Der Pfäffiker Manuel Römer ist Schlagzeuger bei der Mundart-Erfolgband Kunz und spricht über Musik und mehr. Bild zvg
Der Pfäffiker Manuel Römer ist Schlagzeuger bei der Mundart-Erfolgband Kunz und spricht über Musik und mehr. Bild zvg

Musik

«Nicht wir sind wichtig, sondern unsere Musik»

Der Pfäffiker Manuel Römer ist Schlagzeuger bei der Mundart-Erfolgband Kunz. Im Interview erzählt er, was er durch den Erfolg gewonnen hat und weshalb er gerne einmal auf einem Kreuzfahrtschiff spielen würde.

mit Manuel Römer sprach Silvia Gisler


Silvia Gisler: Manuel Römer und die Musik: Wann hat diese Liaison angefangen?


Manuel Römer: Liaison…Schönes Wort! Also mein erstes Date mit der Musik hatte ich schon im Mutterleib. Als meine Mutter Klavier gespielt hat. Beide Elternteile sind Musiker; meine Mutter spielt Klavier und war Rhythmiklehrerin. Mein Vater Musikethnologe, Musiklehrer, Organist und Dirigent. Ich bin mit Musik aufgewachsen und hatte zum Glück keine Chance, mich ihr zu entziehen. Ich habe mich in sie verliebt, bevor ich den Begriff Liebe kannte.


Was bedeutet Ihnen die Musik?


Musik ist Sprache, Freundschaft, Liebe und mein Tank, der mich im Leben mit Energie versorgt. Sie kann aber auch sehr hart zu dir sein, wenn man sie vernachlässigt und im Begriff ist, den Zugang zu ihr zu verlieren.


Was wären Sie ohne sie?


Eine schreckliche Vorstellung. Wir wären wohl alle arbeitslos. Musik passiert ja nicht nur in den Konzertlokalen und wird auch nicht nur mit Instrumenten gespielt. Wir finden sie im Tierreich, oder sie entsteht ganz zufällig, zum Beispiel durch Wind in den Wäldern. Musik entsteht überall, wo Schwingung ist. Da auf der Welt alles schwingt, ist auch das Leben fest mit der Musik verbunden. Die Musik wäre auch ohne Menschen auf der Erde, der Mensch aber nicht ohne die Musik.


Haben Sie immer gewusst, dass Sie von der Musik leben wollen?


Als Kind wollte ich Lokomotivführer oder Kapitän werden, denn mein Bruder und ich sind gleich zwischen den Bahngleisen und dem See aufgewachsen. Als die Musik in meinem Leben immer wichtiger wurde,habe ich zwar davon geträumt, Musiker zu werden, hatte aber auch Angst die Musik zum Beruf zu machen. Wenn man etwas als Hobby macht, ist man der Sache manchmal emotional näher und freier, als wenn man es als Beruf ausübt.


Tatsächlich betreiben Sie seit 1999 einen Eventtechnikverleih, sind seit 2005 Chef eines Musikgeschäfts und führen seit 2011 einen Instrumente-Onlineshop. Was macht Ihnen am meisten Spass?


Das ist sehr schwierig. Die Anforderungen sind überall verschieden. Am Schluss arbeite ich aber in allen drei Bereichen mit meinem Team zusammen, und diese Zusammenarbeit ist das, was mir Freude macht.


Zugleich spielen Sie seit 2013 in der Mundart-Erfolgsband Kunz mit. Wie bringen Sie alles unter einen Hut?


Ich habe extra einen sehr, sehr grossen Zylinder gekauft, damit alles Platz hat (schmunzelt). Zugegeben, mein Leben ist manchmal schon sehr hektisch. Die Musik hat mir aber schon immer mehr Energie gegeben, als sie mir genommen hat. Ohne sie hätte ich womöglich schon lange ein Burnout gehabt. Ausserdem arbeite ich in den Firmen ja nicht alleine. Ohne mein Team würde nichts funktionieren, und bei allen Problemen, die wir auch haben,könnte ich mir kein besseres vorstellen.


Bleibt Ihnen Zeit für sich?


