Filmregisseur Thomas Horat: «Ich habe meine Filme nie als Heimatfilme gesehen, schubladisiere mich selber auch nicht. Aber ja, die Filme bedeuten für mich schon auch Heimat.» Bild: Désirée Schibig
Filmregisseur Thomas Horat: «Ich habe meine Filme nie als Heimatfilme gesehen, schubladisiere mich selber auch nicht. Aber ja, die Filme bedeuten für mich schon auch Heimat.» Bild: Désirée Schibig

Film

«Ich rechne mit einer Gewinnchance von etwa 30 Prozent»

Thomas Horat darf auf den Schweizer Filmpreis hoffen. «Ins Holz», der heute Abend am Kurzfilmfestival in Einsiedeln gezeigt wird, ist in der Kategorie «Bester Kurzfilm» nominiert.

Mit Thomas Horat sprach Désirée Schibig


Zuerst herzliche Gratulation zur Nomination für den Schweizer Filmpreis. Zum ersten Mal hat es einer Ihrer Filme auf die Liste der Nominiertengeschafft. Was bedeutet Ihnen dies?


Das ist eine schöne Anerkennung. Der Film wurde die letzten Monate viel im Ausland gezeigt. Dass er nun auch in der Schweiz wahrgenommen wird, ist sehr schön, und ich hoffe, dies ist für die nächsten Projekte hilfreich.


Wie schätzen Sie die Chancen auf einen Sieg ein?


Ich rechne eigentlich nicht damit, aber es wäre möglich. Natürlich wäre es schön, wenn wir den Preis bekommen, aber die anderen Filme sind auch sehr gut. Ich rechne mit einer Chance von etwa 30 Prozent.


Wie viele Drehtage waren nötig, um diesen 13-minütigen Kurzfilm zu schneiden?


Da wir auch eine längere Version gemacht haben, drehten wir an zehn Tagen. So hatten wir viel Material und konnten wirklich das beste herausfiltern.


Ist das Handwerk des Flössens überhaupt noch wirtschaftlich, oder geht es dabei mehr um den Erhalt einer Tradition?


Es ist eine Mischung aus Tradition und Neuzeit. Neben dem Flössen gäbe es sonst eigentlich nur die Variante, den Wald so stehen zu lassen, wie er ist, oder das Holz mit dem Helikopter rauszufliegen, was natürlich viel teurer wäre. So gesehen ist die Variante mit dem Flössen auch ökologisch.


Die Forstarbeiter wirken vor allem in der Szene, wo sie in der Znünipause ihre Bratwurst essen, unbefangenund natürlich. Wie schaffen Sie das als Regisseur?


Man muss Nähe schaffen und sich gegenseitig vertrauen. Ich denke, meine bisherigen Filme haben dabei geholfen, da man weiss, dass die Leute nicht irgendwie blöd hingestellt werden. Weil zwei Forstarbeiter aus Schwyz sind, war es für mich einfacher, und es lief von Anfang an gut. Nach dem Filmen habe ich die Zeit mit ihnen, vor allem die gemütlichen Grillpausen, richtig vermisst.


Im Film kommt zum Ausdruck, wie gefährlich die Arbeit im Holz tatsächlich ist. Die Wucht der fallenden und ins Tal donnernden Tannen ist eindrücklich. Gab es während des Drehs kritische Momente?


Nein, es gab keine kritischen Momente, und es ist zum Glück auch nichts passiert. Ich wusste vorher nicht, wie gefährlich die Arbeit ist, sah dies aber von Anfang an. Gleich am ersten Tag merkte ich, dass ich am richtigen Ort bin mit dem richtigen Thema. Die Forstleute selbst sind eingefleischte Profis und reden eigentlich nicht über die Gefahren. Die Arbeit ist äusserst hart, der Verdienst jedoch eher bescheiden. Trotzdem haben sie einen grossen Berufsstolz, machen ihre Arbeit gerne. Solche Leute zu porträtieren, ist immer super.


«Ins Holz» wurde im Ausland an 40 Filmfestivals gezeigt und hat 10 Preise abgeräumt. Wie erklären Sie sich dieses Interesse im Ausland und den Erfolg?


Der Film ist kurz und in sich sehr abgerundet. Ausserdem sind die Bild- und Tonqualität gerade für einen Kurz-Dokfilm sehr hoch. Man kann in kurzer Zeit eintauchen in ein Stück Schweiz. Am Schluss gibt es zudem einen Überraschungseffekt mit dem Floss. Wir hatten auch Glück. Fast an jedem Tag, an dem wir drehten, hatte es in der Nacht davor geschneit.


«Wetterschmöcker», «Alpsummer», «Ins Holz» – und bald ist Ihr neuer Film über das Herstellen von Trychlen fertig. Darf man Sie nun definitiv zum Genre des traditionellen Dok-Heimatregisseurs zählen?


Es ist immer sehr schön, wenn man etwas in der eigenen Umgebung filmen kann. Ich arbeite gerade an einem Film über die Rückkehr des Wolfs in die Schweiz und habe dabei auch in anderen Ländern gedreht. Damit komme ich wieder etwas weg von den Heimatfilmen. Aber es ist das Schönste überhaupt, in den Bergen zu filmen. Ich habe meine Filme nie als Heimatfilme gesehen, schubladisiere mich selber auch nicht. Aber ja, die Filme bedeuten für mich schon auch Heimat. Ich werde aber auch andere Sachen machen.


In der Schweiz gilt das Filmbusiness als ziemlich brotlos, der Markt ist klein. Verdienen Sie mit Ihren Filmen denn auch Geld? Können Sie davon leben?


Es geht so knapp, und es ist nicht einfach, aber immer noch einfacher als in anderen Ländern wie zum Beispiel Italien, wo die Voraussetzungen noch schwieriger sind. Das Schweizer Fernsehen ist eine wichtige und zentrale Institution für den Schweizer Film, was die Gelder für Urheberrechte bei der Ausstrahlung betrifft. Mein Film über die Rückkehr des Wolfs wird eventuell vom Schweizer Fernsehen mitproduziert. Das hilft finanziell, aber auch für weitere Produktionen.


Bote der Urschweiz / Désirée Schibig

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Film

Publiziert am

23.02.2018

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schwyzkultur.ch/P9rkX2