Film

Filmreise ins Schübelbach von gestern

Mit einem Filmabend aus Archivfunden führte die Gemeinde Schübelbach das Publikum am Freitag in der Stockberghalle in Siebnen zurück bis in die Fünfzigerjahre und sorgte für nostalgisches Kribbeln bei den älteren Generationen.

Erfreut über das grosse Publikum trotz Hitze und Gewitterregen, begrüsste Gemeindepräsident Othmar Büeler alle Anwesenden und übergab das Wort an Moderator Adrian Oberlin, Präsident des Marchrings. Dieser stellte die Gäste des Abends vor, die die Filmvorführung als Zeitzeugen begleiteten: Arthur Schalch, Kurt Schnekenburger und Richard Ziltener, Vizepräsident des Marchrings, sowie die Bezirksarchivarin Susanna Bingisser. Letztere erklärte die Vorgehensweise bei der Erfassung der Archivfilme, insbesondere die aufwendige Digitalisierung der verschiedenen Analogfilmformate, die eine Rettung der Filme bedeutete, weil diese mit den Jahren «verbröseln» würden.

Anouk Arbenz, Kommunikationsverantwortliche der Gemeinde Schübelbach und Organisatorin des Filmabends, machte darauf aufmerksam, dass an diesem Abend die Geschichte des FC Buttikon einen thematischen Schwerpunkt bildete. Daher war es auch naheliegend, den Verein bei Aufbau und Festwirtschaft mit Popcorn und Getränken miteinzubeziehen. Laut Arbenz ist so viel Filmmaterial vorhanden, dass man sich gleich dazu entschloss, im kommenden Jahr einen weiteren Filmabend durchzuführen.

 

«Stummfilm» mit Musik

Dann hiess es: Film ab! Obwohl bei den neueren Filmen bereits eine Tonspur vorhanden war, wurde die Filmchronik aus technischen Gründen gewissermassen als «Stummfilm» mit musikalischer Begleitung gezeigt. Tatsächlich hatte man bei gewissen Abschnitten das Gefühl, es sässe wie in den jungen Jahren des Kinos ein Pianist vor der Leinwand, der das Geschehen dramatisch untermalte. Doch Slap-stick à la Buster Keaton war da keiner zu finden – statisch und bodenständig bauten sich im Jahre 1971 Schul-kinder, Honorationen aus Politik und Kirche, Blasmusik und Tambouren sowie die Bevölkerung zum Spatenstich für das Stockberg-Schulhaus auf. Gemeinderäte und andere Amtsträger rammten einer um den anderen den Spaten in den zähen Grasboden, Lehrerinnen hielten die Jugend im Zaun, die zum Abschluss auf Kommando die bunten Ballone mit Wettbewerbskarte in die Luft steigen liess.

 

Damals und Heute im Zeitkolorit

Wer sich heute eine solche umweltschädigende Aktion leisten würde, hätte wohl mit einem Strafzettel und einem Rüffel zu rechnen. Doch genau das war ja das Spannende: der Zeitkolorit und die grosse Frage, wodurch sich das Damals vom Heute unterscheidet. Mit Verlaub gesagt: Was da in den Reden gesagt wurde, unterschied sich vermutlich nur wenig von dem, was heutzutage an ähnlichen Anlässen geäussert wird – deshalb war es auch nicht so tragisch, dass die Tonspur fehlte. Hingegen der Habitus der Menschen, ihre Kleidung und die gesellschaftlichen Rollenspiele haben sich zu heute frappant verändert, und gerade das macht solche Dokumente interessant.

Später folgten, ebenfalls akkurat im Film festgehalten, die einzelnen Bauetappen – bis zur Einweihungsfeier mit einer opulenten Berner Platte für die Gäste, die einen bleibenden Eindruck beim Filmpublikum hinterliess und für Gelächter sorgte. Im selben Filmblock wurden auch Bilder von der Fasnacht, dem Markt und vom Bau des Hallenbads gezeigt.

 

Historische Einordnung

In der anschliessenden Gesprächsrunde auf der Couch, in der Adrian Oberlin den historischen Spaten präsentierte, erklärte Richard Ziltener, welchen Fortschritt die Bauvorhaben damals für die relativ arme Gemeinde bedeuteten. Von einem Finanzausgleich, wie er heute existiere, habe man damals nur träumen können. Ausserdem habe man immer gleichzeitig für drei Dörfer sorgen müssen. Aber trotz allem habe man die Bauten ohne Schuldenlast für die nachfolgenden Generationen realisiert. Kurt Schnekenburger schilderte, wie man damals extra einen Hebeboden für das Schwimmbad auswählte, damit die Wassertiefe für alle Schüler reguliert werden konnte. Dadurch wurde die grosse und oftmals schwierige Planungsarbeit der Behörden und Kommissionen im Hintergrund sichtbar.

 

Die Fronarbeit des FC Buttikon

Schliesslich kam der FC Buttikon ins Rampenlicht, der sich in den Achtzigerjahren in beeindruckender Fronarbeit der Clubmitglieder ein Fussballfeld und ein eigenes Clubhaus anlegte. Tatsächlich beeindruckten die Bilder der zupackenden und stets fröhlichen Clubmitglieder, die vom Mauerwerk bis zum Dachstuhl ihr eigenes Haus bauten und gemütlich einrichteten. Hin und wieder sorgten die improvisierten Baugerüste für Schwindelgefühle im Filmpublikum. So etwas wäre heute undenkbar, meinte Arthur Schalch, der die Geschichte des Clubs erläuterte und den starken Zusammenhalt im Verein unterstrich. Richard Ziltener wies auf die grosse gesellschaftliche Bedeutung des Vereins für die Gemeinde hin. Nicht nur während der Spiele auf dem Fussballfeld, sondern auch hinterher in den noch zahlreichen Restaurants nahm die Bevölkerung am Clubleben teil.

 

«Ausflug» in die 1950er-Jahre

Zum Abschluss des über zweistündigen Filmabends rückten die Fünfzigerjahre in den Fokus. Der Empfang von Ständeratspräsident Fritz Stähli und weiteren anderen Ereignissen sorgte für einen starken «Zeitmaschinen-Effekt »: Eine standesgemäss geordnete und uniformierte Gesellschaft erwies dem Würdenträger die hohe Ehre. Die ganze Gemeinde war auf den Beinen, vom Pfarrer bis hin zu den schmucken Trachtenmeitli. Jeder und jede hatte seinen Platz. Dass damals noch alle ein Werktags- und Sonntagsgewand besassen und sich jederzeit passend präsentierten, erklärte Richard Ziltener. Damals sei noch niemand mit Löchern in den Jeans umhergelaufen, meinte er. Er fand auch, dass man die Armut von früher nicht vergessen dürfe und dankbar sein müsse für das Erreichte. Kurt Schnekenburger sagte in seinem Schlusswort, man müsse künftigen Generationen ihr eigenes Leben leben lassen. Susanna Bingisser fand, es sei beeindruckend, dass jede Generation ihre eigenen Herausforderungen kenne, aber auch ihre Lösungen dafür habe.

 

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Eugen von Arb

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

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  • Film

Publiziert am

22.06.2026

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