Musik

Räss wie Schweizer Käse, scharf wie ungarisches Gulasch

Das Schwyzer Kantonalorchester (SOKS) realisierte in der Wollerauer Mehrzweckhalle Riedmatt zum zweiten Mal ein grosses Jugendförderprojekt unter dem Titel «Räss und scharf». 22 junge Schwyzer und Roma-Musiker standen mit den Stammkräften auf der Bühne.

Sehr aussergewöhnlich, dieses Prädikat verdient diese Aktion des SOKS auf jeden Fall. Es gab nur zwei Gesamtproben, dennoch wagte sich das Adhoc- Orchester an ein Programm, das technisch einiges forderte. Der musikalische Leiter Urs Bamert stellte die Verbindung zum Snétberger Music Talent Center am Plattensee her und gab damit den Anstoss. Dessen Gründer, Gitarrist Ferenc Snétberger, war selbst vor Ort. Er fördert begabte Jugendliche aus einfachen Verhältnissen, besonders Sinti und Roma aus Ungarn, der Slowakei und der Ukraine.

Für die Nachwuchstalente bedeutete die Woche in Wollerau eine intensive Arbeitsphase. Sie wohnten im Pfadiheim Erlenmoos und Bamert erwies sich einmal mehr als Tausendsassa, dessen Aufgabe nicht am Dirigentenpult endet: Er kümmerte sich etwa um Ausflüge wie in die Milchmanufaktur, wo das Rässe sensorisch erlebbar wurde, oder organisierte Ventilatoren.

 

Jugendlich, frisch und sinfonisch

Gustav Holsts «St. Paul’s Suite» eröffnete leicht und federnd, Granville Bantocks «Scenes from the Scottish High-lands » zeichneten Landschaften mit markanterem Strich. Dazwischen stand das pastorale Intermezzo «Sommernacht » des Brunner Komponisten Othmar Schoeck.

Meisterhaft führten die Künstler durch die wechselnden Stimmungen, in denen sich drückende Schwüle, ein tastendes Suchen nach Schatten, das Aufziehen eines Gewitters und schliesslich auch ein gelöstes Jauchzen und tänzerische Ländler ankündigen. Bei Holst wie auch bei Bantock blitz-ten Mollwendungen auf, die erstaunlich gut zur traditionellen Volksmusik der Gäste aus Ungarn passten. Daraufhin spielte Béla Lakatos «Arlequin» von Louis Cahuzac solo auf der Klarinette. Er gestaltete das Stück wendig und schelmisch. Lakatos hat am Snétberger-Programm teilgenommen, studiert heute und gibt sein Wissen bereits an Jüngere weiter.

 

Ungarn und neue Welten

Nach der Pause stand Antonín Dvořáks berühmte Sinfonie «Aus der Neuen Welt» im Zentrum. Der Titel verweist auf Dvořáks Amerikaaufenthalt von 1892 bis 1895. Die Partitur orientiert sich an damaligen Vorstellungen der indigenen Klangwelt, wie sie etwa in Wildwest-Shows verbreitet wurden. Emma Csákvári, die begnadete ungarische Cellistin, war eine prägende Figur im Ensemble, die immer wieder in den Fokus rückte. Das Largo gehörte Yoko Jinnai am Englischhorn, die die grosse Melodie nicht ausstellte, sondern singen liess.

Bamert interpretierte die Botschaft des Stücks gegenüber dieser Zeitung mit Gegenwartsbezug: Ungarn erlebe derzeit eine neue Welt und auch hierzulande wachse eine Generation in unsicheren Zeiten auf. Kriege, politische Härte und Egoismus machten Angst. In dieser Situation brauche es Hoffnung und mehr Engagement füreinander. «Musik verbindet da.» Nach dem Finale setzte rasch warmer Applaus ein. Dieser Darbietung hätte man mehr Zuhörer gegönnt.

 

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Micha Brandstetter

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kontakt

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

29.06.2026

Webcode

www.schwyzkultur.ch/rQQfkC