Moderator Hardy Ruoss (rechts) hält Meinrad Inglins «Schweizerspiegel» hoch. Was ihn lesenswert macht, diskutierten Daniel Annen (von links), Paul Werner Hubatka und Beatrice von Matt. Bild Silvia Camenzind
Moderator Hardy Ruoss (rechts) hält Meinrad Inglins «Schweizerspiegel» hoch. Was ihn lesenswert macht, diskutierten Daniel Annen (von links), Paul Werner Hubatka und Beatrice von Matt. Bild Silvia Camenzind

Literatur

Im «Schweizerspiegel» verliert man sich

An den 5. Literaturtagen wurde über Meinrad Inglin diskutiert. Im Fokus stand «Der Schweizerspiegel », ein Werk, in dem man sich verlieren kann, auch in einer Diskussion.

Der «Schweizerspiegel» des Schwyzer Schriftstellers Meinrad Inglin (1893- 1971) erschien 1938. Eben wurde er neu aufgelegt – in seiner Erstfassung. Das Buch war gestern Vormittag Thema am «Wortwechsel» im Rahmen der Rigi-Literaturtage. Der Weg zu Meinrad Inglin über den «Schweizerspiegel» sei ein anspruchsvoller, aber auch ein lohnender, erklärte Moderator Hardy Ruoss. Wie einst beim Literaturclub am Fernsehen, diskutierte er zusammen mit Beatrice von Matt, Paul Werner Hubatka und Daniel Annen, alle drei profunde Kenner des Schwyzer Autoren, vor rund 60 Zuhörerinnen und Zuhörern.

Die eigene Welt erzählt

Meinrad Inglin, der sich gemäss Hardy Ruoss mit «Die Welt in Ingoldau» in die Literatur hinein-, aber aus Schwyz hinauskatapultiert habe, war auch für die profunde Inglin-Kennerin Beatrice von Matt eine späte Entdeckung. Als die Stanserin mit 22 Jahren die «Welt in Ingoldau» las, habe sie ihre innere Welt erzählt bekommen. Über den «Schweizerspiegel» zu diskutieren, ohne sich in Details zu verlieren, war danach nicht leicht. Wen der Roman bisher abgeschreckt hat, weil das Militär in der Familiengeschichte von 1912 bis 1918 eine zentrale Rolle spielt, könnte nach all den in den zwei Stunden gefallenen Argumenten doch noch Feuer für das Werk fangen. Die vier Kritiker nannten den «Schweizerspiegel» einen vielschichtigen, durchkomponierten Roman. Hardy Ruoss sprach von einem Wurf, einem überwältigenden Werk. Beatrice von Matt nannte den Roman ein Warnbuch, ein Krisenbuch von A bis Z. «Das Militär spielt eine zentrale Rolle», ergänzte Paul Werner Hubatka und lobte, wie genau Inglin diese Welt rekonstruiert habe. Daniel Annen hob den Roman auf eine metaphorische Ebene, und Hardy Ruoss holte ihn wieder auf den Boden zurück, um auch das Publikum, welches den «Schweizerspiegel » nicht gelesen hatte, nicht mit Details zu langweilen. Galt Meinrad Inglin bei Nikolaus Meienberg noch als Vorgestriger, so revidiert sich das heute. Ruoss meinte, im «Schweizerspiegel» finde man absolute Parallelen zu heute. Auch Daniel Annen gibt Inglin und seinem begreifbaren Erzählen heute wieder mehr Chancen.

Zum Auftakt junge Autorin

Der «Wortwechsel» fand im Rahmen des Programmes statt, das am Freitagabend mit der jungen Autorin Stefanie Blaser seinen Anfang nahm. Susan Zurmühle, Initiantin und Organisatorin der Rigi-Literaturtage, sagte: «Diese Autorin ist eine Offenbahrung. Man wird noch viel von ihr hören.» Anwesend waren auch Martin R. Dean und Filmemacher Xavier Koller. Das Interesse des Publikums war geringer als im Jahr zuvor. «Die IG Rigi-Literaturtage lässt sich deswegen nicht verunsichern. Ich glaube grundsätzlich an eine Erfolgsgeschichte», erklärte Susan Zurmühle. Noch befinde sich der Anlass in der Einstiegsphase, man wolle noch breiter bekannt werden, aber auch künftig klein und fein bleiben.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

09.09.2014

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