Im Jahr 2027 will Peach Weber im Hallenstadion auftreten. Der Vorverkauf läuft bereits. Bild Christian Ballat
Im Jahr 2027 will Peach Weber im Hallenstadion auftreten. Der Vorverkauf läuft bereits. Bild Christian Ballat

Bühne

Wie Peach Weber aus bescheidenen Möglichkeiten das Beste macht

Vor seinem Auftritt am 12. Mai mit dem Programm «Mister Gaga 2011» im MythenForum in Schwyz gab Peach Weber Einblick in sein Leben, seine An- und Einsichten und erklärte, warum es Luxus ist, über ein Zeitkonto zu verfügen.

Mit Peach Weber sprach Christian Ballat

Wann vergeht Ihnen das Lachen?

Beim Hören von Nachrichten, wenn sie über Katastrophen berichten und die sogenannten Fachleute quasi wie Schulbuben danebenstehen, weil sie keine Lösung haben. Das Lachen vergeht mir auch, wenn im Verkehr Promille-Vollidioten die Gesundheit und das Leben anderer gefährden.

Sie wurden als Halbtax-Filosof bezeichnet. Darf oder soll man Sie trotzdem für voll nehmen?

Ich bin halbtax-ernst und halbtaxfröhlich. Einer, der nur Witze erzählt, ist ein Hanswurst. Dagegen nimmt man einen, der nur griesgrämig ist, auch nicht mehr ernst. Man muss mich für voll nehmen, auch wenn ich lustig bin, schliesslich gehören beide Seiten zum Leben. Es ist auch gut, dass die Leute wissen, dass ich morgens um neun auf der Post keine Lust habe, eine Vorstellung zu geben.

Enttäuscht, dass es mit dem Eurovision Song Contest nicht geklappt hat?

Überhaupt nicht. Ich wollte es einfach anbieten, und wenn jemand darauf Lust gehabt hätte, wäre mir auch noch der Schluss des Songs eingefallen. Ich wollte aber auch nicht auf Vorrat arbeiten. Es ist mir nur aufgefallen, dass es die Schweiz noch nie probiert hat, «lustig» am Song Contest teilzunehmen.

Sie können nicht singen und nicht musizieren, haben aber trotzdem Erfolg. Warum?

Weil das Leben nicht gerecht ist. Ein Musiker erhält keine Garantie, von seinem Schaffen leben zu können, auch wenn er sein Instrument noch so perfekt beherrscht. Da musste ich et was anderes finden. Meine Devise ist es, aus bescheidenen Möglichkeiten das Beste zu machen. Genau das versuche ich umzusetzen.

Im neuen Tourtitel «Mister Gaga» kommt eine Kantonsbezeichnung heraus. Ist es cool, Aargauer zu sein?

Ich bin stolz darauf, und es ist cool. Ich machte sogar ein Lied darüber. Es sind aber nicht die Scheinpatrioten die Besten, sondern jeder kann für sich stolz sein darauf, wo er herkommt. Ich bin Aargauer und weltoffen, nicht für die EU, aber auch nicht Freund der SVP.

Der vorherrschende Kantönligeist ist also nicht das Schlechteste?

Im Steuersektor finde ich es nur peinlich, wenn sich die Kantone gute Zahler gegenseitig abzujagen versuchen. Bei den Schulferien ist es auch nicht einfach, aber es gehört zur Geschichte unseres Landes. Kantonshoheiten haben auch ihre Vorteile.

Versuchen Sie, die Schweiz oder gar die Welt zu verändern?

Überhaupt nicht. Ich kann vielleicht bei meinen Auftritten jeweils 500 bis 600 Personen für zwei Stunden etwas verändern, sie dabei etwas lockerer machen. Auch politische Kabarettisten verändern die Welt nicht. Jeder müsste in seinem Umfeld anfangen und hoffen, dass andere es auch so machen. Das könnte etwas bewegen.

Engagieren Sie sich politisch, oder sollen die in Bern einfach machen, was sie wollen?

Ich war 20 Jahre in einer politischen Gruppe. Angefangen hat es mit einer Liste für den Einwohnerrat in Wohlen. Ich war der Einzige auf der Liste und machte gleich zwei Sitze. Zu den besten Zeiten sassen wir mit neun Personen im Einwohnerrat und waren die drittgrösste politische Kraft. In der Lokalpolitik kann man direkt mitbestimmen. Für kantonale oder nationale Ämter habe ich die Geduld nicht. Die Welt sähe besser aus, wenn alle Politiker ein Quietschentchen bei sich tragen würden.

Lehrer sind heutzutage oft im Gespräch, sei es, weil es davon zu wenig gibt, oder sei es, weil man über deren Entlöhnung diskutiert.

Ich sehe das nicht so problematisch. Ich würde, wäre ich nochmals jung, wieder den Lehrerberuf ergreifen. Schwierigkeiten haben mich fasziniert und herausgefordert, und von ihnen gab es in der von mir unterrichteten Kleinklasse genug. Heute ist allerdings die Administration an den Schulen so aufgepumpt, dass ich wohl Mühe hätte, wieder als Lehrer zu wirken.

Machen Sie den Frühjahrsputz selbst?

Nein, auch keinen Herbstputz. Die Versuchung ist allerdings gross, gerade im Frühling, wo man ekelhafterweise den Dreck so viel besser sieht. Ich sauge gern, wenn ich sehe, wo ich schon durchgefahren bin.

Wie gelingt es,

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

07.05.2011

Webcode

www.schwyzkultur.ch/A46Wq2