«Das Verrückteste, was ich bisher gemacht habe» - 1

Bühne

«Das Verrückteste, was ich bisher gemacht habe»

Sie ist ein fester Wert auf den Bühnen und in der Regie: Annette Windlin. Das Projekt «Big Bang» aber sprengt nun alle Grenzen. Es wird absehbar das Zentralschweizer Theaterspektakel dieses Sommers.

Mit Annette Windlin sprach Josias Clavadetscher

Annette Windlin, Sie stehen mitten in den Probenarbeiten für «Big Bang»; wie ist der Stand der Dinge?

Es ist ein grosser Werkplatz, wie eine riesige Werkstätte, eine Baustelle. Momentan sind wir daran, die Technik für das Stück zu installieren und Video, Gesang, die Band, Kostüme und alles Weitere mit der Dramaturgie zusammenzubringen. Dann werden wir sehen, wo es noch nicht funktioniert. Wir haben aber noch etwas Zeit.

Ist das schon die Feinarbeit?

Nein, das kann man noch nicht sagen. Die Feinarbeit wird etwa ab nächster Woche folgen. Im Moment gehen wir das ganze Stück durch, häppchenweise, schauen, wo noch die Baustellen liegen.

Das Terminprogramm ist eingehalten?

Die Termine sind eingehalten. Wie immer wird es aber sicher, je näher die Premiere rückt, immer etwas chaotischer.

Es ist ein völlig ungewöhnliches Projekt: Theater in einer ehemaligen Zementfabrik, die man mit Staub, Lärm, Stein, Dreck gleichsetzt. Was hat Sie gereizt?

Es ist einfach die Grösse dieses Raumes und dass er nicht nur gross ist, sondern ganz viele verschiedene Etagen hat, die mit Stegen, Brücken, Durchbrüchen verbunden sind. Man kann diese Höhen auf allen Seiten bespielen. Wenn man hier drinnen steht, dann ist es überwältigend. Es ergeben sich sofort Bilder, automatisch sieht man die Möglichkeiten, was man alles machen könnte.

Wenn man so will: Ist es das «Verrückteste», was Sie bisher gemacht haben?

Ja, mit Abstand! Einerseits ist es so verrückt, weil es so gross ist. Und anderseits auch, weil ich es selber produziere, mit dem Verein «Halle 6». Es gibt da nicht irgendeine Theatergesellschaft, die das trägt.

Sie springen allein ins kalte Wasser?

Könnte man sagen. Allerdings wäre es allein gar nicht machbar, sondern nur mit einem grossen, tollen Team, das hilft und Verantwortung mitträgt.

Sie sind professionelle Theatermacherin und Schauspielerin, Solistin, Sie haben sich ganz der Bühne verschrieben. Sie arbeiten aber immer wieder mit Laien. Kommen Sie mit denen besser zuwege als mit verschrobenen Profis?

(lacht) Ich liebe die Arbeit mit Laien. Das hat sich ursprünglich aus meiner theaterpädagogischen Tätigkeit ergeben. Da war es automatisch so, dass man mit Laien, Theatergruppen, Erwachsenen wie Jugendlichen, gearbeitet hat. So lernt man Leute kennen, das Feld wird immer grösser, es kommen auch viele Angebote dazu und Anfragen. Es ist einfach darum eine tolle Arbeit, weil es für die Laien nicht ein Job ist. Sie machen das ausserhalb ihres Berufes und wählen ganz bewusst das Theater. Damit sind sie sehr engagiert. Man spürt das Herzblut. Ich kenne mittlerweile auch sehr viele sehr gute Laienschauspieler.

Sie müssen also immer wieder Anfragen ablehnen?

Ja, ich muss viel absagen. Ich könnte gar nicht so viel machen, wie ich Anfragen habe.

Unter den Laienschauspielern stösst man immer wieder auf enorme Talente, die da unter der grauen Oberfläche zum Vorschein kommen. Das könnte zur Frage führen, ob man Theaterspielen überhaupt lernen kann.

Natürlich. Ein Profischauspieler lernt eigentlich das Handwerk. Er lernt die Fähigkeit, dieses Handwerk abzurufen. Dadurch ist er meistens viel schneller und breiter in den Möglichkeiten als ein Laie. Für Laien gibt es sicher irgendwo und irgendwann eine Grenze. Gewisse Sachen aber kann man tatsächlich nicht lernen. Die können einem Laien ebenso gegeben sein wie einem Profi.

Als Autoren von «Big Bang» zeichnen Gisela Widmer und Sie. Geht das überhaupt: zwei Autoren, zwei dramaturgische Vorstellungen, zwei Stile, zwei Charakteren?

Wir haben zusammen das Konzept entwickelt. Dann hat Gisela Widmer mit Schreiben begonnen, ich habe die dramaturgische Begleitung gemacht. Schnell hat sich dann herausgestellt, dass das Schreiben für diese riesige Halle anders ist als für ein Kammerspiel oder einen anderen Ort. Weil ich so genaue Vorstellungen gehabt habe, was man in dem Raum findet, haben wir uns zur Co-Autorenschaft entschieden. Ich habe einzelne Stränge über

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

03.08.2013

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schwyzkultur.ch/r2Qbi7