Schriftstellerin Silvia Götschi mit ihrem neusten Werk. Bild Edith Meyer
Schriftstellerin Silvia Götschi mit ihrem neusten Werk. Bild Edith Meyer

Literatur

«Ich bin eine obsessive Schreibtischtäterin»

Silvia Götschi ist eine Vielschreiberin. Ihr neuer Kriminalroman «Jakobshorn» beleuchtet die Abgründe der menschlichen Psyche. Vier weitere Bücher sind in Arbeit.

Mit Silvia Götschi sprach Edith Meyer

Wann haben Sie das erste Mal mit Schreiben Geld verdient?

Als ich fünfzehn Jahre alt war, gewann ich den ersten Preis eines Schreibwettbewerbs und erhielt zweihundert Franken. Für die damalige Zeit und für mein Alter war das viel Geld.

Warum wählten Sie diesmal Davos und nicht Luzern als Tatort?

Ich hatte achtzehn Jahre in Davos gelebt, bevor ich 1998 in die Innerschweiz zurückkehrte. Ich kenne Davos sehr gut. Es ist auch ein wenig eine Hommage an den Ort, wo meine Kinder zur Welt gekommen sind.

Am Anfang des Krimis wird man mit vielen Familienmitgliedern und ihren Namen konfrontiert. Da könnte der Leser aussteigen.

Das ist auf den ersten Blick vielleicht etwas verwirrend. Aber die dort beschriebenen Personen kommen im Buch ja immer wieder vor. Ich musste zudem die Atmosphäre auf dem Friedhof beschreiben. Da ist eben eine ganze Ansammlung von Menschen, die später eine wichtige Rolle spielen.

Warum soll man weiterlesen?

Weil mir mit «Jakobshorn» ein tiefgehender und spannender Kriminalroman gelungen ist. Und weil die Protagonistin eine sympathische Ermittlerin ohne heldenhafte Allüren ist, die vor allem durch ihre scharfsinnige Kombinationsgabe und ihren feinen Humor besticht. «Jakobshorn» ist ein Krimi mit Drama, der die unglaublichen Abgründe der menschlichen Psyche aufzeigt. Und weil das Buch Gänsehaut garantiert.

Was bedeutet Ihnen der erste Satz?

Er ist wichtig, aber nicht absolut. Wichtiger ist die gesamte erste Seite, damit der Leser in die Geschichte hineingezogen wird. Ich arbeite mit Cliffhangern, die ich als ebenso massgeblich erachte.

Sie schreiben aus Sicht der Frau, als Tochter des Dorfkönigs. Wie viel von Ihnen ist in die Person eingeflossen?

Das kann ich mit einem Wort beantworten: Nichts. Das macht letztendlich die Kunst des Schreibens aus. Ansonsten könnte ich gleich ein Tagebuch schreiben. Über mich zu schreiben, liegt mir zudem nicht. Ich schreibe erfundene Geschichten und schreibe sie so, dass sie den Leser unterhalten.

Wo haben Sie den Krimi geschrieben?

Hier in Küssnacht. Ich bin eine obsessive Schreibtischtäterin. Meine Protagonisten und Statisten leben in meinem Kopf, einige sogar in meinem Herzen.

Müssen Sie vor Ort sein, um zu recherchieren?

Nein. Ich rufe die inneren Bilder in mir ab. Zudem habe ich einfach eine gesunde Portion Fantasie. Ich kann mich sehr gut auf virtuelle Reisen begeben. Bei heiklen Fragen reicht ein Telefon.

Hatten Sie nie Lust, selber zu ermitteln?

Ich ermittle täglich, wenn man es aus Sicht der Kriminalschriftstellerin sieht. Es gibt immer Fragen, und ich lasse nicht locker, bis ich die Antwort kenne.

Wie haben Sie es geschafft, beim Emons Verlag unterzukommen?

Das war eher ein Schuss ins Blaue. Ich schickte wieder mal ein paar Manuskripte an verschiedene Verlage. Emons biss an, weil er vom Exposé und der Leseprobe überzeugt war.

Was bedeutet das für Sie?

Ein grosser Verlag – Emons gibts seit dreissig Jahren – hat andere Möglichkeiten, ein Buch unter die Leute zu bringen. Ein schon bekannter Verlag hat einfach mehr Vorteile als ein Newcomer. Zudem werden meine Bücher jetzt auch in Deutschland und Österreich verkauft.

Wie ist das mit den Helvetismen? Wollte Ihr Lektor viel korrigieren?

Im Gegenteil: Er bat mich, die deutschen Ausdrücke unbedingt ins verdeutschte Schweizerdeutsch umzuschreiben, was mir in gewissem Sinn schwerfiel. «Parkieren» zum Beispiel ist für mich ein absolutes No-Go. Velo anstelle von Fahrrad oder Trottoir anstatt Gehsteig lasse ich gerade noch durch.

Sie haben selbst einen Verlag, warum publizieren Sie nicht dort?

Ich habe schon fünf Bücher in meinem Verlag publiziert. Die Kramer-Krimi-Reihe läuft ja ganz gut. Im Herbst gibts den vierten Fall mit dem Titel «Rigigeister». Aber für mich ist es von Vorteil, auch anderswo zu publizieren. Schliesslich kommt sonst schnell der Verdacht auf, man könne im eigenen Verlag so viele Bücher herausgeben, wie man will.

Wie viele Bücher schreiben Sie pro Jahr?

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

03.07.2014

Webcode

schwyzkultur.ch/DGRvEZ