Mann mit Facetten: der Berner Musiker Marc Trauffer. Bild Yanik Bürkli
Mann mit Facetten: der Berner Musiker Marc Trauffer. Bild Yanik Bürkli

Musik

«Ich unterhalte gerne Leute»

Der Berner Oberländer Sänger und Musiker Marc Trauffer hat gerade sein sechstes Album veröffentlicht. Dieses verspricht wiederum sehr erfolgreich zu werden. Der bodenständige Mann über seine Realität, seine Musik, seine Alpzeit und seine Neider.

Er wird als Berner Alpentainer bezeichnet und ist gleichzeitig einer der erfolgreichsten Musiker des Landes: der Berner Oberländer Marc Trauffer. Als Trauffer erobert er seit geraumer Zeit Konzertsäle und Hitparaden. Der umtriebige 39-Jährige ist aber nicht nur Musiker, hauptberuflich ist er Inhaber der Holzspielwarenfabrik Trauffer AG im bernischen Hofstetten. Die Musik bezeichnet er als Hobby. Der selbstbewusste Entertainer hat vor vier Tagen sein neues Album «Schnupf, Schnaps + Edelwyss» auf den Markt gebracht. Ebenfalls stehen 16 Konzerte und fünf Open Airs in diesem Jahr auf dem Programm des zweifachen Vaters. Die ersten fünf Konzerte sind bereits ausverkauft. Marc Trauffer hat mit seinem neuen Album auch unserer Zeitung einen Besuch abgestattet und gleich bei der Begrüssung klargestellt, dass er es gerne unkompliziert mag und darum auf das Du besteht. Mit Marc Trauffer sprach Astrid Hüni:


Astrid Hüni: Marc Trauffer, dein neues Album wurde auf einer Alp aufgenommen. Das war ein Grossprojekt für dich und deine Band, ihr habt drei Wochen auf der Alp gelebt und auch das benötigte Equipment dort hinaufgebracht. Wie kam es dazu?


Marc Trauffer: Ich wollte definitiv kein Grossprojekt machen. Das ist einfach so passiert. Die Grundidee war eigentlich eine völlig andere. Ich wollte einfach nicht ein Album über Wochen und Monate hinweg aufnehmen und abmischen. Das verzettelt sich dann irgendwann endlos. Darauf hatte ich keinen Bock. Und darum wollte ich einfach drei Wochen irgendwo hingehen und während dieser Zeit das Album aufnehmen – das wars. Dann kam die Frage nach dem Wo auf und ich sagte mir, was soll denn der Trauffer beispielsweise in Berlin. Wir gehen besser auf eine Alp. Der Gedanke hat mich dann nicht mehr losgelassen. Und so verwandelte sich die Idee in ein Horrorprojekt. (lacht)


Horror, und du lachst?


Ja, denn wir hatten es sehr schön und lustig. Im Kern waren dann diese drei Wochen das, was ich mir erträumt habe. Ich habe es extrem genossen. Aber die Organisation und bis wir an diesem Punkt waren, das war Horror.


Bist du mit dem Ergebnis dieser drei Wochen zufrieden?


Ja, sehr. Klanglich, so wie es tönt, fällt es überhaupt nicht ab. Wir haben mit 50 Heuballen eine Akkustik erzeugt, die mit jedem Tonstudio mithalten kann. Und ich bin auch unglaublich stolz und sehr zufrieden, wie das Album daherkommt und wie es tönt. Es ist rauer und kantiger als die Vorgänger. Denn es waren nur drei Wochen Zeit, danach haben wir nichts mehr daran geschliffen oder herumgefeilt. Das war aber letztlich genau das, was ich wollte. Wenn ich das Album heute höre, höre ich auch einen Chor, der nicht so sauber ist, oder eine Stimme, die fehlt. Aber genau das macht es aus. Dieses Raue, genau das wollte ich und darum ist es auch unglaublich cool.


Das Album sollte also aus den Momenten auf der Alp heraus geboren werden?


Genau. Es wurde sogar auf der Alp abgemischt. Es ist einfach, wie es ist. Meine Produzenten sind zwar fast durchgedreht, denn das Ziel war, nach der Alpzeit abgemischt abzugeben. Und ich bin überzeugt davon, dass genau das das Album speziell macht und die Leute das spüren können.


Bist du denn einer, der auch mit nicht ganz perfekten Momenten leben kann?


Perfekt im Sinn von alles sauber und clean ist nicht meine Art. Das ist auch bei den Spielwaren so, die in meinem Geschäft produziert werden. Ich mag es lieber echt und authentisch.


Du bist einer der erfolgreichsten Musiker in der Schweiz. Bisher gingen 60 000 Trauffer-Platten über den Ladentisch und die Konzerte sind regelmässig ausverkauft. Dennoch betonst du immer wieder, dass das Musikmachen nur ein Hobby ist.


Ja, das ist so. Mittlerweile zwar ein ausser Kontrolle geratenes Hobby, aber immer noch ein Hobby. (lacht)


Wie kommts? Bist du einer, dem schon immer alles in den Schoss gefallen ist?


Nein, ganz und gar nicht. Die Musikkarriere ist mir überhaupt nicht in den Schoss gefallen. Wir haben einfach einen anderen Weg eingeschlagen als andere Musiker. Wir haben hart gearbeitet, wir haben nichts auf Kunst oder Zufall ausgelegt. Wir haben mit dieser Band während der letzten zehn Jahre an jedem Grümpelturnier, an jedem Dorffest, an jeder Jugendchilbi, einfach überall gespielt, wo wir auftreten durften. Das ist arbeiten von der Pike auf und so gelang es uns, eine Fanbase aufzubauen. Und dann kam der Erfolg. Dennoch denke ich auch, dass dieser Erfolg, den wir heute verbuchen dürfen, auch mit Glück zu tun hat. Genaugenommen mit purem Glück und dafür bin ich extrem dankbar.


