin Beatrice Egli reitet derzeit auf einer Erfolgswelle. Bild: PD

Musik

«Ich stecke den Schmerz weg»

Gestern ist das neue Album der Schwyzerin Beatrice Egli erschienen. Die lebensfrohe Schlagersängerin spricht im «Bote»-Samstagsgespräch über Persönliches, Verletzungen und männliche Groupies.

Mit Beatrice Egli sprach Olaf Neumann


Keine Schweizerin ist im deutschen Schlager so erfolgreich wie Beatrice Egli. Wenn die 29-Jährige aus Pfäffikon eine Bühne betritt, scheint das ganze Gebäude vor Energie zu vibrieren. Trotz ihrer Feuerwerk-der-guten-Laune-Mentalität erfüllt Egli nicht die typischen Schlager-Klischees. Auf ihrem aktuellen Album «Wohlfühlgarantie» besingt sie auch die Schattenseiten des Erfolges.


Olaf Neumann: Ihr Album «Wohlfühlgarantie» bietet eine Mixtur aus Schlager, Pop, Dance, Latin, Electro und sogar Rock. Wollen Sie den Schlager entstauben?


Beatrice Egli: Absolut! Wenn ich etwas kann, dann ist es entstauben. Mein Album hat auch viele Pop-Elemente, aber was die Melodieführung und die Sprache betrifft, ist es immer noch der Schlager, wie man ihn kennt. Ich lebe den Schlager, was aber nicht bedeutet, dass ich nicht mit der Zeit gehe.


Ihr Album heisst «Wohlfühlgarantie». Möchten Sie Musik machen, die eine behagliche Stimmung verbreitet?


Ich möchte Musik machen, die den Leuten Energie gibt, die sie motiviert und dazu antreibt, ihren Weg zu gehen. Auf meiner Platte sind auch nachdenkliche Songs wie «Sie». Er erinnert uns daran, dass wir nur eine kurze Zeit zur Verfügung haben, um zu leben.


Wie kam es zu dem wütenden Trennungslied «Ich denk nur noch an mich»?


Ja, das Leben inspiriert. Wenn ich darüber spreche, merke ich, dass ich damit gar nicht alleine bin. Es gibt viele Menschen, die diese Erfahrung mit mir teilen. Ich hoffe, ich kann ihnen Mut machen, wieder aufzustehen und an sich zu denken. Wenn du merkst, dass dir ein Mensch nicht guttut und dich runterzieht, musst du auf dich schauen und deinen eigenen Weg gehen, um wieder auf die Beine zu kommen.


Halten Sie jetzt Abstand von Womanizern?


Das Gute am Älterwerden ist, dass man gewisse Dinge definitiv sein lässt. Wenn ich merke, jemand tut mir nicht gut, dann streiche ich ihn rigoros aus meinem Leben. Denn es tut ja immer noch weh, auch wenn die Beziehung längst beendet ist.


Ist das Schreiben von Liedern ein Mittel gegen den Trennungsschmerz?


Ich finde es schön, Songs zu schreiben über Dinge, die ich erlebt habe oder die mich beschäftigen. Das ist schon eine Form von Verarbeitung, aber auch ein Mutmacher für andere.


Gibt es eigentlich männliche Groupies?


Ja, die gibt es in beiden Richtungen und allen Altersklassen. Anstelle von Groupies nenne ich sie lieber «grosse Fans». Das sind sehr treue Fans.


Die Schlagerbranche wird als «Haifischbecken» bezeichnet. Wie überlebt man in einem Haifischbecken?


Ich glaube, wer schwimmen kann, kann sich in jedem Becken bewegen. Ob da Haifische drin sind oder nicht. Ich habe die Schlagerbranche nicht als Haifischbecken erlebt, sondern als eine Branche, die sehr viel von einem abfordert. Musikalisch, aber auch medientechnisch. Mich hat diese Branche gelehrt, mir selbst treu zu bleiben und auf mich zu achten.


Haben Sie je an sich gezweifelt?


Ich habe mir anfangs viele Gedanken gemacht, ob ich es wirklich schaffen kann, von der Musik zu leben. Es gab schon Momente, in denen ich unsicher war, wie ich meine Miete bezahlen soll. Aber es war immer mein Traum, von der Musik zu leben und nicht arbeiten zu gehen, um singen zu können. Da gab es schon mal Zweifel, aber mein Glaube, es zu schaffen, war stärker.


Gab es schwierige Momente in Ihrer Karriere?


Wenn ich gemerkt habe, dass ich nicht das Beste vom Besten abgeliefert habe. Wenn deine eigene Samstagabendshow nicht mehr weitergeführt wird, ist das kein schöner Moment. Wir wurden mit den besten Shows verglichen, haben aber nicht die gewünschten Quoten erreicht. Aber letztendlich hat mich diese Erfahrung dazu angetrieben, noch mal etwas Neues zu wagen.


