Syra Marty: vom Bergbauernmädchen zur Hollywoodschönheit. (Bild: pd)
Syra Marty: vom Bergbauernmädchen zur Hollywoodschönheit. (Bild: pd)
Das Filmplakat: Roger Bürglers Film wurde zum Überraschungserfolg.
Das Filmplakat: Roger Bürglers Film wurde zum Überraschungserfolg.
Syra Marty ist gestorben - 1
Trailer zum Dokumentarfilm über die Schweizer Nachtklubtänzerin, Model und Schauspielerin Syra Marty von Roger Bürgler.
Trailer zum Dokumentarfilm über die Schweizer Nachtklubtänzerin, Model und Schauspielerin Syra Marty von Roger Bürgler.

Film

Syra Marty ist gestorben

Die erste Schweizer Striptease- und Burlesque-Tänzerin Syra Marty ist in der Nacht auf Freitag in Florida fünf Monate vor ihrem 90. Geburtstag gestorben. In
Erinnerung wird sie durch den Dokumentarfilm «Syra Marty – Dächli Leni goes to Hollywood» bleiben.

Am 21. Juni 1921 erblickte Syra Marty als Josephina Magdalena Marty in Feusisberg im Kanton Schwyz das Licht der Welt. Als Frühgeburt wurde ihr die Kämpfernatur sprichwörtlich in die Wiege gelegt. Erstmals für Aufmerksamkeit sorgte «s Leni» anfangs der 40er-Jahre, als sie im elterlichen Gasthaus Rigi- Dächli hoch über Goldau aushalf. Der Name «Dächli-Leni» blieb ihr ein Leben lang haften.

Via Zürich in die Welt

Früh schon fühlte sich Leni Marty zur Showwelt und den Bühnenkünsten hingezogen. Mitte der 40er-Jahre assistierte sie ihrem künftigen Mann und Manager, dem Artisten Billy Frick, auf der Bühne. Er sorgte auch dafür, dass die Innerschwyzer Schönheit 1946 erstmals als Tänzerin auftreten konnte. Mit ihren Exotik- und Burlesque-Shows im Zürcher Niederdorf wurde sie zu einer Sensation. Schnell gab es Engagements in ganz Europa. Billy Frick verpasste seiner Künstlerin den Namen Syra und als diese wurde sie in ganz Europa zu einem Medienereignis. Im Januar 1948 reisten Billy Frick und Syra Marty nach Los Angeles. Dort erhielt Syra Marty im legendären Can Can Follies Theatre ein längeres Engagement als Star der allabendlichen Exotik-Tanzshows. Parallel dazu wurde die eher kleine Schweizerin mit den blonden Haaren und der umwerfenden Ausstrahlung oft als Fotomodell und in kleinen Filmen als Schauspielerin gebucht. Vom Filmstudio Twentieth Century Fox erhielt sie einen Vertrag, reüssierte jedoch nie als Schauspielerin. Dafür wurde sie mit ihrer Tanzshows rund um den Globus gebucht. Sie trat in allen grossen US-Städten, Kanada, Mexiko (beim Schweizer Swing- Musiker Teddy Stauffer in Acapulco), Hawaii, Japan, Frankreich, Italien, Schweden, Dänemark, Deutschland und Österreich auf. Überall wurde sie als grosser Star angekündigt und trat vorwiegend in Begleitung eines Orchesters auf.

In Vergessenheit geraten

Syra Marty kam immer wieder gerne in die Schweiz. Ihre Gastspiele im damaligen Revuetheater im Terrasse am Limmatquai sind legendärund in ihrer Heimat in Goldau staunte man vor allem über die Hollywood- Bekanntschaften des Bauernmädchens. Mit Gary Cooper und Robert Mitchum war sie befreundet, Gregory Peck verehrte sie sogar. Einzig Marilyn Monroe hatte wenig Freude an der Schweizerin. Sie war ihr zu ähnlich. Frank Sinatra und Dean Martin warben unabhängig voneinander um Syra Marty, die in den US-Medien oft als schönste Frau bezeichnet wurde. Beide erhielten einen Korb. Syra Marty liebte das Tanzen und stand bis zum Tod von Billy Frick im Januar 1977 auf der Bühne. Dies im Alter von 56 Jahren. Nach dem Tod Fricks zog sie sich zurück in ihr Haus in Naples an der Westküste Florida. Der frühere Medienstar, der rund um den Globus auch für einige handfeste Skandale sorgte, geriet völlig in Vergessenheit. 2010 wurde ihr einmaliges Leben und vor allem die ansteckende Heiterkeit und Schönheit durch Roger Bürglers Dokumentarfilm «Syra Marty – Dächli Leni goes to Hollywood» einem breiten Publikum bekannt gemacht.

«Einfach kolossal»

Der Film wurde ein Überraschungserfolg und wird – obwohl bereits die DVD erhältlich ist – noch heute in den Kinos gezeigt. Am meisten Freude am Film hatte die Protagonistin selber. «Das isch eifach kolossal», sagte sie Roger Bürgler, als dieser ihr den Film im Mai 2010 in Naples vorführte. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie kurze Zeit später ihr Haus verlassen und in ein Alterswohnheim ziehen. Am 3. Februar am frühen Abend ist «s Dächli-Leni» friedlich eingeschlafen. «Ich habe das Leben wirklich genossen und es ist schön gewesen», sagt sie in ihrem Film.



Zum Thema

- 14.11.2010:

Autor

SchwyzKulturPlus

Kategorie

  • Film

Publiziert am

04.02.2011

Webcode

www.schwyzkultur.ch/dPTEQL