Literatur in der Natur: Aufmerksame Zuhörer bei Romano Cuonz’ Kurzgeschichte. Bild Tibor Görögs
Literatur in der Natur: Aufmerksame Zuhörer bei Romano Cuonz’ Kurzgeschichte. Bild Tibor Görögs

Literatur

Sprachgewaltiges auf der Rigi

Dass die Königin der Berge nicht bloss Ausflugsziel für Besucher aus aller Welt ist, zeigte sich einmal mehr am vergangenen Wochenende, als der Innerschweizer Schriftstellerinnenund Schriftstellerverein (ISSV) und die IG Rigi Literaturtage zu den 2. Literaturtagen einluden.

Im letzten Jahr hatte der ISSV einen Schreibwettbewerb ausgeschrieben, dem rund 35 Autorinnen und Autoren folgten. Als Ausgangspunkt hatten je ein Zitat von den verstorbenen Autoren Heinrich Federer und Meinrad Inglin gestanden. Vier der zehn preisgekrönten Geschichten wurden am Freitagnachmittag im «Rigis Berggenuss» vorgetragen. Nicht nur Bruno Fries begeisterte mit «Frei wie ein Vogel» die zahlreichen Besucher, auch Peter Weingartner überzeugte mit «Schwindsucht» und heimste einige Lacher ein. Romano Cuonz überzeugte mit seiner sprachgewaltigen Kurzgeschichte «Nebelgrenze » und Martina Clavadetscher mit dem in einer klaren Sprache geschriebenen «Jährlich».

Heinrich Federer als roter Faden

Im Gefäss «Monumente der Zentralschweiz » holten die Veranstalter mit dem Theologen und Schriftsteller Heinrich Federer eine Jahrhundert- Grösse vom Sockel. Seine Werke sind heute noch – 83 Jahre nach seinem Tod – gern gelesene Literatur, nicht zuletzt auch deshalb, weil seine Werke zur Weltliteratur gehören. Der Berufsschauspieler und Sprecher Walter Sigi Arnold zog mit seinemVortrag aus Federers «Berge und Menschen» das Publikum in den Bann.

Der Verleger und sein Autor

Mit Peter Schulz vom Verlag «pro libro» starteten die Rigi-Literaturtage im Alpstubli des Hotels Edelweiss auf Staffelhöhe den zweiten Tag. Mit dabei war Annemarie Regez, die in Philosophie, Volkskunde und Germanistik studiert hatte. Sie las aus ihrem Erstlingswerk «Dezember in Venedig». Der Verlag «Das fünfte Tier» war vertreten durch den Verleger Max Christian Graeff und seinen Autor, der Künstler und Kunsttheoretiker Peter Stobbe. Man kennt ihn auch von «Wie die Dichterin Elfriede J. erst zum Aquarellieren und dann zum Ölmalen vorbeikam». Die Zuhörer erfuhren viel Interessantes und ebenso Witziges aus dem Verlagswesen und kamen in den Genuss von perfekt vorgetragenen Texten.

LiteraTour in der Natur

Die bequeme Kurzwanderung führte von Rigi Staffel nach Rotstock-Gruebi, wo die mit Literaturpreisen vielfach ausgezeichnete Brigitte Fuchs in einem Potpourri aus Lyrik, Kurzprosa, Anagrammen und ihrer experimentellen Poesie Einblick in ihr Schaffen gewährte. Eingebettet in Fels und Wiesen las der Sarner Schriftsteller Romano Cuonz Obwaldner Mundartlyrik und Prosatexte. Auf dem Schwingplatz kamen die Literaturbegeisterten mit Kurt Haberstich in den Genuss eines Teils des noch nicht veröffentlichten Textes aus «Passion in den Bergen», einer hochdramatischen Geschichte über einen Bergsteiger und Liebenden.

Einblick in die Pendlerballade

Gisela Widmer, Lyrikerin, Autorin von Theaterstücken und Dozentin an der MAZ Luzern und Annette Windlin, Regisseurin, Schauspielerin und Theaterpädagogin überraschten am Samstagabend mit Ausschnitten aus ihrer komischen Pendlerballade, in der es um die Elvetino-Stewardess Klara geht. Die beiden Theater-Frauen werden am Samstag, 10. September, die Uraufführung des Stücks im Kleintheater Luzern präsentieren.

Die meditative Seite der Rigi

Die Sonne musste man sich selbst vor das innere Auge führen: Der Sonntag begann mit Regen. Nichtsdestotrotz fanden sich ein paar Frühaufsteher ein zur Meditation in der Kapelle auf Rigi Kulm mit dem Schweizer Kapuziner und Buchautor Anton Rotzetter, welcher mit tiefsinnigen Worten und dem stillen In-sich-Kehren den dritten Literaturtag begrüsste. Gerade in der lauten, hektischen Zeit von heute ist es Balsam für die Seele, auch eine stille und meditative Seite eines literarisch umwobenen Berges zu spüren.

Federer als Spielball

Ein rhetorisch glanzvoller Wortwechsel: Im Zentrum stand wiederum der 1866 in Brienz geborene Heinrich Federer. Sieben Jahre nach seiner Priesterweihe war er als Redakteur zur «Neuen Zürcher Zeitung» gekommen. Mit «Berge und Menschen» und den «Lachweiler Geschichten» war ihm 1911 der literarische Durchbruch gelungen. Der der Pädophilie bezichtigte Schriftsteller wurde zum rhetorischen Spielball zwischen Hardy Ruoss, Barbara Piatti, Charles Linsmayer und Angelo Garovi. Mit dem Lite

Autor

Bote der Urschweiz

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Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

07.09.2011

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