Lesung mit Musik: Mathias Müller (links) und Hanspeter Müller-Drossaart waren an den Rigi-Literaturtagen zu Gast. Bild: Tibor Göröcs
Lesung mit Musik: Mathias Müller (links) und Hanspeter Müller-Drossaart waren an den Rigi-Literaturtagen zu Gast. Bild: Tibor Göröcs

Literatur

Das Geheimnisvolle weckte das Interesse

Am Wochenende fanden die Rigi-Literaturtage zum neunten Mal statt. Geheimnisvolles war auf der nebelverhangenen Rigi zu hören.

Schon die Eröffnung der gut besuchten Rigi-Literaturtage am Freitagabend zeigte, wie wir Menschen, genau besehen, in rätselhafte Zusammenhänge verstrickt sind. Auf der Rigi Staffelhöhe lasen die vier Autoren, die kürzlich mit einem Preis der Zentralschweizer Literaturförderung ausgezeichnet wurden, nämlich Lisa Elsässer, Pino Masullo, Elisabeth Zurgilgen und Peter Zimmermann. Es war auch spannend. So konnten die Besucherinnen und Besucher hörend nachvollziehen, wie zum Beispiel das Motiv des Spiegels unsere Identität nicht nur abbilden, sondern auch merkwürdig nuancieren kann. Von Geheimnissen umrankt, sind auch die beiden Frauen, die im weiteren Verlauf dieses Abends in einer szenischen Lesung von Karin Wirthner Demenga und Sigi Arnold und in einem Film von Cordula Kablitz-Post vorgestellt wurden. Die eine war die Stanser Autorin Annemarie von Matt, die andere war Lou Andreas-Salomé, die so berühmte Leute wie Nietzsche, Freud und Rilke teils betörte, teils auch verstörte.


Tradition und Globalisierung


Auch Gedichte haben einen Hang, Mysteriöses zu evozieren. Wie sie dabei durchaus auch Zusammenhänge der Globalisierung und überhaupt der modernen Welt in ihre Verse gleiten lassen, das zeigten die vier Lyriker, die am Samstagmorgen in der Bergkirche Rigi Kaltbad lasen. Der auch als Journalist bekannte Pirmin Bossart konfrontierte Traditionen aus einem ländlichen Luzerner Hinterland und religiöse Perspektiven mit Zukunftsahnungen einer Welt, die vor allem noch Kodes und Bits und Bytes kennt. Leonor Gnos, die Urnerin, die heute in Marseille lebt, überzeugte mit ihrer Kombination von Sprachbildern; so eindringlich werden sie unter Leonor Gnos’ Feder für unser Vorstellungsvermögen, wie das in einem ihrer Gedichte empfohlene kräuterhaltige Getränk Pastis für unseren Gaumen. Simone Lappert zeigte humorvoll und gestisch gut untermalt, wie wir mit romantischen Bildern uns auch selbst belügen können. Und Lisa Elsässer kombinierte ähnlich, nämlich scheinbar beruhigende Naturbilder mit Frost und Kälte. Kraxeln wir «gredi üüfe», dann geht es auch wieder «schtotzig durab». Das ist der Titel des neuen Gedichtbands des beliebten Schauspielers Hanspeter Müller- Drossaart. Zusammen mit dem Klarinettvirtuosen Matthias Müller rezitierte er Gedichte aus unserem Bildungsschatz – und siehe: Der Humor und die manchmal freudig lüpfige, manchmal melancholische Melodieführung machten diesen Schatz auf aktuelle Art lebendig. Das Publikum lachte in heller Freude. Glück war das Thema der Diskussion am Sonntagvormittag auf Rigi Kaltbad. Alt Ständerat Andreas Iten moderierte, ins Gespräch brachten sich ein: Margrit Schriber, Sebastian Kleinschmidt und Beat Mazenauer. Die Debatte entwickelte dort ihre anregende Brisanz, wo offenbar wurde, wie ein scheinbar schlimmes Ende eines literarischen Werks doch letztlich das Gute wachruft, das die finale Katastrophe verdeckt. Am Nachmittag stellten Beatrice Eichmann-Leutenegger, Liliane Studer und André Schürmann neue Publikationen vor, moderiert von Charles Linsmayer. Die Stanser Schauspielerin Marlène Wirthner-Durrer las ausgewählte Textstellen vor. So war denn am Schluss der diesjährigen Rigi-Literaturtage das Bewusstsein präsent, dass es mit der Schweizer Literatur weitergeht. Am ersten Septemberwochenende wird im nächsten Jahr die zehnte Auflage dieses Festivals sein.


Bote der Urschweiz / Daniel Annen

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

04.09.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/GTXt3J