Vergangenes und Zukunft: Im Podiumsgespräch diskutierten unter anderem die Einsiedler Jodlerin Nadja Räss (von links) und die Muotataler-Naturjuuz-Kenner Toni Büeler und Peter Betschart. Bild Christian Ballat
Vergangenes und Zukunft: Im Podiumsgespräch diskutierten unter anderem die Einsiedler Jodlerin Nadja Räss (von links) und die Muotataler-Naturjuuz-Kenner Toni Büeler und Peter Betschart. Bild Christian Ballat

Musik

Muotataler Naturjuuz zu Gast in Uri

Das zweite Jodelsymposium widmete sich ganz den archaischen Klängen und Naturtönen des Muotataler Naturjuuz. Gezeigt und diskutiert wurden auch Ton- und Filmaufnahmen.

«Die im Muotataler Naturjuuz vorkommenden Dissonanzen entsprechen nicht mehr ganz den heutigen Hörgewohnheiten», berichtete Peter Betschart als Lehrer und Kenner des Muotataler Juuz während seiner packenden Einführung in die Filmausschnitte «Jüüzli du Muotatal». Die vier Filme entstanden Ende der 70er- Jahre und zeigen in einer feinfühligen Dokumentation, wie die archaische Eigenständigkeit des hier gepflegten Jodels ins Leben eingebettet war.

Muotataler-Abend zu Beginn

Das von der Einsiedler Jodlerin Nadja Räss und Stephan K. Haller organisierte zweite Jodelsymposium in Altdorf begann am Freitagabend mit einem «Muotataler-Abend». Dabei gab es Naturjodel und Jodellieder von Christian und Franziska Gwerder, Schwyzerörgeliklänge von Armin Ablondi, Akkordeontöne von Roman Schmidig und Urs Zehnder zu hören, begleitet von Theo Schmidig am Kontrabass und Klavier. Der Samstag stand ganz im Zeichen von Referaten, Gesang und Workshops. Auch hier hatten die Muotataler die Hauptrolle. So zeigten Jodler, die den Muotataler Juuz pflegen, ihren Kolleginnen und Kollegen die besonderen Eigenheiten auf. Zu den Workshopleitern gehörten Toni Büeler und Cornelia Gwerder, Konrad Schelbert, Walter Büeler, Bernhard Betschart und Christian Gwerder.

Von Frankreich finanziert

Ein Höhepunkt der sehr gut besuchten Veranstaltung waren die Ausführungen von Peter Betschart über die verschiedenen Filmaufnahmen. Die Kosten dafür beliefen sich auf über 300 000 Franken, die zu 85 Prozent von Frankreich finanziert wurden. «Das Westschweizer Fernsehen hat die Filme zweimal gezeigt, das Deutschschweizer Fernsehen nicht.» Die Bild- und Tonqualität sei zu schlecht. Diese Begründung löste im Saal ein lautes Raunen aus. Immerhin haben die Filme der Reihe «Jüüzli du Muotatal» vor allem im Ausland vorab bei Volksmusikfreunden eine grosse Beliebtheit erreicht. Spannend zu hören waren auch die Aufnahmen einer Schallplatte, die den Naturtönen dieser Region gewidmet war.

Kaum mehr praktiziert

«Die Eigenart unseres Naturjuuzes ist eigentlich das Falschsingen mit Prinzip», sagte Peter Betschart weiter. Allerdings wird diese Art des Jodelliedes kaum mehr praktiziert, eine Art Flurbereinigung habe eingesetzt. Auch darüber wurde im anschliessenden Podiumsgespräch mit Nadja Räss, Peter Betschart, Toni Büeler und Gody Studer diskutiert. Die Teilnehmer des Jodelsymposiums zeigten sich dankbar, etwas darüber gehört zu haben, und werden ihr neues Wissen in ihren Alltag hinaustragen.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

30.05.2011

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