«Schreiben ist mittlerweile eine Obsession» sagt Silvia Götschi.
«Schreiben ist mittlerweile eine Obsession» sagt Silvia Götschi.

Literatur

«Habe ein fotografisches Gedächtnis»

Die Küssnachter Schriftstellerin Silvia Götschi lässt in ihrem neuen Werk «Künstlerpech» wieder Thomas Kramer ermitteln. Kramers dritter Mordfall ist nichts für schwache Nerven. Im Interview erzählt Götschi unter anderem, warum sie Luzern als Schauplatz des Verbrechens gewählt hat.

Mit Silvia Götschi sprach Edith Meyer

Haben Sie auch schon Krimis unter dem Weihnachtsbaum gehabt?

Als Kind und Jugendliche bekam ich Bücher zu Weihnachten. Ich war schon damals eine Leseratte. Doch ein Krimi war nie dabei. Ich las Bücher von Federica de Cesco oder «Lederstrumpf » und sämtliche Karl-May- Bücher.

Welches Buch hat bei Ihnen prägende Erinnerungen hinterlassen?

Es war kein Buch, aber eine wahre Geschichte über das Haus Spichermatt in Stans. Dort soll es anscheinend gespukt haben. Ich konnte von diesen Spukgeschichten nie genug hören. Als Jugendliche faszinierten mich parapsychologische Vorkommnisse so lange, bis ich selbst fast durchdrehte.

Was hat Sie zum Protagonisten Thomas Kramer inspiriert?

Nach dem ersten Krimi, «Mord im Parkhotel», in dem ein dreiunddreissigjähriger Polizist ermittelt, kreierte ich einen Mann, der besser in das Schema des seriösen, feinfühligen Ermittlers passt. Ich hatte den Schweizer Durchschnittsbürger im Kopf. Wenn schon der Plot haarsträubend ist, so soll wenigsten der Protagonist normal sein. Ich möchte, dass der Leser zwischen Realität und Fiktion hin und her gerissen wird.

Kramers Sohn und Kramers Frau spielen in «Künstlerpech» wichtige Rollen. Wie würden Sie diese Familie beschreiben?

Die Familie Kramer ist eine typische Schweizer Familie mit den alltäglichen Sorgen und Nöten. Der Mann arbeitet zu hundert Prozent, die Frau Teilzeit und im Haushalt. Dann kommen noch die zwischenmenschlichen Unzulänglichkeiten dazu. Obwohl der Sohn seit sechs Jahren volljährig ist, wird er von seiner Mutter nach wie vor bemuttert. Und mit dem Auszug aus dem trauten Heim geht für die Mutter beinahe eineWelt unter. Es ist also fast wie im richtigen Leben.

Warum eignet sich Luzern so gut als Schauplatz?

Luzern gehört zu meinen Lieblingsstädten. In Luzern ging ich zur Schule und absolvierte dort meine Ausbildung in der Kaufmännischen Berufsschule. Ich glaube, Luzern zu kennen. Doch nehme ich mir die schriftstellerischen Freiheiten heraus, auch über Dinge zu schreiben, die in dieser Stadt vielleicht gar nicht existieren.

Haben Sie vor Ort recherchiert?

Ich habe ein fotografisches Gedächtnis. Wenn ich einmal durch eine Gasse schreite, mir Gebäude ansehe und Gerüche inhaliere, so prägen sich mir diese Dinge ein. Ich kann sie bei Bedarf abrufen. So verhält es sich mit dem Recherchieren. Ich habe tatsächlich eine Karte von Luzern aufgespannt, um die wichtigsten Orte im Kleinformat zu «erleben». Im Zeitalter des Internets mache ich auch virtuelle Reisen. Das und meine inneren Bilder ergeben dann das Endprodukt für den Leser. Es ist wie beim Kochen. Man nehme eine Portion Realität, gebe zwei Drittel Fantasie dazu, eine Prise Dramatik und mische es mit viel Spannung. Wenn der Leser mir die Geschichte abnimmt, heisst es für mich, dass ich ein tolles Gericht zubereitet und gut recherchiert habe.

«Aschenputtel», Kramers zweiter Fall, war ein genüsslicher Krimi, Ihr neues Werk, «Künstlerpech», ist nichts für schwache Nerven. Entspringen die Morde nur Ihrer Fantasie?

Ja. Aber meine Fantasie ist zugegebenermassen manchmal etwas abartig. Ich mag das subtile Spiel mit der Psyche. Je dramatischer sich in meinen Romanen etwas entwickelt, umso authentischer ist es für mich.

Geschichten erfinden hat ja mit Fantasie zu tun. In Ihrer Fantasie sind Sie Ermordeten beim Schreiben nah. Was verbindet Sie mit dem Thema Tod und Sterben im wahren Leben?

Der Tod gehört zum Leben. Es ist ein Übertritt in etwas Unbekanntes. Mein Vater starb sehr früh. Ich kann mich nicht an ihn erinnern. Doch der Schmerz, der sein Abschied in meinem nächsten Umfeld verursacht hatte, war wohl prägend für mein Leben. Dies ist latent da gewesen, hat sich in mein Unterbewusstsein geprägt und will nun verarbeitet werden. Das mache ich nun in meinen Kriminalromanen. Letztendlich schreibt man über das, was einem umgibt. Doch nicht nur der Tod, sondern viel mehr das, was hinter dem Morden steckt, fasziniert mich.Was treibt einen an, jemanden zu

Autor

Bote der Urschweiz

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Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

19.12.2013

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