«Weiberleut» und «Wätterschmöcker»: Die Dokumentarfilmer Gertraud Schwarz (links) und Thomas Horat, der gleichzeitig den Filmverleih Mythenfilm betreibt, im Gespräch mit Salome Pitschen. Bild Christian Ballat
«Weiberleut» und «Wätterschmöcker»: Die Dokumentarfilmer Gertraud Schwarz (links) und Thomas Horat, der gleichzeitig den Filmverleih Mythenfilm betreibt, im Gespräch mit Salome Pitschen. Bild Christian Ballat
Starke Bäuerin an lärmiger Motorsäge - 1

Film

Starke Bäuerin an lärmiger Motorsäge

Nur selten sieht man Bäuerinnen, die ohne Mann einen Hof führen. Gertraud Schwarz hat sechs Bäuerinnen, die ohne Mann leben, bei ihrer Arbeit mit der Kamera begleitet und einen packenden Dokumentarfilm geschaffen. Der Film läuft dank «Wätterschmöcker» - Regisseur und Filmverleiher Thomas Horat jetzt auch in den Schweizer Kinos.

Mit Gertraud Schwarz sprach Christian Ballat

Seit zwei Jahren läuft «Weiberleut» in den österreichischen Kinos. Wie sind die Reaktionen?

Mein Film wird geografisch über das ganze Land verstreut gezeigt, in grossen Städten und kleinen Landkinos. Viele Reaktionen sind positiv, auch von Feministinnen und Bauern.

Ist der Film aus der Sicht einer Feministin oder aus der Sicht einer Bäuerin entstanden?

Es hat beide Elemente darin. Ich bin selber auf dem Land aufgewachsen und half während meiner Kinder- und Jugendzeit viel auf den landwirtschaftlichen Betrieben der Nachbarschaft mit. Daher kenne ich die bäuerliche Sicht. Nach meinem Umzug in die Stadt kam die feministische Seite dazu.

Jetzt zeigen Sie den Film in Schwyz. Haben Sie gedacht, dass er einst über Ihre österreichischen Landesgrenzen hinaus auf Interesse stossen könnte?

Gehofft habe ich es immer, dass auch deutsche und schweizerische Kinobesucher gespannt sehen wollen, wie Bäuerinnen «ihren Mann» stehen. Es ist allerdings sehr schwierig, einen Verleiher zu finden.

Gibt es Parallelen zum Film «Wätterschmöcker»?

Im Film von Thomas Horat sieht man praktisch keine Frauen, bei mir keine Männer. Aber beide Filme haben versucht, mit den einzigartigen Charakteren der dargestellten Personen zu arbeiten. In «Weiberleut» gibt es auch weniger Landschaftsbilder. Ich habe mich mehr auf die Frauen und ihre Geschichten konzentriert. So erfährt der Kinobesucher viel vom teils knochenharten Alltag der Bäuerinnen.

Von der Bäuerin am Herd ist aber sehr wenig zu sehen.

Oft werden in Filmen Bäuerinnen genau in diese Rolle gepresst. Starke Bäuerinnen an der Motorsäge oder ackerpflügende Traktorsteuerkünstlerinnen sieht man dagegen selten. Hier setzt mein Film an.

Wie haben Sie denn die sechs im Film porträtierten Bäuerinnen gefunden?

Ich platzierte Ausschreibungen in bäuerlichen Zeitungen, habe Freunden und Bekannten erzählt, dass ich auf der Suche nach solchen Bäuerinnen bin oder habe Anfragen an bäuerliche Vereinigungen geschickt.

Wie war die Resonanz?

Auf die Zeitungsannoncen haben sich nicht viele gemeldet, aber über die bäuerlichen Vereinigungen habe ich einige Kontakte bekommen. Schwierig war es dann zum Teil, die Zusage der Frauen zu bekommen, dass sie im Film mitmachen.

Was sprach gegen ein Mitwirken?

Viele wollten sich nicht in den Vordergrund stellen. Einige haben auch ganz persönliche Geschichten, die sie nicht der Öffentlichkeit preisgeben wollen. Auch die Gründe, wie es dazu kam, dass sie jetzt alleine einen Hof führen, wollten nicht alle preisgeben. Letztlich zeigt der spannende Film jetzt aber ein breites Spektrum.

«Weiberleut» bei Mythenfilm Schwyz.

Der Dokumentarfilm «Weiberleut» über Bäuerinnen ohne Mann von der österreichischen Regisseurin Gertraud Schwarz wird über den Kinoverleiher Mythenfilm von Thomas Horat vertrieben. GesternAbend fand im Kino MythenForum in Schwyz die Premiere statt, der Film bleibt die nächstenTage im Programm. In Zürich wird «Weiberleut» heute zum ersten Mal gezeigt, weitere Kinos folgen in den nächsten Tagen und Wochen. Der Brunner Regisseur und Filmverleiher Thomas Horat hatte den Film «Wätterschmöcker » in die Kinos gebracht. An einem Filmfestival in Radstatt (Ö) traf er Gertraud Schwarz und beschloss, ihren Film in seinen Verleih aufzunehmen.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Film

Publiziert am

20.05.2011

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schwyzkultur.ch/69AVLJ