Karin Gwerder in einer Szene des Jodelmusicals. Auch der Pfarrer sehnt sich nach stillen Zärtlichkeiten. Werden seine Wünsche erfüllt? Bild: Michael Hug
Karin Gwerder in einer Szene des Jodelmusicals. Auch der Pfarrer sehnt sich nach stillen Zärtlichkeiten. Werden seine Wünsche erfüllt? Bild: Michael Hug

Bühne

Musik

«Ein Jodelmusical war völlig neu»

Das Jodelmusical «Stilli Zärtlichkeite» kehrt im Frühling zurück nach Schwyz. Die gebürtige Muotathalerin Karin Gwerder spielt auch in der zweiten Staffel des Erfolgsmusicals mit.

Mit Karin Gwerder sprach Silvia Camenzind


Silvia Camenzind: Sie waren schon bei der ersten Staffel des Musicals dabei. Wie kamen Sie damals dazu?


Karin Gwerder: Über meinen Freund, der zusammen mit Willy Valotti für die musikalische Umrahmung des Gesangs und für die Leitung des Orchesters zuständig ist. Man suchte noch jemanden, der beim Juuzen den Innerschwyzer Stil pflegt. Auf Anfrage von Komponist und Drehbuchautor Ruedi Roth schickte ich ihm eine Aufnahme und kam so in die Auswahl.


Welches sind Ihre Musicaltalente? Liegen diese mehr bei Theater, Tanz oder Jodel?


Beim Theater auf jeden Fall. Ich spielte vier Mal am Muotathaler Theater mit. Beim Tanzen kommt es auf die Choreografie an, grundsätzlich tanze ich sehr gerne, und das Juuzen mag ich sowieso.


Haben Sie sich sofort zum Mitwirken entschieden?


Ich habe mich schnell entschieden, denn so etwas wie ein Jodelmusical, was ja völlig neu war, macht man nicht alle Tage. Es war einzig die Frage der Termine, ob man sich wirklich so lange binden will; aber die Freude und die Neugierde überwogen dann eindeutig. Die Termine für die erste Staffel, die im Oktober 2016 Premiere feierte, erhielten wir bereits im Juli 2015. Es ist eine Sache der Organisation.


Man betrat damals Neuland. Waren Sie überzeugt, dass es beim Publikum Anklang finden wird?


Nicht in dem Ausmass. Ich konnte nicht abschätzen, ob Musical- und Jodelliebhaber zusammenfinden, aber es ist auch eine Sache der Formulierung, denn Singspiele gab es früher ja auch. Die Geschichte ist aus dem Leben gegriffen, erzählt aus dem Alltag und wird mit passender Musik, Liedern und Jodel ergreifend umrahmt. Das Ziel war ganz klar, echtes, traditionelles Jodler- und Kulturgut mit Tanz zu verbinden, und es ist einmal etwas anderes als ein Jodlerabend.


Nun läuft mit «Stilli Zärtlichkeite» bereits die zweite Saison. Wie erleben Sie die Aufführungen?


Auf der zweiten Tournee traten wir bisher in Biel und Landquart auf. Einige Auftrittsorte sind neu, einige wie in der ersten Staffel. Die Reaktionen waren danach überwiegend positiv. Einige haben das Musical bereits zwei, drei Mal gesehen. Die Begeisterung bestätigt uns, dass wir ein grosses Publikum berühren.


Am Wochenende vom 17. und 18.März 2018 wird das Jodelmusical zwei Mal im MythenForum in Schwyz aufgeführt. Sind Sie vor dem Heimspiel jeweils nervös?


Ich war schon bei unseren ersten Auftritten inSchwyz nervös, denn es waren Familie und Kollegen da. Für mich war es zum Spielen speziell. Was würden die Leute wohl denken? Würde es ihnen gefallen? Ich war gespannt auf die Reaktionen und positiv überrascht, dass es den Zuschauern so gut gefallen hat.


Durften Sie als einzige Darstellerin aus der Region den Muotathaler Dialekt beibehalten?


Ja, unbedingt. Es wäre nicht authentisch, müsste ich einen anderen Dialekt sprechen. Darum spielt und singt jeder und jede in seinem Dialekt. Die verschiedenen Regionen spiegeln sich im Gesang und Dialekt wider. Das passt und macht auch den Reiz des Musicals aus.


Wie gross ist eigentlich Ihre Rolle?


Schwierig zu sagen. Das Stück spielt in zwei Zeiten. Man sieht das Liebespaar in jungen Jahren und dann zwanzig Jahre später im Alter. Dabei wird das Paar jeweils von anderen Mitwirkenden verkörpert. Ich spiele vor allem in der neuen Zeit, doch ich bin mit dem Chor gesanglich auch im erstenTeil auf der Bühne.


Sie leben im Toggenburg. Wie eng ist die Beziehung zu Ihrer Heimat noch?


Immer noch eng. Meine Familie und meine Verwandten leben in Muotathal. Wenn es drinliegt, bin ich einmal im Monat auch noch «dinnä». 

Was bedeutet Ihnen der Naturjuuz? 

Ich wuchs in einer musikalischen Familie auf. Meine Mutter ist «vos Lunnis». Mein Grossdädi war der Akkordeonist Franz Schmidig, mein Grosi Cäcilia Schmidig. Von ihr stammt die Komposition «Ufem Stoos ob Schwyz». Sie war Jodlerin, trat aber nie selber auf. Ihre Lieder wurden vor allem durch das Pragelchörli bekannt. Ich hatte daher schon immer mit Musik zu tun. Mit 15, 16 Jahren fing ich an, die alten Jüüzli aus Muotathal zu singen. Das Alte, Urchige faszinierte und berührte mich, und ich wollte auch so juuzen können. Meine Vorbilder waren die Geschwister Theres und Vreni Ulrich sowie die Aufnahmen der Platte «Jüüzli us äm Muotatal». Es ergab sich, dass wir im Ausgang viel gesungen und gejuuzt haben und ich das bis heute beibehalten habe.

Bote der Urschweiz / Silvia Camenzind

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne
  • Musik

Publiziert am

20.12.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/THqS6b