Aldo Betschart: «Meine Agenda sagt, wann ich schreiben kann».
Aldo Betschart: «Meine Agenda sagt, wann ich schreiben kann».

Dies & Das

«Ländler und Metal haben sehr viel gemeinsam»

Aldo Betschart ist Musiker, Autor und Familienvater. Er hat in den Achtzigerjahren die hiesige Musikszene mit seiner damaligen Band Verwaint geprägt. Heute schreibt er Bücher. Sein neuster Roman heisst «Ewig die Dummen».

Mit Aldo Betschart sprach Nicole auf der Maur

Sie waren in den Achtzigerjahren der erste Metal-Musiker in Muotathal...

Wenn man von «Thrash Metal» spricht und nicht von «Heavy Metal», wird das stimmen. Zutreffender wäre es, zu sagen, dass meine drei Freunde und ich mit Verwaint Thrash Metal ins Thal eingeschleust haben und wir uns in dieser neuen Stilrichtung auch selbst versuchten. Thrash Metal war damals reine Underground-Musik, die von den meisten Leuten unbemerkt aus den USA nach Europa gelangte. Diese Musik klang weitaus härter und extremer als alles bisher Dagewesene.

Wie haben die Muotathaler Einwohner damals auf Sie reagiert?

Bestimmt wollte ich nicht immer wissen, was den Leuten bei meinem Anblick durch den Kopf ging. Meinen drei Freunden, mit denen ich Verwaint gründete («Tönis» Roger Schelbert, «Bäschuls» Erich Gwerder und «Hänis» Iwan Heinzer*), ging es da nicht anders. Einerseits gab es Leute, die sich aufrichtig dafür interessierten, was wir mit unserem Auftreten und dem musikalischen Gehämmer bezweckten. Andere dachten, wir würden unsbewusst abgrenzen,was nicht wirklich der Fall war.

Gab es Anfeindungen?

Man wurde schon mal als Idiot oder Schwuler betitelt, weil wir diesen «Krach» mochten und unsere Haare immer noch länger wurden. Als wir uns dann aber trotz verschiedenen Anfeindungen nicht änderten, sondern unsere Musik mit Herzblut weiter zelebrierten, schlug auch die letzte Ablehnung irgendwann in Akzeptanzum. Das war ab 1992 zu spüren, nachdem wir unser erstes Konzert auf heimatlichem Boden gespielt hatten.

Man hat Sie jahrelang merken lassen, dass Sie anders sind?

Allein schon unser Aussehen und die Tatsache, dass wir uns in unserem Proberaum regelrecht verschanzten, bildeten natürlich einen guten Nährboden für allerhand Spekulationen: So fuhren wir zum Beispiel 1989 nach München, weil es meine Absicht war, dort eine ganz bestimmte Gitarre zu kaufen. Ich kaufte diese Gitarre auch tatsächlich, während im Muotatal jemand meinerMutter einzureden versuchte, dass ich in München sei, um mir illegale Drogen zu beschaffen. Mit solch dummen Unterstellungen konfrontiert zu werden, das war nicht immer lustig, noch weniger für unsere Eltern, selbst wennder grösste Teil derBevölkerung sich fair verhielt.

Wie Sind Sie selber zur Musikszene gelangt?

Mitte der Achtzigerjahre war für Thrash-Metal-Fans eine magische Zeit. Zumindest bei uns in der Schweiz hatte sich diese sehr harte Musik noch keineswegs auf grossen Bühnen etablieren können. Nationale und internationale Thrash-Bands spielten oft im Saal irgendeines Restaurants, so wie die Bands Kreator und Voivod, welche wir 1987 im kleinen Saal vom Restaurant Rössli inAzmoos (Sargans) live erlebten. An solchen Orten traf man Gleichgesinnte, die aus der ganzen Schweiz und selbst aus dem benachbarten Deutschland angereist waren.

Gab es eine Thrash-Metal-Szene in der Zentralschweiz?

Zumindest in den Achtzigerjahren gab es in der Zentralschweiz keineThrash-Szene im eigentlichen Sinn. Ein Schlüsselerlebnis hatten wir Musiker von Verwaint, als wir 1986 in Küssnacht Tenebre aus Steinen live sahen. Technisch waren sie viel weiter als wir, und im Unterschied zu uns spielten sie bereits auf der Bühne. Das war noch einmal eingewaltiger Ansporn. Später haben wir uns mit den Jungs von Tenebre und anderen Musikern angefreundet. Solch ein Kontakt, das war uns viel wichtiger, als Teil irgendeiner Musikszene zu sein.

Was hat Sie am Thrash Metal fasziniert?

Als Speed Metal beziehungsweiseThrash Metal kam, war Heavy Metal bereits in die Jahre gekommen und meiner Meinung nach vor lauter Klischees ziemlich langweilig geworden. Was dann mit dem sehr viel schneller gespielten Thrash Metal kam, das war einfach nur spannend und faszinierend; hinzu kamen das spielerische Können und die enorme Präzision der Musiker. Was da gespielt wurde, war von einer ganz neuen Energie beseelt. Auch die Songtexte waren revolutionär. Ja, aus den Bands sprach ein neues Verantwortungsbewusstsein. Da wurd

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

13.12.2014

Webcode

schwyzkultur.ch/yNdTsb