Ja schon, aber man muss das Privatleben etwas mehr planen als sonst. Man braucht ein verständnisvolles Umfeld. Ich habe eine wunderbare Frau, welche selber sehr aktiv im Leben ist. Wir unterstützen uns beide in dem, was der andere macht. Ohne das würde es nicht gehen. Aber mein hyperaktives Leben ist eine Momentaufnahme. Zurzeit gehe ich voll darin auf. Genau so kann es sein, dass irgendwann das Privatleben wichtiger wird. Ich probiere das Leben so zu leben, wie es von innen her kommt. Das bedeutet, der Bauch entscheidet, und der Kopf sucht sich einen Weg dorthin.


Wie hat sich Ihr Leben mit dem Durchbruch 2014 verändert?


Mein Leben als Schlagzeuger bei Kunz hat sich stark verändert. Mein Leben als Manuel Römer hingegen kaum. Die Schweiz ist zum Glück viel zu klein, als dass so ein lebensverändernder Promihype wie bei Hollywoodschauspielern entstehen kann, Tennisspieler ausgeschlossen. Ausserdem bewege ich mich als Schlagzeuger ja eher im Bühnenhintergrund. Dafür habe ich von meinem Platz aus eine wunderbare Aussicht.


Was haben Sie mit dem Erfolg dazugewonnen, was verloren?


Dazugewonnen habe ich viel! Ganz viele Gratiseintritte an Open airs (schmunzelt). Jetzt im Ernst: Das Schönste, was ich dazugewonnen habe, ist das Gefühl, welches uns unsere Fans geben. Nicht das Gefühl, dass wir wichtig sind, sondern dass unsere Musik es für sie ist. Wir bekommen immer wieder Post von Fans, denen ein Kunz-Song in einem schicksalhaften Lebensabschnitt weitergeholfen hat. Dieses Gefühl, im Leben etwas Sinnvolles zu tun, was anderen Menschen weiterhilft, ist das Grösste, was ich dazugewonnen habe.


Was bevorzugen Sie: Studio, grosse Bühne oder kleine Bühne?


Alles hat seinen Reiz. Im Studio entsteht Neues. Es ist die Geburtsstätte für die Songs, mit denen wir dann ein Jahr lang zusammen auf Tour gehen. Grosse Bühnen sind imposant und bei Kunz wie ein grosses Volksfest. Eines der eindrucksvollsten Konzerte für die ganze Band war hingegen im alten Kino in Mels mit nur 80 Personen im Publikum. Nach dem Konzert glich die Location einem türkischen Dampfbad. Das Schöne an Konzerten ist,dass man nie weiss, wie sie sich entwickeln, egal ob gross oder klein.


Welcher Kunz-Track könnte mit Text und Musik auch zu 100 Prozent ein Römer-Track sein?


Ein Song vom letzten Album, den ich immer gerne spiele und mir zurzeit auch gerade nahesteht ist «Seisch e Gruess». Er hat mächtig Drive nach vorne und erzählt davon, dass man sich nicht vom Alltag gefangen nehmen lassen soll. Wenn man sich immer nur in seinem Alltag bewegt, fliegen die Jahre nur so vorbei, und am Schluss hat man sein Leben gar nicht bewusst gelebt. Ich selber ertappe mich auch immer wieder dabei. Der Song hat mich schon oft daran erinnert, bewusster zu leben.


Zeichnen Sie vielleicht sogar für einen verantwortlich?


Marco schreibt die Texte und macht das Songwriting-Fundament. Danach arbeiten wir in der Band die Songs weiter aus, definieren Beat, Breaks und Harmonien, bis der Song steht. Jedes Bandmitglied ist auch beim Kreativprozess dabei. Das ist das Interessante bei Kunz und unterscheidet die Band auch von einer Söldnerband, wo man das meiste vorgesetzt bekommt.


Kunz selbst schreibt auf der Homepage, Sie seien eigentlich schon fast der bessere Sänger als er. Planen Sie eine Solokarriere?


