Die Geschäftsleitung der Werner Odermatt Tiefbau und Recycling AG, Nadja Schärli (ganz links) und Werner Odermatt (ganz rechts), freut sich über das Kunstwerk von Ralph Hospenthal (Zweiter von links) und Christian Storm. Bild: PD
Die Geschäftsleitung der Werner Odermatt Tiefbau und Recycling AG, Nadja Schärli (ganz links) und Werner Odermatt (ganz rechts), freut sich über das Kunstwerk von Ralph Hospenthal (Zweiter von links) und Christian Storm. Bild: PD

Kunst & Design

Riesen-Wandgemälde auf der Bernerhöhe

Die Graffitikünstler Ralph Hospenthal und Christian Storm haben ein Kunstwerk zwischen Natur und Struktur geschaffen.

Die Bienen-Ragwurz ist eine sehr seltene Pflanze. Zwischen Mai und Juli blüht diese einheimische Orchideenart am Rossberg. Nur einige wenige Exemplare können dort jedes Jahr in voller Pracht bestaunt werden. Seit letzter Woche blüht die Ophrys Apifera ganzjährig auf der Bernerhöhe in Goldau – als Urbanart-Kunstwerk auf dem Gemäuer der Firma Werner Odermatt Tiefbau und Recycling AG. Die Bienen-Ragwurz ziert in ihrem lieblichen Pastellviolett die Wand. Eine Biene kommt gerade zum Blütenbesuch angeflogen. Neben der Naturszene sind Vektorgrafiken zu sehen, ein Kontrast auf der Wand, jedoch nicht in der Umgebung. Perfekt in die Landschaft und Industriebauten inszeniert sind die Formen und Farben des Kunstwerks.

Hilfe von dänischem Graffitikünstler


Verantwortlich für dieses eindrückliche Bild auf beinahe 10 mal 10 Metern Fläche sind die beiden Graffitikünstler Ralph Hospenthal (Seone) und Christian Storm (Storm). Nach einer längeren Auszeit aufgrund eines Tennisarmleidens wollte Hospenthal ein grösseres Projekt starten. «Als Goldauer fuhr ich regelmässig an dieser Wandfläche vorbei, als Künstler erkannte ich das Potenzial», sagt Ralph Hospenthal. Hospenthal hatte die Idee, ein Projekt mit seinem Kollegen Christian Storm anzugehen. Storm ist ein bekannter Graffitiartist aus Dänemark, der mittlerweile in Seoul und von seiner Kunst lebt. Firmeninhaber Werner Odermatt war vom Projekt sofort begeistert und investierte in das Kunstprojekt. Christian Storm war für eine Ausstellung in Dänemark zugegen und konnte vor wenigen Tagen in die Schweiz einreisen. Die Künstler hatten freie Hand. Dies sei keine Selbstverständlichkeit, wie Hospenthal ausführt. «In unserer Region ist das Wort Graffiti oft negativ belastet.» Als Graffitikünstler im Kanton Schwyz muss er noch Pionierarbeit leisten. Ralph Hospenthal hatte bereits in Manila eine Orchidee gesprayt. «Mich fasziniert die Natur, die jeweils einheimische Pflanzenwelt mit all ihren Besonderheiten», sagt er. Deswegen wollte er unbedingt eine einheimische Orchidee auf einer Fassade verewigen. «Die Bienen-Ragwurz ist heikel. Man darf sie nicht ausgraben, sie überlebt nur mit einem gewissen Pilz in der Erde.» Diese Symbiosen fesseln ihn. Und Tricks der Natur ebenfalls. Die Namensgebung der Bienen-Ragwurz beruhe auf der Ähnlichkeit der Blüte mit einer Biene. Die Pflanze imitiere ein Insektenweibchen. Das paarungswillige Männchen bemerke die Täuschung zwar schnell, durch den Austausch eines Pollenpakets, das beim nächsten Besuch einer Ragwurz-Blüte weitergegeben wird, ist die Fortpflanzung der Art gesichert. «Ich sehe es gewissermassen als meine Aufgabe, auf Schönheiten unserer Erde aufmerksam zu machen, sie wieder ins Bewusstsein zu bringen», meint Hospenthal.

Verschiedene Stile


Er ist es denn auch, der mit fotorealistischem Stil arbeitet. Storm arbeitet vor allem mit vektorgrafischen, geometrischen Formen. Storm wollte beim Projekt auf der Bernerhöhe die Strukturen der Umgebung, zum Beispiel der Industriebauten, aufnehmen. «Ich spiele mit Mustern, mit Komplementärfarben. Am Ende muss es eine Balance zwischen der Blume sowie der Biene und meinen Strukturen geben», sagt Christian Storm. Werner Odermatt ist sehr zufrieden mit der Arbeit der beiden, die je um die 80 Arbeitsstunden in das Gemälde investiert haben. «Unser Gebäude erhielt gleich eine andere Ausstrahlung.»

Bote der Urschweiz / Nicole Auf der Maur

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

25.08.2020

Webcode

schwyzkultur.ch/NuS7jf