Abt Urban erläuterte auf interessante und auch witzige Weise die Bedeutung des Heilsspiegels.
Abt Urban erläuterte auf interessante und auch witzige Weise die Bedeutung des Heilsspiegels.
Brigitte Reding (links) überreicht der Bibliotheksleiterin Heidi Müller mit Handschuhen den Heilsspiegel. Bild Wolfgang Eberle
Brigitte Reding (links) überreicht der Bibliotheksleiterin Heidi Müller mit Handschuhen den Heilsspiegel. Bild Wolfgang Eberle

Literatur

Schönes Werk für die Gemeinschaft

Am Dienstagabend fand in der öffentlichen Bibliothek Einsiedeln eine spezielle Übergabe statt. Brigitte Reding überreichte den Heilsspiegel des Klosters Einsiedeln.

Es sei ein seltenes Ereignis, wie Bezirksammann Hermann Betschart in seinen einleitenden Worten betonte. Sein Dank ging ans Kloster und vor allem auch an Brigitte Reding, die auf die Idee kam, eine Kopie des Heilsspiegels als Geschenk an die öffentliche Bibliothek zu übergeben. Heilsspiegel waren eine seit dem Spätmittelalter verbreitete Art christlicher Erbauungsbücher, die von Mönchen über Jahre verfasst wurden. Auch Brigitte Reding begrüsste die Anwesenden sehr herzlich, allen voran Abt Urban Federer. Sie freute sich sichtlich über den grossen Aufmarsch von Interessierten und mit der Bibliothek verbundenen Menschen. Ihr gehe es mit dieser Übergabe auch um die Wertschätzung für die über zehnjährige Fronarbeit, die vom Bibliotheksteam geleistet wurde, aber auch als einen wertvollen Beitrag zur Ortsförderung oder für einen Werbeeffekt, um nicht nur Bücher auszuleihen, sondern auch etwas zu verweilen und zusammen ins Gespräch zu kommen. Nach diesen Worten überreichte sie den Heilsspiegel an die Bibliotheksleiterin Heidi Müller, die sich sehr freute, dieses Faksimile bei sich zu haben.

Ein Werk für die Gemeinschaft

Nun war die Reihe an Abt Urban. Er würde nicht wie seine Vorrednerinnen Handschuhe anziehen, denn die Zeit der Fürstäbte sei nun wirklich vorbei. Er bemerkte, dass ein solches Buch nicht für die tägliche Lektüre bestimmt sei und schon gar nicht auf dem Nachttischchen liege. Es sei schon damals gedacht gewesen für Leute, die etwas Spezielles zeigen oder mitteilen wollten: «Komm ich bin wichtig!», «Fac» heisse «mache» und simile «ähnlich». Der Schreiber eines solchen Buches war meistens nicht der Künstler und ein solches Buch war ein Gemeinschaftswerk und sollte auch der Gemeinschaft zugute kommen. Der Einsiedler Heilsspiegel sei so um 1500 im damaligen Grossburgund entstanden und eine ideale Ergänzung zu den damaligen Stundenbüchern gewesen. Das feine Gold, das bei den Illustrationen verwendet wurde, hat schon damals etwas «sehr kostbares» bedeutet. Die Adressaten solcher Bücher waren Menschen, die zwar schreiben aber nicht unbedingt lesen konnten. Frauen gehörten eher als Männer zum Empfängerkreis, denn sie waren daheim und hatten Zeit. Anhand von Asterix erklärte Abt Urban, dass Kinder diese ohne Hilfe lesen könnten. Auch Bilder müsse man lesen können. Er erwähnte, dass so ein Buch auch ein Spiegel des Guten und Schönen sei, so wie es Paulus im I. Korintherbrief formulierte: Der Mensch sieht so ein Buch wie ein Spiegel auf dem Weg zur Erlösung, und wenn man sich dabei erfreue, so sei dies ein Spiegel für das Heil des Menschen.

Ein Spiegel für das Leben

Zum Inhalt eines Heilsspiegels er wähnte Abt Urban, dass darin die Gegenwart erklärt werde, aber dann auch wieder die Zukunft. Das, was wir heute in den Nachrichten hören und sehen, war damals in diesen Büchern aufgeschrieben und illustriert. So wolle der Heilsspiegel auch führen und das Gewissen bilden oder Fragen stellen wie: «Wer bist du?», «was machst du?» oder «wie möchtest du am Ende deines Lebens dastehen?». Mit der Bemerkung, dass es eigentlich schade sei, dass es heute keine Heilsspiegel mehr gäbe, so zum Beispiel für ihn als Abt, für Eltern oder auch für die Fifa, schloss Abt Urban seine spannenden und mit Humor gespickten Ausführungen. Heidi Müller dankte Abt Urban herzlich, dass auch er den Weg in die Klostermühlestrasse gefunden hatte und überreichte ihm symbolisch einige Klostersteine. Als grossen Dank und mit viel Applaus erhielt Brigitte Reding einen schönen Blumenstrauss. Nun waren alle noch zu einem reichhaltigen Apéro eingeladen, offeriert von der Spenderin und schön hergerichtet durch das Ausleihteam. So blieb noch Zeit, den Heilsspiegel genauer anzusehen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Brigitte Reding (links) überreicht der Bibliotheksleiterin Heidi Müller mit Handschuhen den Heilsspiegel. Fotos: Wolfgang Eberle

Einsiedler Anzeiger (we)

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

16.10.2015

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schwyzkultur.ch/vwmX4n