Da ich nächstes Jahr noch mit Kunz viel unterwegs bin, starte ich meine internationale Solokarriere erst übernächstes Jahr (lacht). In der Tat ein schönes Kompliment, ich musste aber selber schmunzeln, als ich das das erste Mal gelesen habe. Ich habe erst bei Kunz mit Singen begonnen und hatte anfangs etwas Bedenken, dann aber sehr rasch den Dreh irgendwie rausgekriegt. Das hat Marco offensichtlich beeindruckt.


Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie die Bühne betreten?


Früher kam es ganz darauf an, ob es das erste Konzert oder eines der letzten auf der Tour war. Die Gedanken wechselten von «Hoffentlich wird’s gut» zu «Oh, ein Gewitter zieht auf – habe ich die Fenster zuhause geschlossen?». Wenn man eine Show 70 Mal gespielt hat, ist es manchmal schwierig, nicht abzuschweifen und routiniert zu werden. Mit zu viel Routine läuft man Gefahr, den Respekt für diesen Moment zu verlieren. Daher halte ich mich vor jedem Konzert an einen Satz, den Bruce Springsteen mal vor einem Konzert zu seiner Band gesagt hat: «Jungs, heute geben wir wieder alles! Bei jedem Konzert kann es für jemanden das erste oder das letzte Konzert sein.» Seit ich diesen Satz gehört habe, hatte ich nie mehr Probleme, trotz Routine den nötigen Respekt aufzubringen.


Wie viele Liebesbriefe, Heiratsanträge oder BHs gibt’s für Sie, und wie viele für Marco Kunz? Ärgert Sie das manchmal?


Wieso starte ich in zwei Jahren wohl meine internationale Solokarriere? Nein im Ernst. Als Schlagzeuger zieht man im Hintergrund die Fäden. Ich brauche den Rummel um meine Person nicht. Wir alle von der Band sind Marco extrem dankbar, dass er diesen wichtigen Job als Publikumsmagnet übernimmt.


Wer entscheidet, welche Konzerte oder Interviews gespielt respektive gegeben werden?


Vieles betrifft Marco direkt, da entscheidet er selber. Neben der Band haben wir noch einen inneren Kreis, welcher aus Marco, Ischi, unserem Manager, und mir besteht. Dort besprechen wir vor allem grössere Projekte und alles, was etwas aufwendiger in der Planung ist. Daneben ist die Kunz-Familie in den letzten Jahren mit Bookingagentur, Plattenfirma, Techniker und Backliner stark gewachsen. Jeder hat hier in seinem Bereich Mitspracherecht. Die Entscheidungswege werden möglichst kurz gehalten.


Gibt es eine Limite, wie viele Gigs gespielt werden?


Nein, das gibt es nicht. Kunz ist eine Liveband. Wir lieben es, draussen zu spielen. Aber wir hatten in einem Jahr auch schon zu viele Konzerte, und das hat man in der Band und bei der Crew gemerkt. Weniger ist manchmal mehr. Das mussten auch wir zuerst lernen.


Was würden Sie mit Kunz gerne noch erleben oder erreichen?


Ich bin extrem dankbar für alles, was wir bis jetzt als Band erleben durften. Aber da gibt es natürlich viel, was wir noch nicht gesehen haben. Ich würde mit Kunz auf jeden Fall gerne einmal auf einem Kreuzfahrtschiff spielen. Ich weiss, das klingt etwas lustig. Ich glaube, das wünscht sich vor allem der Teil in mir, der damals gerne Kapitän geworden wäre.


Wo wäre Manuel Römer heute, wenn Kunz nicht erfolgreich geworden wäre? Wäre er statt mit dem Nightliner mit dem VW-Bus unterwegs?


Er würde immer noch mit Kunz an irgendeinem Dorffest spielen,einfach vor weniger Publikum. Ich war bei Kunz, bevor Kunz erfolgreich wurde. Der Erfolg ist nicht das, was mich bei Kunz hält. Aber das mit dem VW-Bus ist eine sehr gute Idee. Dann aber nicht mit der Band, nicht in der Schweiz, sondern mit meiner Frau irgendwo, wo man die Nordlichter sieht. Ganz nach dem Motto: «Seisch e Gruess». – Da ist er wieder, der Song, der mit mir spricht.


Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Silvia Gisler

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

25.09.2018

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schwyzkultur.ch/AdyVui