Franco Knie jun. zeigt, dass Asiatische Elefanten sehr gelehrig sind. Bilder Irene Lustenberger
Franco Knie jun. zeigt, dass Asiatische Elefanten sehr gelehrig sind. Bilder Irene Lustenberger
Ausdrucksstark und grazil: Valérie Inertie mit dem Roue Cyr.
Ausdrucksstark und grazil: Valérie Inertie mit dem Roue Cyr.

Bühne

Voller Hingabe und Leidenschaft

Der Schweizer National-Circus startete gestern in Rapperswil-Jona seine 94. Tournee. Das diesjährige Motto heisst «Passion Cirque». Die Familie Knie und ihre Artisten zeigen ihre Leidenschaft für den Circus in all seinen Facetten.

Traditionell beginnt die Tournee des Circus’ Knie in Rapperswil-Jona. Ebenso traditionell begrüsst ein Mitglied der Knie-Dynastie das Publikum. Gestern an der Generalprobe am Nachmittag war das aber weder Fredy Knie jun. noch Franco Knie, sondern der zehnjährige Ivan Frédéric. Eröffnet wird das Programm vom Circus-Orchester Bingo. Danach wirbeln Männer durch die Luft, die Flickflacks, Salti, Schrauben und Überschläge wild aneinanderreihen. Gaststar ist in diesem Jahr Michel Gammenthaler. Wie er selbst sagt, ist er kein Artist, sondern ein Zauberer und unterhält das Publikum mit verschiedenen Tricks wie «magische Ringe» oder «Entfesselung». Dabei bezieht er die Zuschauer mit ein und verkörpert verschiedene Charaktere wie die rüstige Rentnerin Hedi Hegetschwiler, den quirligen Deutschen Volker Hagemann oder den düsteren Hellseher Dimitri Banocek. Auf einem ganz anderen Gebiet zaubert Semeon Krachinov. Der 25-jährige Russe jongliert mit bis zu neun Bällen und sieben Keulen.

Prächtige Pferde, stolze Elefanten

Immer wieder eine Augenweide sind die Tiernummern der Familie Knie. Mit gewohnter Eleganz tritt Mary-José Knie mit ihrem prächtigen Pferd in die Manege. Ihr folgen Fredy Knie jun., der ein Pferd und ein Pony tanzen lässt, und Géraldine Katharina Knie, die ein temperamentvolles Schwarz-Weiss-Tableau – bestehend aus Zebras, weissen Arabern und schwarzen Friesen – vorführt. Ihr Ehemann, Maycol Errani, steigt mit seinem Bruder Wioris auf die Rücken zweier starker Pferde und präsentiert einen eindrücklichen Reiterzug: die Ungarische Doppelpost. Ebenso unverzichtbar wie die Pferde sind beim Schweizer National- Circus die Elefanten. Da sich Franco Knie voll und ganz dem Projekt «Elefantenpark im Kinderzoo» widmen möchte, überlässt er das Rund in diesem Jahr seinem Sohn Franco jun. und dessen Frau Linna. Und natürlich darf auch der sechsjährige Chris Rui seinen Eltern assistieren. Höhepunkt der Nummer ist, als Linna Knie zwischen den Köpfen der grossen Dickhäuter einen Spagat macht.

Energie, Kraft und Leichtigkeit

Einen eindrücklichen Kraftakt vollbringen Leosvel Almeida Gutierrez und Diosmani Aguero Leon am Vertikalmast. Die beiden athletischen Kubaner mit ihren breiten Schultern und stählernen Bauchmuskeln scheinen die Schwerkraft zu überwinden. Noch weiter hoch wagt sich das ukrainische Trio Tereshchenko. Der Fänger wirft die beiden leichtgewichtigen Akrobatinnen von seinem Fangstuhl aus durch die rosa und blau erleuchtete Zirkusluft, um sie nach atemberaubenden Drehungen wieder sicher aufzufangen. Ebenfalls aus der Ukraine kommt die Gruppe White Gold. Die vier Männer verbinden scheinbar mühelos Bodenakrobatik und Äquilibristik. Seit einigen Jahren fester Bestandteil im Programm des Circus’ Knie sind die Fratelli Errani. Mit ihrer gewinnenden Energie, ihrer sichtbaren Freude und nicht zuletzt ihrem guten Aussehen gehören Maycol, Guido und Wioris zu den Publikumslieblingen. Ihr Ideenreichtum kennt keine Grenzen. Nach ikarischen Spielen, Akrobatik auf dem Boden oder Tanz auf dem Seil wagen sich die Italiener in diesem Jahr aufs Trampolin, springen höher und höher, drehen sich dabei mehrfach um die eigene Achse und katapultieren sich auf die Schultern ihrer Brüder. Sogar Ivan Frédéric darf zwischendurch mithüpfen.

Viel Grazie und Anmut

Nach so viel geballter Männlichkeit darf bei «Passion Cirque» die Anmut und Grazie der Frauen nicht fehlen. Dafür zuständig ist Valérie Inertie. Die Kanadierin tanzt mit ihrem Roue Cyr zu fesselnder Musik und lässt die Zuschauer für einige Minuten träumen. Mit farbigen Kostümen kurven zum Abschluss die Dalian Girls auf ihren Fahrrädern durch die Manege. Die acht jungen Chinesinnen wechseln während der Fahrt ihre Positionen, bilden eine Pyramide und vollführen sogar Purzelbäume über die Rücken der anderen Frauen. Die Darbietungen der Artistinnen und Artisten werden wie immer begleitet vom zehnköpfigen Orchester unter der Leitung von Ruslan Fil.

March-Anzeiger und Höfner Volksbaltt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

23.03.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/NM8Fg7