Musik
Vom Schalk zur ewigen Ruhe
In der Kirche St. Meinrad in Pfäffikon feierte das Vokalensemble16 am Sonntagabend sein zehnjähriges Bestehen mit einem Programm, das fünf Jahrhunderte französischer Chormusik auf einen Abend verdichtete. Im Mittelpunkt stand Gabriel Faurés «Requiem», das den Tod als stillen Frieden begreift.
Seit 2021 führt Dirigent Andrés Heredia das Vokalensemble16 auf eine jährliche musikalische Reise. Für das Jubiläum fiel die Wahl auf den Nachbarn Frankreich, da die bisherigen Etappen die Mitglieder eher in die Ferne geführt hatten, wie Präsident Ruedi Sutter berichtete. Sechs Kurzwerke a cappella eröffneten das Programm. Drei Renaissance-Madrigale setzten einen leichten, augenzwinkernden Ton: In Passereaus «Il est bel et bon» pries eine Frau ihren vorbildlichen Gatten, während das gackernde Federvieh anderes andeutete; Certon spielte mit dem Motiv des betrogenen Ehemanns, während mit Attaingnants «Tourdion» tänzerische Ausgelassenheit Einzug hielt. Mit Debussy und Saint-Saëns wechselte die Stimmung zu ruhigeren, poetischen Klangbildern von Liebe, Nacht und Natur. Der Chor setzte diese Kontraste differenziert und klanglich ausgewogen um. Organist Michael Bártek leitete mit Duruflés «Prélude et Fugue sur le nom d’Alain», einem Gedenkstück für den im Zweiten Weltkrieg gefallenen Komponisten Jehan Alain, den Stimmungswechsel ein. Was heiter begonnen hatte, verdunkelte sich und führte vom Aufbruch des Frühlings hin zur Passionszeit.
So still, so nah, so wahr
Für das Hauptwerk verschob sich die Formation auf die Empore, nahe an die Orgel, die dem in Pfäffikon beheimateten Ensemble bestens vertraut ist. Der Ortswechsel war mehr als Logistik. Fauré hatte das «Requiem op. 48» ursprünglich für einen kleinen Chor und Orgel konzipiert, ein Kammermusiker im Geiste, der die Totenmesse von innen heraus dachte. Das Ensemble wählte bewusst eine kleine Fassung und liess die romantischen Register der Orgel sprechen. Mitglieder des Sinfonieorchesters Kanton Schwyz hielten das klangliche Gleichgewicht: Die tiefen Streicher und die Harfe brachten Sphärisches, die Hörner Kraft und Gewicht an den entscheidenden Stellen. Der Wechsel vom sechsstimmigen Chorsatz bis zu Unisono- Passagen entfaltete genau jene Intimität, für die das Werk steht.
Ein sanftmütiges Finale
Fauré hatte das «Dies Irae» bewusst weggelassen, das Strafgericht, die Höllenangst, den Zorn Gottes. Sein Requiem kennt keinen zürnenden Richter, nur das sanfte Licht und einen Himmel ohne Schrecken. Sopranistin Rosmarie Kälin-Mortensen, gestaltete das «Pie Jesu», die zarte Solonummer des Werks, mit reiner, tragfähiger Stimme. Bariton Jonathan Prelicz gab dem «Libera me», der Bitte um Errettung vor dem ewigen Tod, klangliche Präsenz und Textklarheit, ohne je ins Forcierte zu kippen. Am Ende stand das «In Paradisum», der Gesang vom engelbegleiteten Weg ins Jenseits. Er schwebte durch das Kirchenschiff, als wäre die Stille selbst zum Klingen gebracht worden.
Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Micha Brandstetter
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