Franz-Xaver Risi ist Kulturbeauftragter des Kantons Schwyz. Bild Archiv SKP
Franz-Xaver Risi ist Kulturbeauftragter des Kantons Schwyz. Bild Archiv SKP

Musik

«Bandgründungen haben immer etwas mit Eigeninitiative zu tun»

Zur von SRF3-erschienenen Studie zur Banddichte in der Schweiz hat sich Nicole Auf der Maur mit Franz-Xaver Risi unterhalten, dem Schwyzer Kulturbeauftragten.

Nicole Auf der Maur: Hängen Banddichte und Kulturfördergelder zusammen? Kann man diesen Vergleich überhaupt machen?


Franz-Xaver Risi: Meist ist es nicht ein Grund, weshalb etwas passiert, sondern es gibt immer mehrere Gründe. Das ist auch im Fall der Banddichte wahrscheinlich so. Aus meiner Sicht besteht wahrscheinlich ein Zusammenhang. Wenn nichts gefördert wird, passiert in der Regel weniger. Es braucht einen Boden, damit etwas entstehen kann. Wir bemühen uns, mit dem Wettbewerb «bandXsz», den wir seit vielen Jahren durchführen, den Bands mittels dieses Wettbewerbs eine Plattform für erste Auftritte zu geben. Das ist sicher ein wichtiger Anreiz.


Welche Faktoren sind Ihrer Meinung nach auch sehr wichtig?


Ein urbanes Umfeld ist wohl ebenso wichtig; gewisse kulturelle Aktivitäten gedeihen in Städten besser, weil es einfach mehr interessierte Leute hat (sowohl Macher wie Zuschauer). Andere Faktoren sind das Vorhandensein von Probelokalen, aber auch von Tonstudios und so weiter. Oder auch, ob es erfolgreiche Vorbilder gibt. Und ganz wichtig: Man müsste auch genauer anschauen, welche Gattungen der Musikbands gemeint sind. Ich bin überzeugt, dass im Bereich der Volksmusik die Statistik für den Kanton Schwyz einen ganz anderen Wert aufzeigen würde. Das zeigt, dass das lokale und regionale Umfeld, die bestehende Kultur, die Traditionen usw. bei einer seriösen Interpretation ebenso berücksichtigt werden müssen. Kommt dazu, dass nach unserem Verständnis Bandgründungen immer etwas mit Eigeninitiative zu tun haben.


Inwiefern werden die Bands imKanton Schwyz unterstützt?


Den jährlichen Wettbewerb«bandXsz», den SchwyzKulturPlus in seinem Auftrag durchführt, habe ich bereits erwähnt. Das ist sicher die herausstechende Fördermassnahme. Dazu unterstützen wir auf Gesuchsbasis unter anderem das OpenAir in Altendorf oder auch Gesuche von Bands für die Produktion einer CD, im Sinne einer Starthilfe. Und wichtig: Auch Bands stehen sämtliche Fördermassnahmen wie Werkbeiträge, Ateliers und so weiter offen. In den letzten Jahren hat der Kanton Schwyz immer wieder Musiker und eben längst nicht nur aus dem Bereich klassische Musik für die Ateliers in Berlin und New York ausgewählt.


Wie viel Geld wurde zum Beispiel 2017 für die Bandförderung ausgegeben?


Gemäss meinem Wissensstand wird allein für «bandXsz» ein Betrag von rund 28 000 Franken aufgewendet, jährlich. Diese Kosten sind zwischen der Kulturförderung und SchwyzKulturPlus aufgeteilt. Dazu kommen weitere rund 10 000 Franken bis 15 000 Franken  für Gesuche von CD-Produktionen und für das OpenAir Altendorf. Dieser Betrag schwankt jährlich, je nach Anzahl Gesuche. Und da gibt es noch die Fördermassnahmen. So hat mit Mathias Mayer ein hervorragender Einsiedler Schlagzeuger den Kulturförderpreis erhalten. Ob das nun auch als Bandförderung zu betrachten ist, muss jeder selber entscheiden. Aber unter dem Strich ist es nicht so, dass wir in dieser Sache nichts tun.


Was könnte man Ihrer Meinung nach im Kanton Schwyz machen,um Bandgründungen zu fördern?


Unsere Aufgabe besteht darin, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Bandgründungen an sich können und wollen wir nicht initiieren. Es ist unser Verständnis, dass die Bands selber, aus Eigeninitiative entstehen. Bands finden sich zusammen, weil man gemeinsam Musik machen will, nicht weil das der Kanton verordnet. Diese Eigeninitiative ist uns wichtig, sie ist die Voraussetzung, dass etwas entsteht –übrigens gilt das für alle Kulturaktivitäten. Dass es für junge Bands oft nicht einfach ist, gute Probelokale zu finden, ist eine Tatsache. Leider können wir da meist nicht viel tun. Da sind die Gemeinden und Bezirke näher dran. Grundsätzlich sind wir für neue Ideen immer offen und sind gerne bereit, zu prüfen, wo es sinnvoll ist –zum Beispiel in dem wir schauen, was die anderen Zentralschweizer Kantone machen. (* Franz-Xaver Risi ist Kulturbeauftragter des Kantons Schwyz. Das Interviewwurde schriftlich geführt.)


Bote der Urschweiz / Nicole Auf der Maur

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

10.01.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/ivxf7Y