Der Fachbuchautor Ernst Roth inmitten einiger seiner zahlreichen Werke. Bild Andreas Knobel
Der Fachbuchautor Ernst Roth inmitten einiger seiner zahlreichen Werke. Bild Andreas Knobel

Musik

Der Kenner der Ländlermusik lebt jetzt selber in der March

Der 85-jährige Ernst Roth hat wegweisende Bücher und Lexika über die schweizerische und nicht zuletzt die Märchler Volksmusik verfasst. In der Zwischenzeit lebt der Zürcher auch in der March.

Volksmusik wie etwa Ländler wird definitionsgemäss im Volk gelebt. Oftmals fehlen niedergeschriebene Noten. Fachbücher und Lexika sind sogar selten. Ausnahmen schuf der heute 85-jährige Ernst Roth. Der Zürcher hat eine ganze Reihe von Publikationen über die Volksmusik verfasst.

Fachbücher als Standardwerke

Vieles rund ums «Handörgeli» hat Roth schon als Bub gelernt. Diatonische und chromatische Orgel, Klavierorgel und schliesslich Klavier spielte er. Als Erwachsener war er oft in einem Trio unterwegs. Er betrieb die Musik jedoch stets nur als Hobby, nicht von Berufs wegen. Dennoch war er auch beruflich mit Musik verbunden. Sein Arbeitsleben verbrachte er bei der Suisa, der Gesellschaft für die Verwertungsrechte. Dies sollte ihm die Recherche für seine Bücher vereinfachen. Es dauerte jedoch eine Weile, bis Ernst Roth die Ländlermusik entdeckte. Sein Vater habe ihm von Kasi Geisser vorgeschwärmt, erinnert er sich. Seine Vorliebe habe damals aber dem Jazz gegolten.

Freundschaft mit Ribary

Erst mit der Freundschaft zu Jost Ribary sen. sei er mehr und mehr in die Szene gerutscht. Sein Interesse besonders geweckt haben die sogenannten Langnauerli, die Mitte des 19. Jahrhunderts aufkamen und in ähnlicher Form schon in Österreich und Deutschland bekannt waren. Erst später entstanden daraus die heute noch – oder noch vermehrt – beliebten Schwyzerörgeli. Sein erstes Buch über diese ebenso originellen wie originalen Instrumente veröffentlichte Ernst Roth 1979. Nach diesem Standardwerk, das heute noch Gültigkeit hat, ging es Schlag auf Schlag. Danach widmete er sich dem Leben des Kasi Geisser, dessen Nachlass Roth verwaltete. Eine Biografie im Jahr 1982 war das Resultat.1987 wurde das «Lexikon der Schweizer Volksmusikanten » fertig. Es war eine minutiöse Fleissarbeit, all die Daten und Fakten zusammenzutragen.

Eigenverlag

Darauf folgte eine schöpferische Pause, bevor Ernst Roth im neuen Jahrtausend wieder aktiver wurde, teilweise im Eigenverlag. Märchler Volksmusiker porträtiert Im Jahr 2000 veröffentlichte Ernst Roth ein Werk, das vor allem für die Region wichtig wurde. «Märchler Volksmusiker – Die Geschichte der Ländlermusik einer Region» erschien in der Reihe «Schwyzer Hefte» und listete die hiesige Ländlerszene auf. Dabei blickte der Autor Jahrzehnte bis in die erste Hälfte des 20.Jahrhunderts zurück, als die Ländlermusik als Tanzmusik in der Hochblüte war und viele Ausserschwyzer Musikanten vor allem auch in der Stadt Zürich erfolgreich waren. 2001 folgte ein Werk über die Handharmonika in der Schweiz.

Auch Jazz

Danach kehrte Roth zum Jazz zurück und veröffentlichte 2003 eine Biografie der Koryphäe Teddy Stauffer. Schliesslich nahm sich Roth nochmals dem Schwyzerörgeli an und erneuerte sein Standardwerk,das er vor einem Vierteljahrhundert geschaffen hatte, indem «Geschichte – Instrumentenbau – Spielpraxis» unter die Lupe genommen wurden. Sein letztes Buch veröffentlichte Ernst Roth vor sechs Jahren. «Lust auf Autographen – Ein Sammler erzählt» heisst es und weicht stark von seinen bisherigen Werken ab. Darin geht es um persönliche Schriftstücke von Musikern, Komponisten und anderen Persönlichkeiten, die er sammelte. Es sollte seine «kleine, persönliche Lebensgeschichte» werden, wie er selber sagt – und wohl seine letzte Publikation.

Angekommen in der March

Wer nun glaubt, Ernst Roth trauere ständig den guten alten Zeiten nach, täuscht sich. «Alles hat seine Zeit», winkt er ab. Seit zwei Jahren wohnt er nun in Siebnen, woher viele beliebte Ländlermusikanten stammen,die er in seinen Büchern porträtiert hat. «Ich fühle mich hier auf dem Land wohl – nur die vielen Fliegen stören mich», meint er lachend. Gerne spielt er noch auf dem E-Piano oder besucht Konzerte der heutigen, auch weniger bekannten Ländlermusikanten. Musikanten, die leider wohl nie in einem Lexikon verewigt werden …

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Andreas Knobel)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

26.08.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/wjfprX