Zurück am «Tatort»: Michael Theurillat im Kloster Einsiedeln. Bild Bruder Gerold Zenoni
Zurück am «Tatort»: Michael Theurillat im Kloster Einsiedeln. Bild Bruder Gerold Zenoni

Literatur

Kriminalroman «Rütlischwur» spielt im Kloster Einsiedeln

Früher war er hochbezahlter Banker, nun schreibt er mit Erfolg Krimis: Michael Theurillat lässt einen wesentlichen Teil der Handlung in seinem neusten Roman «Rütlischwur» im Kloster Einsiedeln spielen.

Bruder Gerold Zenoni: Michael Theurillat, Ihr neuster Krimi spielt zu einem grossen Teil im Kloster Einsiedeln. Wieso wählten Sie dieses Benediktinerkloster als Handlungsort?

Michael Theurillat: Seit vielen Jahren habe ich eine schöne Beziehung zu diesem Kloster, das ich auf einer Reise zum Diogenes Verlag entdeckt habe. Ich verliebte mich richtiggehend in die Stiftsbibliothek und besuchte diese immer wieder. Als ich dann meinen Kommissar Eschenbach in eine Bank schicken musste, wollte ich ihm ein Wertepolster zur Seite stellen. Da ist mir spontan die im Buch geschilderte Aufwachszene im Kloster Einsiedeln in den Sinn gekommen.

Sie wohnen unweit von Einsiedeln. Sind Sie häufig im Klosterdorf?

Doch, eigentlich schon. Im Winter sitze ich hier gerne an der Sonne, während unten der Nebel liegt. Im Sommer komme ich wegen der Ruhe nach Einsiedeln.

Was schätzen Sie an Einsiedeln?

Das Entferntsein von der Hektik. Vielleicht liegt es schon am Namen Einsiedeln. Wenn ich mich irgendwo entfernen will, komme ich hierher.

Wie akkurat ist das Kloster Einsiedeln in «Rütlischwur» wiedergegeben?Haben Sie zum Beispiel einmal im Stift übernachtet, um die nächtlichen Geräusche wie Glockengeläut oder zuschnappende Gittertore authentisch mitzubekommen?

Das ist eine schöne Frage, die ich leider mit Nein beantworten muss. Ich versuche die Dinge zuerst zu träumen, erst dann schaue ich mir die Orte an. Wenn ich zum Schluss komme, dass ich falsch geträumt habe, ändere ich es. Spannend im Zusammenhang mit dem Kloster Einsiedeln war die Tatsache, dass ich mir vieles genau so vorgestellt habe. Da war vielleicht ein anderer Boden. Aber die Stimmung war mir vertraut – ich hoffe, ich habe sie auch für Klosterkenner einigermassen akkurat wiedergegeben. Am Ende sind es aber nur kleine «Einblicke». Niemals konnte ich den ganzen Reichtum, den dieses Kloster zu geben hat, in den paar Kapiteln abhandeln.

Welche Szene aus dem Krimi im Kloster mögen Sie am liebsten?

Die Gesangsszene im Kapitel «Kyrie eleison». In dieser Szene wird Kommissar Eschenbach sozusagen getragen von einem Chor.

War Ihr deutscher Verlag mit dem Titel «Rütlischwur» – einem eher eidgenössischen Begriff – einverstanden?

Es ist gerade umgekehrt. Der Verlag hat Rütlischwur vorgeschlagen! Nach «Sechseläuten» – einem Vorgängerkrimi aus meiner Feder – wollten sie wieder einen Schweizer Titel haben. Man rief aus Berlin an und schlug Rütlischwur vor. Ich dachte: warum nicht. In den üblichen Krimititeln ist überall von Mord und Tod die Rede. Warum nicht mal einen Titel, bei dem der Leser im ersten Moment stutzt?

Fliessen Insiderkenntnisse aus Ihrer ehemaligen Tätigkeit als erfolgreicher Banker in Ihre Bücher ein?

Ich würde das nicht als Insiderkenntnisse bezeichnen. Aber wenn man über mehrere Jahre in der Finanzindustrie arbeitet, bleibt natürlich etwas hängen. Übers Unbewusste kommt das beim Schreiben wieder hoch. Ich kenne diese Welt. Allerdings habe ich den Bankenszenen in «Rütlischwur» eine Prise Humor beigemischt. So ist das alles besser zu ertragen (lacht).

Die kriselnde Bankenbranche ist zum Dauerthema in den Medien geworden. Stoff für weitere Krimis scheint vorhanden zu sein. Schreiben Sie weiter?

Ja, ich schreibe auf jeden Fall weiter. Ich hoffe aber, dass mir nebst der Finanzkrise und den Banken auch noch etwas anderes einfällt.

Zu viel wollen wir nicht verraten, aber können Sie uns einige Stichworte zu den Personen und zum Handlungsablauf in «Rütlischwur» geben?

Das Buch beginnt mit dem Kloster Einsiedeln und einem Mädchen, das dort wie ein Meteorit einschlägt. Im zweiten Kapitel begegnen wir diesem Mädchen fünfzehn Jahre später wieder. Wir sehen sie durch die Augen von Kommissar Eschenbach, der aufwacht und nicht recht weiss, wo er ist. Das Mädchen erzählt ihm, dass sie beide in einer Bank arbeiten. Eschenbach kann sich an nichts erinnern und glaubt das nicht. Dann begeben wir uns auf eine Odyssee durch die Vergangenheit. Es geht um einen Mord an einem alten Schulfreund von E

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

08.11.2011

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schwyzkultur.ch/jM5ivB