Dirigentin Graziella Contratto erhält den Innerschweizer Kulturpreis. Bild Priska Ketterer
Dirigentin Graziella Contratto erhält den Innerschweizer Kulturpreis. Bild Priska Ketterer

Dies & Das

«Ich erhielt einen charmanten Anruf von Walter Stählin»

Dirigentin Graziella Contratto ist gerührt, dass sie den Innerschweizer Kulturpreis erhält. «Auch ein wenig scheu.»

mit Graziella Contratto sprach Nicole Auf der Maur

Wie haben Sie vom Kulturpreis erfahren?

Ich erhielt einen charmanten Anruf von Walter Stählin.

Wie haben Sie reagiert?

Ich war gerührt und auch ein wenig scheu.

Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Er schliesst einen Kreis zwischen meiner Schwyzer Kindheit und meiner erwachsenen Nostalgie für jenen Abschnitt in meinem Leben. Ich durfte in Schwyz musikalisch, schulisch und menschlich alles lernen,was mich bis heute prägt. Und als Anerkennung ist so ein Preis natürlich immer sehr schön.

Sie leiten momentan den Fachbereich Musik der Hochschule der Künste in Bern. Was geben Sie jungen Künstlerinnen und Künstlern mit auf den Weg?

Sei ehrlich zu dir und lerne soviel du kannst von der Vergangenheit, von Lehrerinnen und Lehrern sowie von Freunden.

Wie viele Konzerte haben Sie bis heute dirigiert?

Gefühlte drei Millionen.

Welches Konzert blieb Ihnen besonders in Erinnerung?

Das war eine Aufführung im Schwyzer MythenForum im Jahr 2007: Mendelssohns Sommernachtstraum mit dem Hochschulorchester Luzern und einer Gruppe von jungen Tänzerinnen, Schauspielern und Hofdamen. Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam umwunden von dieser unglaublich schönen Musik – dies war vielleicht mein berührendstes Erlebnis.

Als Nächstes steht von Ihnen eine Aufführung auf der Seerose an. Was führen Sie auf?

Ich leite die Camerata Schweiz in Werken von Komponisten wie Mendelssohn, Rossini, Wagner und Rachmaninov – sie alle liebten die Gegend um den Vierwaldstättersee und liessen sich von ihm inspirieren.

Warum sollte sich ein Laie dieses Sinfoniekonzert anhören?

Roland Koch, der vor ein paar Jahren den Wilhelm Tell in der Rütli-Inszenierung gab, wird Texte lesen, die aus Memoiren, Tagebüchern und Briefen jener Komponisten stammen. Und ganz ehrlich: Die Musik ist so wundervoll, ich mache da prinzipiell keinen Unterschied zwischen Laien- und Profizuhörern. Eigentlich mag ich Laien lieber …

Wann spielen Sie selber noch Musikinstrumente?

Das Klavier wurde mit der Zeit noch als Probeninstrument benutzt,aber ab nächstem Monat nimmt unsere sechsjährige Tochter Klavierunterricht – da muss ich wahrscheinlich auch wieder ein bisschen üben, um auf der didaktischen Höhe zu bleiben.

Hören Sie privat auch Musik? Oder wollen Sie zu Hause einfach mal Ruhe haben?

Ich mag Klassik, orientalische Musik, Jazz, neue Volksmusik auch der Innerschweiz – ich höre immer etwas, das Ruhevolle gehört nicht zu meinen Stärken.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Nicole auf der Maur)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

24.03.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/WXT28W