«Jeder Verein kämpft auf seine Art» - 1

Musik

«Jeder Verein kämpft auf seine Art»

Der Kanton Schwyz zählt 39 aktive Musikvereine. Viele kämpfen um Nachwuchs. Fusionen sind trotzdem kein Thema.

Vergangenen März musste der Musikverein Lauerz auf Eis gelegt werden. Der Grund: Es fehlte der Nachwuchs. Zuletzt zählte der Verein noch 13 Aktivmitglieder. Seit diesem Zeitpunkt fehlt in Lauerz die Dorfmusik. Es gibt keine Proben und Auftritte mehr – nicht am Weissen Sonntag, nicht am Muttertag und auch nicht am 1. August. Mit Nachwuchssorgen zu kämpfen hat auch die Feldmusik Illgau. In den vergangenen zehn Jahren musste der Verein einen überdurchschnittlichen Mitgliederschwund verkraften, wie dem «Muotathaler Zirk» zu entnehmen ist. Aktuell zählt der Verein noch 18 Aktivmitglieder. Mit ähnlichen Problemen muss sich auch der Musikverein Muotathal auseinandersetzen. «Aufgrund der fehlenden Neumitglieder ist der Fortbestand der Musikvereine Muotathal und Illgau gefährdet», wurde gar im Bericht zum Budget vermerkt.

Vereinsarbeit – ein Knackpunkt

Alex Zimmermann, Präsident des Schwyzer Kantonalen Musikverbandes, sind diese Entwicklungen bekannt. «Verschiedene Vereine kämpfen um Nachwuchs – jeder auf seine Art», führte Zimmermann aus. «Diese Entwicklung ist vor allem schade für das Dorfleben, welches zunehmend verloren geht. Aktuell ist es jedoch meines Wissens nirgens so dramatisch wie im Falle von Lauerz.» Zimmermann ortet einer der möglichen Gründe auch in der Bereitschaft, Vereinsarbeit zu leisten, zumal sich für Projekte oder bevorstehende Konzerte doch immer wieder Musikanten bereit erklärten, auszuhelfen. «Die Jugendlichen wissen genau, dass sie bei Abwesenheit im Fussball-Training im Ernstkampf nicht auf dem Platz stehen. Bei den Musikvereinen ist es anders: Da können sie der Probe fernbleiben und spielen trotzdem am Konzert – weil der Verein ja froh ist um jede Verstärkung», nennt Zimmermann ein weiteres Problem. Ein Phänomen sei auch dieAuswirkungen der heutigen Mobilität. So sei nicht selten zu beobachten, dass auch nach einem Wohnortwechsel dem ursprünglichen Verein die Treue gehalten werde – auch wenn für die Probe eine Autofahrt von einer Stunde in Kauf genommen werden müsse.

Fusionen sind kein Thema

Bevor der Musikverein Lauerz seine Tätigkeit eingestellt hatte, wurde auch über eine Fusion diskutiert. Es blieb jedoch bei der Idee. Auch im Falle von Illgau und Muotathal liegt für Aussenstehende eine Fusion oder eine Zusammenarbeit nahe. «Fusionen von Dorfvereinen sind eine sehr schwierige Angelegenheit», ist sich Zimmermann bewusst. Die Musik sei häufig nicht der Hauptgrund, weshalb eine Fusion nicht zustandekäme. Es stünden oftmals «alte Geschichten» im Weg oder aber politische oder familiäre Gründe.


Schwyzer Musikverband setzt neu auf Workshops

Der Schwyzer Kantonale Musikverband wird ab nächstem Sommer keine Instrumentalkurse mehr anbieten – weil die Nachfrage seit Jahren rückläufig ist. «Immer wieder müssen wir Kurse absagen, die wir ausgeschrieben haben. Bei einer geringen Teilnehmerzahl ist der Kurs für den Verband nicht kostendeckend», führte Chrisian Oechslin im Verbandsorgan «4/4-Takt» aus. Das Thema Ausbildung ist jedoch nicht gestorben. So werden bei genügendem Interesse nach wie vor Dirigentenkurse durchgeführt.

Definitives Programm im März

Im Übrigen arbeitet der Kantonalverband in Sachen Ausbildung an neuen Lösungen – insbesondere soll das Workshop-Angebot ausgebaut werden. Dabei handelt es sich um Ausbildungskurse, die einen halben oder einen ganzen Tag dauern. «Wir glauben, dass eine kürzere Kursdauer eher den Bedürfnissen der Musikantinnen und Musikanten entspricht. Zudem haben wir in derVergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht», so Oechslin weiter. Es ist vorgesehen, pro Jahr zwei bis drei Workshops anzubieten. Diese sollen den Teilnehmenden wichtige Inputs liefern und Motivation geben für die musikalische Arbeit im Verein. «Bei denWorkshops soll sich Jung undAlt treffen und austauschen», führte Oechslin weiter aus.An der Delegiertenversammlung im kommenden März soll das definitive Programm präsentiert werden.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

26.10.2011

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schwyzkultur.ch/ArSDyW