Für die Teilnahme an der Action- Show «Ninja Warrior» haben Sie voriges Jahr hart trainiert und präsentieren sich nun als Sportskanone. Ist das die neue Beatrice Egli?


Das war eine Grenzerfahrung, die ich ehrlich gesagt sehr genossen habe. Ich bin vorher nie an körperliche Limits gekommen, weil es auch nicht nötig war. Aber ich dachte, für Kinder in Not wäre das gut. Wenn ich etwas anpacke, dann gebe ich alles. Seitdem hat mich das Sportfieber gepackt.


Bei der Aufzeichnung der neuesten Ausgabe der Show «Ninja Warrior» haben Sie sich so sehr verletzt, dass Sie anschliessend Krücken brauchten. Scheuen Sie kein Risiko, wenn es um Ihren Beruf geht?


Wenn ich zu etwas Ja sage, dann gebe ich immer alles und scheue keinen Aufwand. Es war ein hartes Training, und ich kam nicht mit einem blauen Auge, aber mit zwei blauen Knien und einer starken Prellung davon. Es war sehr schmerzhaft, da ich im Wasser mit beiden Knien auf den Boden geknallt bin. Doch zum Glück war ich nach ein paar Tagen wieder auf beiden Beinen beziehungsweise Knien unterwegs.


Wie bereiten Sie sich auf einen grossen Auftritt vor?


Das ist bei mir sehr unterschiedlich. Es gibt Tage, da muss ich mich enorm hochpuschen, weil ich fast schon zu entspannt bin. Und es gibt Tage, da bin ich extrem hibbelig und nervös und weiss nicht, wohin mit mir. Zum Glück arbeite ich mit meinen engsten Partnern schon ein halbes Jahrzehnt zusammen. Die können mich sehr gut lesen und wissen genau, wie man mich hochpuschen und beruhigen kann.


Trinken Sie vor jedem Auftritt ein Glas Sekt?


Nein. Das wäre sehr schlecht, ich trinke nämlich gar keinen Alkohol.


Ein Sänger ist auf der Bühne der Mittelpunkt der Welt, aber wenn sein Lied verklungen ist, dann ist er nichts mehr. Muss man jeden Glücksmoment mit einem traurigen Moment bezahlen?


Ich bin jemand, der sich während eines Auftritts so auspowert, dass er danach eigentlich die Ruhe geniesst. Ich habe überhaupt kein Problem damit, die Tür zu schliessen und mich ins Bett zu legen. Ich brauche die Ruhe und das Alleinsein genauso wie das Austoben.


Auch in der Liebe?


Der Song «Verliebt, verlobt, verflixt noch mal» beschreibt genau mein Liebesleben. Ich habe versucht, in einer Beziehung zu sein, und gemerkt, es tut mir auch gut. Aber ich brauche auch das Alleinsein. Ich bin viel unterwegs, ich lebe ein so intensives Leben, dass ich mich nach Stille sehne. Ich will niemanden enttäuschen, wenn ich nicht nach Hause komme. Freiheit bedeutet für mich, dieses Leben und diese Musik auszuleben, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, weil zu Hause jemand schon wochenlang auf mich wartet. Freiheit bedeutet für mich nicht, viele Männer zu haben.


Lassen sich Partnerschaft und Karriere miteinander vereinbaren?


Ich glaube, sie lassen sich sehr gut miteinander vereinbaren. Aber ich kann es zum jetzigen Zeitpunkt nicht, dafür liebe ich meine Freiheit zu sehr. Vielleicht kommt der Moment ja noch, wo ich mich darauf freue, dass ein Mann da ist, wenn ich nach Hause komme. Es muss sich aber auch richtig anfühlen, nach Hause zu kommen, erschöpft zu sein und in diese Arme zu fallen.


Waren Sie schon mal in einen anderen Künstler verknallt?


Ja, ich war in Jan Smit verknallt. Er war mit 12 ein Kinderstar und sang mit beim Grand Prix der Volksmusik. Er war damals der einzige Teenie-Schlagersänger. Heute bin ich von Ed Sheeran begeistert. Welche Frau ist das nicht!


Sie werden am 21. Juni 30 Jahre alt. Haben Sie schon mit der Planung für die Party begonnen?


Ich feiere mein 30. Lebensjahr das ganze Jahr über. Ein Tag ist dafür viel zu wenig. Deswegen habe ich zusammen mit meinen Freunden viele Partys, Abende und Städtereisen geplant.

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

17.03.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/nPCcK1