Regisseur Rolf Lyssy und Hauptdarstellerin Steffi Friis in der Cineboxx in Einsiedeln. Foto: Franz Kälin o
Regisseur Rolf Lyssy und Hauptdarstellerin Steffi Friis in der Cineboxx in Einsiedeln. Foto: Franz Kälin o

Film

Rolf Lyssy im Garten Eden

In Anwesenheit des Regisseurs Rolf Lyssy und der Hauptdarstellerin Steffi Friis wurde letzten Freitag in der Cineboxx Einsiedeln der Film «Eden für jeden» gezeigt.

Ein Film zwischen Grill und Kompost, wie es die Vorschau übertitelt, verflicht in farbiger Natur alltägliche Themen, wie beispielsweise problembelastete Familiengeschichte oder Altersdemenz auf unterhaltsame Art. Themen, wie sie das Schicksal bereithält. Der Film spielt hauptgewichtig in einem stadtnahen, bunt bewachsenen Schrebergarten. Im Gespräch erinnert sich der 1936 geborene Regisseur daran, dass er in seiner Jugend in Herrliberg oft im Familien-Pflanzblätz helfen musste.

Aus dem Werk Lyssys


Wer sich im Werk von Rolf Lyssy umschaut, stellt fest, dass er seine Filme meist auf dokumentarischer Basis entstehen lässt. Beispielsweise die Komödie «Eugen heisst Wohlgeboren » (1968), die sich um die Heiratsvermittlung dreht. Seine eigene Familiengeschichte schien beim Film «Konfrontation – das Attentat von Davos » (1974) durch. Mit schelmischem Augenzwinkern führte er den Zuschauern die Einbürgerungswelt in «Die Schweizermacher » (1978) vor. Dies sind nur einige Beispiele aus dem reichen Schaffen des Regisseurs, der am diesjährigen Zürcher-Filmfestival den Preis für sein Lebenswerk erhielt.

Ein wirklicher Garten von Eden


Im aktuellen Film lässt er Nelly als autonome, selbstständige und selbstsichere junge Frau wirken. Solches setzt Steffi Friis im Film in einer Art um, dass es ihr gar nicht anzumerken ist, dass dies ihre erste Hauptrolle bedeutet. Wie im Gespräch herauszuhören war, konnte sie sich unter der Anleitung von Rolf Lyssy in und mittels der Rolle enorm schauspielerisch entwickeln. Neben ihr meistert Heidi Diggelmann die Rolle der zunehmend dement werdenden Oma Rosmarie hervorragend. Beide wirken in einer lebensnah wirkenden Gemeinschaft echt und glaubwürdig. Alle Rollen des Films sind zudem überaus stimmig besetzt. Der Name Diggelmann ruft bei den Welttheater-Solisten von 1992 Erinnerungen an die seinerzeitige lehrreiche Sprechschulung mit ihr wach. Dass Rolf Lyssy auch die Multi-Kulti-Vielfalt in unserem Land hineinmischt, macht die Geschichte noch farbiger und auch äusserst aktuell. Eine vorgespiegelte Scheinwelt in lieblicher Umgebung ist der Rahmen für eine Geschichte, wie sie uns jederzeit im eigenen Umfeld begegnen kann. Dem Vernehmen nach, war eigentlich ein Film unter dem Arbeitsthema «Imker» gedacht. Die bei den Recherchen angetroffene Szenennatur mit ihren Bewohnern führte aber zum gezeigten Resultat. Es lohnt sich, den Spielfilm anzuschauen.

Gespräche mit dem Regisseur


In der Cineboxx wurde bekannt gemacht, dass das Drehbuch, wenig überraschend, während der Aufnahmen-Arbeit dauernd angepasst werden musste. Dass die 22-tägige Film-Entstehung «nur» 1,6 Millionen Franken gekostet hat, überrascht ob dem Resultat, das am vergangenen Freitag zu erleben war. In kollegialer Weise rühmte Lyssy den Film «Rampass» von Franz Kälin, ob den die Jugendszene zeigenden Szenen in der Einsiedler-Umgebung. Dies hätte ihm als Dokument gefallen, weil er ihm den Gegensatz zu den zürcherischen Verhältnissen vorführe. «Eden für Jeden» ist ein Zeugnis dafür, dass der Kinofilm keineswegs tot ist. Er beweist vielmehr, dass Bilder der Natur und der darin lebenden Menschen eindrucksvoller und nachhaltiger in dieser Dimension gezeigt werden können, als es das kleinformatige Fernsehen anzubieten vermag.

Einsiedler Anzeiger / Karl Hensler

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

06.10.2020

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