Seine Sicht der Schweiz zeigt Massimo Rocchi im Programm rocCHipedia. Bild Michael Stahl
Seine Sicht der Schweiz zeigt Massimo Rocchi im Programm rocCHipedia. Bild Michael Stahl

Bühne

«Erster Schweizer kommt aus Afrika»

Morgen und übermorgen tritt Massimo Rocchi im «Das Zelt» in Lachen auf. Im Interview mit unserer Zeitung spricht er über sein Programm «rocCHipedia», die Schweizer Geschichte und Fussball.

Mit Massimo Rocchi sprach Irene Lustenberger

ie wohnen seit 27 Jahren in der Schweiz. Sind Sie mehr Schweizer oder Italiener?

Ich glaube, nach einer so langen Zeit bin ich Schweizer. Zuvor war ich vier Jahre lang in Frankreich. Ich habe mein Land vor 31 Jahren verlassen. Mein Italien existiert nicht mehr, und auch das Italienisch, das man jetzt spricht, ist anders als meins.

Welches sind Ihre typisch schweizerischen Eigenschaften?

Ich suche das Problem bei mir und nicht bei den anderen. Das ist typisch schweizerisch.

Und welches Ihre Italienischen?

Ich suche das Problem bei den anderen (lacht).

Sie haben Theaterwissenschaften studiert. Wie wird aus einem Theater wissenschafter ein Komiker?

Ich habe beides gemacht. Ich habe die Schauspielschule besucht und Theaterwissenschaften studiert. Die Zunge sollte ein bisschen Input vom Kopf erhalten.

Und was braucht es, um ein guter Komiker zu werden?

Publikum (lacht). Ich würde sagen, man muss mutig sein wie ein Tiger und naiv wie ein Kind.

Ihr Programm heisst «rocCHi - pedia». Was darf das Publikum erwarten?

In «rocCHipedia» geht es um die Schweiz. Schweizer werden, Schweizer sein und Schweizer bleiben. Wie ist die Schweiz entstanden? Was hat die Schweiz geschafft? Was heisst Konkordanz? Was ist der Unterschied zwischen Steuer - betrug und Steuerhinterziehung? Ausserdem gebe ich Tipps, wie man Bundesrat werden könnte.

Das heisst, man wird nicht nur unterhalten, sondern lernt auch noch etwas?

Man sollte mich nicht zu ernst nehmen. Ich spiele Theater, das ist mein Beruf. Man soll meine Sichtweise der Schweizer Geschichte er leben und darüber schmunzeln.

Wo liegen Ihre humoristischen Grenzen?

Über Krankheiten würde ich mich nie lustig machen. Ansonsten nehme ich alles, was ein Mensch sagt oder was ich lese, auf die Bühne mit.

Momentan passiert viel Trauriges auf der Welt. Verspürt man da überhaupt Lust, die Menschen zum Lachen zu bringen?

Ich verstehe nicht, warum man sich schuldig fühlen muss und warum Sendungen abgesagt werden. Ich verstehe diese Abschaltung des Lebens nicht. Ich war auch schon in armen Ländern und habe Freunde, die in Kriegs gebieten arbeiten. Aber dort existiert das Glück und die Unterhaltung auch. Ich habe auch schon für eine geschlossene Gesellschaft gespielt, deren Chef sich drei Tage zuvor das Leben genommen hat. Die Mitarbeiter hatten Lust auf Ablenkung und gute Laune. Wäre ich ein Chirurg, würde ich dann aufhören, zu operieren? Wäre ich ein Lehrer, würde ich aufhören, zu unterrichten? Nein. Weshalb soll ich dann als Komiker nicht auf der Bühne stehen?

Werden Sie auf der Strasse oft angesprochen?

Auf der Strasse nicht, eher am Telefon. Erfolg ist für mich, wenn man meine Stimme erkennt und erst dann mein Gesicht. Das ist eine Identität, die sehr wichtig ist. Man sagt immer: «Ich gebe dir mein Wort.» Und meine Stimme ist der Motor meines Wortes. Wenn ich Ihnen jetzt sagen würde, dass es mich stört, wenn ich erkannt werde, wäre ich unehrlich.

Sie arbeiten auf der Bühne viel mit Körpersprache. Achten Sie bei Ihren Mitmenschen auf die Körpersprache?

Wenn sie diese benutzen, ja. Ich habe gemerkt, wie Menschen in bestimmten Situationen die Körpersprache benutzen. Ich merke das sofort. Nicht weil ich will, sondern weil ich merke, dass es nicht spontan ist. Die Körpersprache lügt selten. Wissen Sie, die Menschen sind ein bisschen wie Pflanzen und denken an das Aussehen. Aber die Pflanzen haben auch ein Parfum. Und ich spüre den Menschen. Das ist ein Vorteil und ein Nachteil. So merke ich oft, wenn Menschen um mich herum alleine sind oder leiden.

Sie haben schon einige Preise gewonnen. Welcher bedeutet Ihnen am meisten?

Zwei, nämlich der Berner Preis «Bärendreck» und der Swiss Award. Den Swiss Award habe ich bekommen, als ich nach einem erfolgreichen Jahr im Ausland war. Ich dachte, die Schweiz hatte mich vergessen und da kam Kurt Aeschbacher mit dem Swiss Award auf die Bühne des Wintergarten Varietés in Berlin. Das war ein unvergesslicher Abend.

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

23.03.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/xXg68u