Scheinbar hast du aber den Zeitgeist getroffen und machst genau die Musik,die viele hören möchten.


Das ist so. Aber das fiel mir auch leicht, denn ich bin mit genau dem, was ich wirklich gerne mache, erfolgreich: mit Unterhaltung. Am glücklichsten bin ich nämlich ganz einfach dann, wenn die Leute auf den Festbänken stehen und mitsingen. Ich unterhalte gerne Leute.


Was ist dein Erfolgsrezept?


Der grosse Moment für mich kam mit dem Album «Heitere Fahne». Aber letztlich ist das Erfolgsrezept total simpel: Wo Trauffer draufsteht, ist und bleibt auch Trauffer drin.


Das neue Album «Schnupf, Schnaps + Edelwyss» ist also die logische Folge von «Heitere Fahne»?


Unbedingt. Ich und meine Band – wir alle – haben wahnsinnig Spass an unserem Sound.


Was du in den letzten Jahren erleben durftest ist für dich also auch ein Geschenk?


Ja, ich werde dabei aber nie vergessen, dass das, was wir hier erleben, nicht die Realität ist. Ich unterscheide zwischen meiner Realität – meine Familie und mein Holzspielwarengeschäft – und dem Musikbusiness. Das trenne ich sehr genau. Denn der Erfolg im Musikbusiness ist nicht steuerbar. Und die logische Konsequenz für mich davon ist, dass ich den Musikzirkus nicht ganz so ernst nehme.


Deine Realität liegt also im anderen Leben des Marc Trauffer?


Ja, klar. Ich bin immer Montag bis Donnerstag im Büro und das um sechs Uhr morgens. Ich liebe meine Firma über alles. Und ich glaube, das ist der Punkt, der mich immer wieder von dieser rosa Wolke herunterholt. Klar es ist absolut überwältigend, an Festivals wie dem «Moon & Stars» in Locarno zu spielen. Das ist wohl das Grösste, was du in diesem Land als Musiker erleben kannst. Wenn du da einen sensationellen Abend hattest, da fährst du dann mit geschwellter Brust nach Hause. Dann denkst du ‘Du bisch ganz en geile Siech’. Aber wenn du dann am Montagmorgen ins Büro zurückgehst und das Tagesgeschäft dich einholt, dann kommst du schnell wieder auf den Boden der Realität zurück.


Das hört sich nach einer harten Landung an, ist es das?


Ja klar,aber es ist herrlich! Das gibt mir die nötige Bodenhaftung.


Es gibt aber auch Neider. Radiostationen, die deine Songs nicht spielen oder gehässige Artikel über deine Texte. Verletzt dich das?


Nein, da steh ich drüber. Wir haben über Facebook, Instagram und Live-Auftritte unsere Fanbase intensiv gefestigt, das ist Erfolg und das freut uns viel mehr. Wenn beispielsweise Songs mit Jodelelementen prinzipiell nicht im Radio gespielt werden, ist mir das doch egal. An diesem Punkt zitiere ich immer gerne Kurt Felix, der meinte: ‚Man sollte die leichte Unterhaltung nicht unterschätzen’. Viele selbst ernannte Musikkenner machen dir den Vorwurf, deine Musik sei wenig anspruchsvoll. Darauf gehe ich gar nicht ein. Denn das, was wir machen, ist nicht per se einfacher, sonst würden es wohl ganz viele auch machen. Erfolgreich zu sein, ist nie einfach.


Das letzte Lied auf dem neuen Album handelt vom Abschluss der Alpzeit. Ein Song, der etwas traurig und besinnlich ist. Gibt es denn auch den Trauffer der leisen Töne?


Ja, den gibt es durchaus. «Alpzyt» ist für mich der mit Abstand wichtigste Song auf dem Album. Das war aber nicht von Anfang an so. Das hat sich entwickelt. «Alpzyt» beschreibt ganz intensiv meine Erlebnisse und Gefühle, als ich ganz vorne mit den Älplern am Alpabzug ins Tal laufen durfte. Da hätte ich einfach nur weinen können. Das war für mich so emotional und das beschreibt dieser Song – Emotionen pur.


Du kannst also auch Songs machen, die tief aus deiner Seele kommen?


Selbstverständlich kann ich das. Ich bin ein brutaler Romantiker. Aber ich bin eben auch ein Unterhaltungskünstler.


Woran zeigt sich das?


Wir wählen in unseren Songs die Sprache, die man versteht. Wir verwenden eine einfache Sprache, die leider zu oft als banal dargestellt wird. Ich sage ‘I liebe di’ und erkläre nicht um sieben Ecken herum, wenn ich jemanden mag.


«Alpzyt» hast du noch nie vor Publikum gespielt. Wie emotional wird das erste Mal für dich sein?


Ich weiss es nicht, es ist auch ein Wagnis mit mir selber. Am 9. März spiele ich den Song zum ersten Mal vor 3000 Menschen und ich bin gespannt, was in mir passieren wird.


Höfner Volksblatt & March Anzeiger / Astrid Hüni

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

10.02.2018

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schwyzkultur.ch/cbpd66