Das Ensemble Leones begeisterte von den ersten bis zu den letzten Klänge ihrer mittelalterlichen Instrumente. Bild Tobias Humm
Das Ensemble Leones begeisterte von den ersten bis zu den letzten Klänge ihrer mittelalterlichen Instrumente. Bild Tobias Humm

Musik

Minnegesang in mittelalterlichem Gemäuer

Der Ernste und der Parodist in einer Gegenüberstellung. Der Musiksommer am Zürichsee stellte mit dem Ensemble Leones zwei Antipoden im Minnegesang vor: Walter von der Vogelweide und Neidhart von Reuental. Fiedeln und Dudelsack begleiteten den Gesang.

Die Liebe und das höfische Leben waren Inhalt des spätmittelalterlichen Minnegesangs. Sein berühmtester Vertreter ist Walter von der Vogelweide, dessen Lieder in zahlreichen Abschriften erhalten geblieben sind und bis heute immer wieder aufgeführt werden. Doch es gab auch im 13. Jahrhundert Sänger, die sich mehr dem Weltlichen zuwandten. Und einem Vertreter dieser Richtung war der vergangene Freitagabend auf der Ufnau gewidmet. «Alles, was den summer hier mit vroyden was.» Doch nicht nur über Freuden des Sommers sang er, sondern auch über die Mühsal des Künstlerlebens. Mittelhochdeutsch ist schwer verständlich und erinnert vom Klang her an Holländisch. Der Fiedler Marc Lewon hat nicht nur Musik studiert, sondern auch Altgermanistik und vermochte so verständliche Übersetzungen der Texte zu vermitteln.

Bauernmägde und Knechte

Ritter und Hofdamen gehören zum Inventar des höfischen Minnegesangs, doch Neidhart von Reuental erweiterte seinen Figurenkreis um Bauernmägde und Knechte und vor allem um den Dörper, ein schwer fassliches Wesen, das seinen Protagonisten immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht und dadurch das Liebeswerben stört. Neidhart bringt sich auch selbst in den Strophen ein, indem er zwar durchaus dem Lehnsherrn, für den er singt, für den empfangenen Lohn dankt. Doch gleichzeitig erwähnt er, dass ihn die Steuern gar arg drücken. Keine weltabgewandte Liebesdichtung also, sondern ein Gesang im Auftrag, wo persönliche Not in des Auftraggebers offenes Ohr geflüstert wird. So entpuppt er sich einerseits als Sänger im Dienste eines Herrn, diesem somit nicht gleichgestellt, andererseits nimmt er damit auch die streng höfische Tradition des Minnesängers aufs Korn. Dagegen bleibt Walter von der Vogelweide ein Aristokrat. Die Lieder, die das Ensemble Leones von ihm vortrug, mahnen zur Zucht und Selbstbeherrschung. Zwei gänzlich gegensätzliche Richtungen also. Musikalisch gleichen sich die beiden aber mehr als textlich, so dass ein einheitliches Programm entstanden ist.

Mit Frische und Elan

Das Ensemble Leones mit den beiden Instrumentalisten Babtiste Romain und Marc Lewon sowie der Sängerin Els Janssens-Vanmunster trugen die alten Gesänge mit Frische und Elan vor. Fiedeln, Dudelsack und Gesang waren die Instrumente des Mittelalters. Sie vermochten das Publikum in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche Peter und Paul auf der Ufnau zu begeistern.

Spezielle Instrumente

Einige der gestrichenen und geblasenen Instrumente kennt man aus der vormittelalterlichen Malerei und konnte sie hier vielleicht erstmals hören, andere wie der Dudelsack haben sich in der Volksmusik fast unverändert erhalten. Zum Schluss trugen die Musiker noch ein Lied von Walter von der Vogelweide vor: «Vil wol ghelovter got.» Mit diesem geistlichen Gesang schufen die Musiker einen Bezug zur realen Umgebung. Die Grundmauern der 1000-jährigen Kirche auf der Insel Ufnau standen schon, als die Minnesänger noch in den Kinderschuhen steckten.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

12.07.2010

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schwyzkultur.ch/iRi1RL