DJ Bobo geht mit einer neuen Show auf Tournee und ist auch in der Schweiz zu sehen.
DJ Bobo geht mit einer neuen Show auf Tournee und ist auch in der Schweiz zu sehen.

Musik

«Brauche Leute um mich herum, die besser sind als ich»

Im Europapark Rust feierte die Show «Dancing Las Vegas» Ende November Weltpremiere. Im Mai gastiert DJ Bobo mit diesem Programm in Kreuzlingen, Bern, Basel und Zürich – am 7. Juni mit zwei Aufführungen in der SwissporArena Luzern.

Mit René Baumann alias DJ Bobo sprach Christian Ballat

Las Vegas ist die Spieler-Metropole. Die englische Sprache kennt zwei Worte für Spieler. Sind Sie eher ein «Gambler» oder ein «Player»?

Ich bin ganz klar kein «Gambler», mit einer kleinen Ausnahme. Ich spiele gerne Poker. Dies ist kein reines Glücks-, sondern ein Strategiespiel. Es braucht eine gute Nase, Gefühl und eine gute Selbsteinschätzung. Ich bin daher wohl eher ein Player, der mit einem Budget der Super League in der Champions League mitzuspielen und zu bestehen versucht.

Das Spiel ist Ihnen also wichtig?

Ich bin ein Mannschaftssportler, auch auf der Bühne. Um Erfolge feiern zu können, muss ich mich mit Menschen umgeben, die besser sind als ich. Beim Fussball fühle ich mich am wohlsten im Mittelfeld. In der Verteidigung oder im Sturm würde ich wohl die meisten Zweikämpfe verlieren, im Mittelfeld habe ich aber die Möglichkeit, die Bälle an jene zu verteilen, die damit umgehen und sich durchsetzen können.

Das Spiel mit dem Publikum …

… ist enorm wichtig. Die Zuschauer und Zuschauerinnen einer Show sind der Schlüssel zu einem guten Auftritt. Für mich gilt der Satz «Heute hat es ein schlechtes Publikum» nicht. Es liegt immer am Künstler und seinem Team.

Das Spiel mit Musikindustrie und Hitlisten …

… ist ein Kampf, den man nur verlieren kann. Wir versuchen, von den Charts und Hitparaden unabhängig zu sein und uns als Marke zu positionieren. Die Menschen sollen fragen, was DJ Bobo Neues macht, und nicht darüber diskutieren, ob er gerade Platz 23 oder 5 in der Hitparade belegt.

Das Spiel mit den eigenen Kindern …

… ist für mich ganz wichtig. Wir sind viel zusammen in der Natur, es geht um Bewegung und Sport. Aber auch Bäche stauen, Schlitteln und Bräteln machen wir gemeinsam. Es ist Glück, so viel Zeit mit ihnen verbringen zu können.

In einem Spiel läuft ohne Glück nichts.

Materieller Wohlstand hat meines Erachtens nichts mit Glück zu tun. Es stimmt schon, dass dies immer jene sagen, die über materiellen Wohlstand verfügen. Für mich lautet die Definition: Wenn das, was du willst, und das, was du erreichen kannst, nahe beieinander liegen, ist das grosses Glück.

Vor Ihrem ersten grossen Erfolg hatten Sie auch einige Flops.

Ich bin unglaublich ehrgeizig und willensstark. Bei den ersten Platten war es nicht mein Ziel, Nummer 1 zu werden, sondern keinen Verlust zu machen. Es war mir wichtiger, dass die Menschen, die meine Musik hörten, glücklich sind und diese Töne gerne hatten.

Zeitgemässe Musik richtet sich oft an die jungen Hörerinnen und Hörer. Deren Geschmack ändert sich aber dauernd. Wie schwierig ist es, mit Ihrer Musik immer wieder den richtigen Geschmack zu treffen?

Die Wahrheit liegt woanders. Die ersten sechs, sieben Jahre meiner Karriere traf ich mit meiner Musik den Nerv der Jungen. Heute sind es die damaligen Jungen, die heute um die 35 Jahre alt sind, die uns stützen. Unsere derzeitige Hauptzielgruppe ist 30- bis 50- jährig. Für heute 18-Jährige bin ich ein alternder Musikstar – und schon während ihres ganzen Lebens auf der Bühne anzutreffen. Das ist für viele nicht «cool» genug.

Was ist aus dem Traum der eigenen Bäckerei geworden?

Den hatte ich nie. Ich merkte schon früh während meiner Lehre zum Bäcker-Konditor, dass mich Musik viel mehr interessiert. Eigentlich habe ich Schallplattenverkäufer werden wollen – das wäre für mich ein Paradies gewesen. In meiner Jugend gab es noch kein Internet. In den Plattengeschäften konnte man die Kunden noch beraten und ihnen gute Musik vorschlagen. Damals wurden Platten auch noch gekauft – heute will niemand mehr für Musik bezahlen, da man sie gratis herunterladen kann.

Wie halten Sie sich Groupies vom Leib?

Ich habe keine Groupies. Ich glaube, dass diese nicht viel mehr als ein Mythos sind, jedenfalls habe ich nie entsprechende Erfahrungen gemacht. Und wer wäre heutzutage schon an einem glücklich verheirateten Mann mit zwei Kindern interessiert?

Ist es schwierig, als gefeierter Weltstar mit beiden Füsse

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

14.01.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/pmxVL7