«Wie gerne würde ich auf dem Balkon einen Gin schlürfen»: Gustav hat aber keine Zeit dafür, sein neues Album hat er im Alleingang eingespielt.
«Wie gerne würde ich auf dem Balkon einen Gin schlürfen»: Gustav hat aber keine Zeit dafür, sein neues Album hat er im Alleingang eingespielt.

Musik

«Ich stehe hinter jedem Geräusch»

Gustav ist Entertainer, Troubadour, ein Multi-Talent. Er spricht mehrere Sprachen, spielt Dutzende Instrumente und versucht, seine Musik stets neu zu erfinden. Am Gersauer Herbst spielt er Auszüge aus seinem neuen Album «The Holy Songbook».

Mit Gustav sprach Nicole Auf der Maur

Singen die Fans wacker an Ihren Konzerten mit?

Meistens, und sollten sies nicht tun, dann zwinge ich sie dazu – höflich, aber bestimmt.

Sie haben auf Ihrer Homepage alle Songs als Karaoke-Version zum Gratis- Download bereitgestellt. Wie rege wurde dies genutzt?

Absolut keine Ahnung, ich weiss auch nicht, wie man das nachschauen kann. Ich gehe mal davon aus, dass es so rund eine bis drei Millionen Downloads sein werden. Alles darunter wäre eine Enttäuschung.

Halten Sie das Publikum in Gersau für genug spontan, dass alle Songs mitgesungen werden können?

Man sagt bei uns im Westen, die Gersauer seien am versautesten von allen rund um den «Lac des Quatre Cantons». Da nehme ich mal an, dass sie auch spontan sein werden.

Sie haben vor sechs Jahren schon mal den Gersauer Herbst beehrt. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Gersau liegt schon in einem bezaubernden Schlupfwinkel dieser Erde. Ein wenig das helvetische Imladris (Anmerkung: elbisch für «Bruchtal», Herr der Ringe).

Sie kommen gerne in unsere Region. Das haben Sie zumindest Nik Hartmann in der Sendung «SRF bi de Lüt» in Brunnen gesagt. Was fasziniert Sie an unserer Region?

Ich lebe in einer ganz anderen Ecke dieses Landes. An einem wilden, braunen verschmutzten Fluss, umgeben von hohen Sandsteinfelsen und einer Horde Welschen. Die Region rund um Gersau erscheint wie eine Antithese zu Freiburg. Dort und da. Zwei Pole. Dazwischen das pralle Leben. I like it.

Können Sie überhaupt jeweils etwas von einem Ort sehen, die Menschen kennenlernen, wenn Sie einen Gig haben?


Aber natürlich. Mein Job hat den Vorteil, dass ich viele schöne oder hässliche Fleckchen dieses Landes zu Gesicht bekomme. Ich wüsste sofort ein, zwei Orte, wo ich hingehen würde, würde man mich aus Freiburg verbannen. Gersau ist einer davon.

2010 wurden Sie durch die Sendung «Kampf der Chöre» schweizweit bekannt, vorher waren Sie mehr oder minder in gewissen Musikszenen ein (doch schon sehr) angesehener Name. Wie hat sich Ihr Leben als Musiker durch die Sendung verändert?

Der Erfolg war schon etwas unerwartet. Ich habe es nach dieser Show gewagt, mich selbstständig zu machen. Seither lebe ich von meiner Musik. Ich trete oft auf, schreibe für Lehrmittel Songs, komponiere für Theater, Film und TV. Der Erfolg hat jedoch nicht mich, sondern meine Arbeit verändert.

In der Sendung war auch Padi Bernhard Chorleiter.

Ich schätze Padi Bernhard sehr. Er hat einen der erfolgreichsten Schweizer Mundart-Songs des letzten Jahrhunderts geschrieben. Dem gebührt Respekt. Unsere Wege haben sich aber seither leider nur noch digital gekreuzt.

Sie wissen, dass Padi aus Brunnen kommt? Vielleicht besucht er Sie ja in Gersau.

Wäre cool. Ich habe noch einen Platz frei auf der Gästeliste.

Sie haben ein neues Album veröffentlicht. «The Holy Songbook». Was ist daran so heilig?

Halten Sie es mal in den Händen, knien sie auf den Boden und hören Sie es sich mit ein bisschen Weihrauch an. Kauen Sie dazu trockene Hostien, und saufen Sie viel und schnell billigen Wein aus einem goldenen Kelch. Sie werden dann die Antwort erfahren.

Sie singen in mehreren Sprachen, spielen vor allem mit der Sprache. Wie viele Sprachen sprechen Sie?

Ich wohne an einem Ort, wo sich zwei Kulturen treffen und kreuzen und ineinander verwursteln. Ich bin Deutschschweizer und spreche oft französisch. Singen tue ich in meinem Dialekt und in Französisch. Aus Freude an der Sprache und Respekt vor fremdsprachigen Menschen in diesem Land singe ich auch in hochdeutsch.

Sie haben alle Instrumente selber eingespielt. Lieben Sie die Einsamkeit?

Manchmal schon. Wenn ich Lieder schreibe, brauche ich Abstand zur Gegenwart und tauche ab in meine einsame, dunkle Höhle. Es ist das erste Mal, dass ich ein Album voll und ganz selber aufgenommen und eingespielt habe. Es war einsam, ja, aber wenn ich die Songs nun anhöre, macht es mich auch stolz, dass ich die Arbeit ohne (gross) durchzudrehen und ohne Hilfe geschaff

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

30.10.2013

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schwyzkultur.ch/LwiGg3