Märtel Schindler: Er gibt im Rigi-Film Einblick in sein Leben auf der Alp.
Märtel Schindler: Er gibt im Rigi-Film Einblick in sein Leben auf der Alp.
Im Film von Erich Langjahr (Bild) erlebt man die Rigi von einer anderen Seite.
Im Film von Erich Langjahr (Bild) erlebt man die Rigi von einer anderen Seite.

Film

Wo der Filmemacher das Einfache fand

Ab heute läuft «Mein erster Berg – Ein Rigi Film» im Kino Schwyz. Regisseur Erich Langjahr erklärt, warum er einen Film über die Rigi gedreht hat.

Mit Erich Langjahr sprach Silvia Camenzind

Die Rigi war Ihr erster Berg. Mussten Sie als Kind mit Ihren Eltern dort wandern gehen?

Erich Langjahr: Ich bin in der Innerschweiz aufgewachsen, und bereits als Kind hat mich die mächtige Kulisse der Rigi beeindruckt. Sicher war die Rigi auch eines der ersten Ausflugsziele mit meinen Eltern, doch der Titel «Mein erster Berg – Ein Rigi Film» meint aufs Erste eher den für mich prägenden Eindruck dieses Berges, der mich als Bild fasziniert hat – und das ist bis heute so geblieben.

Ihre Dokumentarfilme zeigten bisher die Bergwelt abseits des Tourismus. Die Rigi aber ist ein klassischer Tourismusberg. Wie stark setzten Sie den Fokus darauf?

Der Film «Mein erster Berg – Ein Rigi Film» ist ein Zeitbild aus der Mitte der Schweiz. Im Film erlebt man im Rhythmus des Jahreszeitenzyklus einerseits eine Arbeitswelt, ich meine das Einfache und Rätselhafte des Alltags, und anderseits den Tourismus, die Freizeitwelt sowie auch die Festwelt an diesem Berg. Es ist meine filmische Entdeckungsreise und gleichzeitig ist es eine Reise an die Ränder unserer Gesellschaft, wo ich noch das Archaische und Einfache finde, vermischt und durchsetzt mit der modernen Welt. Ich empfinde diesen Widerspruch in mir selbst als Spannungsfeld und Teil meiner eigenen Identität. Ich denke, dass dieser Widerspruch zwischen Archaischem und Zeitgenössischem bewusst oder unbewusst auch bei meinen Mitmenschen vorhanden ist.

Im Rigi-Film zeigen Sie den Älpler Märtel Schindler bei der Arbeit. Wie und wo fanden Sie ihn?

Märtel Schindler habe ich über den Bauern Werner Locher, ebenfalls ein Protagonist im Film, kennengelernt. Er gibt sein Vieh schon mehr als 20 Jahre in die Sömmerung auf Rigi Kulm, auf die Alp von Märtel, so wie man das im Film erlebt.

Was bedeutet er für Sie?

Mir geht es nicht um eine Stilisierung der Figur des Älplers, im Sinne der Faszination des freien Lebens, der körperlichen Kraft und des Selbstbewusstseins. Für mich ist das Naturverständnis von Märtel Schindler frei von Pathos und Überhöhung. Die Natur ist für ihn eine Tatsache. Der Berg ist einfach da.

In Dokumentarfilmen wird oft vieles erklärt. Ihre Filme aber kommen ohne viele Worte aus.

Drehen heisst für mich Material sammeln über das, was sich ereignet, das heisst mit der Kamera erleben, durch den Sucher schauen und sehen, was geschieht, und nicht im umgekehrten Sinne etwas, was ich bereits weiss, mit der Kamera zeigen und dokumentieren wollen.

Was passiert beim Schneiden?

Beim Schnitt geht es zuerst darum, das gedrehte Material zu sichten und dabei kennenzulernen. Ich gehe davon aus, dass meine Filmgeschichte im gedrehten Material steckt. Wie bei einem Puzzle ohne Vorlage gilt es nun zu erkennen, wie die einzelnen Teile und Sequenzen zueinander stehen. Die Schnittfolge des Films wird von der inneren Logik der einzelnen Bilder und Sequenzen und deren Beziehungen zueinander bestimmt.

Führen Sie den Betrachter bewusst durch den Film?

Mein Anspruch ist ein poetischer Film, der näher am Musikalischen, Dichterischen und Malerischen ist als am nur Informativen. «Mein erster Berg» ist zuerst einmal ein Filmerlebnis. Ähnlich wie in meinen Filmen «Das Erbe der Bergler», «Hirtenreise ins dritte Jahrtausend», «Sennen-Ballade» oder auch «ExVoto» gibt es darum keine gedrehten Interviews, sondern die Filme haben eher einen nonverbalen Charakter. Ich möchte über die Bilder des Films beim Zuschauer eigene, innere Bilder provozieren und so eine Reflexion ermöglichen über das, was die Bilder bedeuten. Mich interessiert das, was nicht mit Worten einen Ausdruck findet.

Kann das als die Suche nach dem Wesentlichen verstanden werden?

Generell liegt für mich das Wesentliche nicht imVerbalen, sondern im gestischen Ausdruck, in der Handlung, in dem, was die Menschen tun, im Nonverbalen. «Mein erster Berg – Ein Rigi Film» ist ein musikalisches Filmgedicht aus unserem Land, aus unserer Zeit, im Sinne eines Zeitbildes aus der Mitte der Schweiz, in dem Gesichter un

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Film

Publiziert am

15.11.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/XUwPGf