Filmemacher, der in Brunnen lebt: Thomas Horat begibt sich gerne in verschiedene Welten.
Filmemacher, der in Brunnen lebt: Thomas Horat begibt sich gerne in verschiedene Welten.

Film

Was Punks und Wetterfrösche verbindet

Vor 30 Jahren war er selber als Punk unterwegs. Im letzten Winter drehte der Brunner Filmemacher Thomas Horat («Wätterschmöcker») einen Film über das Musikzentrum Sedel.

Mit Thomas Horat sprach Nicole Auf der Maur

Sie waren früher selber ein Punk?

Das ist 30 Jahre her... Die einen lösen sich etwas ruhiger von den Eltern ab, die anderen etwas lauter. Ich bin im alten Kurhaus auf dem Stoos aufgewachsen. Als dieses 1975 abgebrannt ist, sind wir nach Meggen gezogen. Für mich war dort alles neu. War ich auf dem Stoos mit 6 Kindern in einer Klasse, waren es nun 30. Ich musste viele Anpassungen in Kauf nehmen, und dies hat mich offensichtlich aufgewühlt. Punk ist heute sehr relativ: Am Samstagmorgen lief in der Glattalphütte Punk aus den Lautsprechern. Niemand nimmt es heute als Punk wahr.

Vor 30 Jahren stand Punk für eine Jugendkultur mit rebellischer Haltung. Sie waren Teil der Punkszene rund um den Sedel...

Ich war von Anfang an dabei, als der Sedel erkämpft und in Betrieb genommen wurde (siehe Box). Ich war jedoch noch zu jung, um Initiative zu übernehmen und mich politisch aktiv zu betätigen.

Was hat diese Zeit für Sie bedeutet?

Es war die unbeschwerte Zeit, bevor man richtig ins Berufsleben einsteigen musste. Ich habe damals eine Kochlehre absolviert, in der ich nicht so glücklich war. In meiner Freizeit habe ich dann kompensiert und lange Abende mit dem neuen Freundeskreis und viel Musik im Sedel verbracht.

Jetzt drehen Sie zusammen mit Luzius Wespe einen Dokumentarfilm über den Sedel. Wie kam es dazu?

Der Vorstand vom Sedel hat zum 30-Jahr-Jubiläum alle Filmemacher, die einen Bezug zum Sedel haben, angefragt. Die Geschichte um den Sedel ist ein Thema, das nicht kommerziell ausgeschlachtet werden kann. Es haben denn auch nur zwei Filmschaffende ihr Interesse angemeldet – Luzius Wespe und ich. Keiner von uns beiden wollte das Projekt alleine machen.

Haben Sie Luzius Wespe bereits gekannt?

Nein. Wir haben uns für das Projekt zusammengetan. Er war während den Dreharbeiten für die Kamera zuständig, ich für die Regie. Wir haben im vergangenen Winter abendelang gedreht. Das lief natürlich alles mehr oder weniger ehrenamtlich ab; die zahlreichen Stunden, die wir in Proberäumen und den Sedelgängen verbracht haben, darf man nicht rechnen.

Was wird inhaltlich im Film thematisiert?

Wir wollten die Sedel- und Punkgeschichte Luzerns nicht neu aufrollen. Dies haben schon genug Filmschaffende und Journalisten getan. Es müsste wieder das genau gleiche Archivmaterial verwendet werden. Wir porträtieren den Sedel so, wie er heute ist – mit all seinen aktuellen Bands, den heutigen Gedanken, der heutigen Musik. Es sind sehr viele interessante Musiker im Sedel anzutreffen, auch viele junge Musiker, die wunderbar erzählen können. Zum Teil waren es Gespräche auf Psychiaterniveau (lacht). Und es geht ums Musikmachen ganz allgemein in der heutigen Zeit.

Welche Bands kommen denn im Film vor?

Es sind Bands aller Generationen dabei. Zum Beispiel die Punk-Urgesteine Moped Lads, die Schlagzeuglegende Fredy Studer, The Come Ons, Motorslug, Dans La Visage, Bonkers, Knopiloten und Alejandro Jimenez. Der älteste Musiker ist 60 plus, der jüngste 20. Insgesamt haben wir Interviews mit 17 Bands geführt.

Welche Veränderung haben Sie im Vergleich zu Ihren Jugendjahren wahrgenommen?

Es hat viel mehr Musiker als früher. Es ist eine extreme Bandbreite von superguten Musikern vorhanden. Die Stimmung im Sedel ist aber immer noch dieselbe. Es ist noch stets ein Ort, der nicht angepasst ist, etwas anders ist. Jeder kann sein, wie er will. Solche Orte sind heute eine Seltenheit.

Sie waren für den Film während Wochen in der Rock-’n’-Roll- und Punkwelt zu Hause. Einige Monate vorher standen Sie noch mit dem Film «Wätterschmöcker » im Rampenlicht. Zwei Welten, die aufeinanderprallen?

Klar sind es zwei Welten. Diese zwei Welten gehören aber beide in mein Leben. Der Sedel hat viel mit meinen Jugendjahren zu tun, die Wätterschmöcker mit meiner Kindheit auf dem Stoos und meiner heutigen Beziehung zur Heimat. Die beiden Welten haben aber mehr gemeinsam, als man denken könnte. In beiden geht es recht ehrlich zu und her. Ob die Pun

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Film

Publiziert am

05.09.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/FSHePh