Der populärste Volksmusikant der Schweiz: Carlo Brunner, Schindellegi, wird am nächsten Samstag in Lachen mit dem «Goldenen Violinschlüssel» ausgezeichnet.
Der populärste Volksmusikant der Schweiz: Carlo Brunner, Schindellegi, wird am nächsten Samstag in Lachen mit dem «Goldenen Violinschlüssel» ausgezeichnet.

Musik

«Oscar» für Carlo Brunner

Ländlerkönig Carlo Brunner aus Schindellegi bekommt den «Oscar» der SchweizerVolksmusik: den goldenenViolinschlüssel. Ausgezeichnet wird er für seine traditionellen und auch innovativen Projekte sowie für seine jahrzehntelange Tätigkeit als erfolgreichster Volksmusikant der Schweiz und Komponist.

Mit Carlo Brunner sprach Kurt Zurfluh

Was war deine erste Reaktion, als du von dieser Auszeichnung erfahren hast?

Zuerst war ich überrascht, weil die vorherigen Preisträger in der Regel eher älter waren. So gesehen bin ich ein jüngererVertreter, der ausgezeichnet wird. Vor allem aber habe ich mich natürlich gefreut, da ich um die Bedeutung des Goldenen Violinschlüssels weiss.

Wie hat denn eigentlich deine musikalische Karriere begonnen?

Kaum konnte ich stehen, soll ich mich an eine Kommode geklammert und der Musik zugehört haben, die von Schallplatten kam, die mein Vater Ernst aufgelegt hatte. Er war auch mein Lehrer, als ich mit 11 Jahren mit dem Klarinettenspiel begann. Wenig später lautete sein vernichtendes Urteil: «Carlo – es hat keinen Sinn.» Ganz ehrlich, ich hatte wirklich keine Freude, übte auch nicht mehr.

Aber irgendwie muss dir ja dann der Knopf aufgegangen sein?

Der Kopf liess es mir nicht zu, mich vor meinemVater, selber ein begnadeter Volksmusiker, zu blamieren. So übte ich im Geheimen und wollte beweisen, dass ich es kann. Und dieser Beweis gelang mir mit bereits 13 Jahren, als ich mit Vater Ernst und seinen «Seebuebe» die erste Platte aufnahm.

Gab es dann auch so etwas wie eine Hausmusik Brunner mit deinem Vater, mit deiner Schwester Maja und dir?

Nein, wir haben zu Hause nie zusammen musiziert. Maja konnte mit Volksmusik nichts anfangen, sie wollte Sängerin werden. Sie hat mich dann jeweils dazu verknurrt, ihren Gesang auf ein Tonband aufzunehmen. Das waren eigentlich meine Anfänge als Musikproduzent.

Mit 15 hattest du ja schon eine eigene Kapelle – was hat der Lehrer dazu gesagt?

Natürlich hatte ich Jugendschutz und durfte nicht nächtelang aufspielen. Aber mein Sek-Lehrer hat mich stark gefördert, war sehr tolerant, wenn ich in den Prüfungen nicht glänzte. Er sagte immer: «Du wirst sowieso Musiker. » Und in der Schule wussten sie, dass ich bereits auf Schallplatten zu hören war und in TV-Sendungen auftrat – das war ein Ereignis.

Auch sehr jung, 17-jährig, hast du den nach wie vor populären «Waldvogel- Schottisch» geschrieben. Warum konnte sich dieser Hit so lange halten?

Das ist eine Melodie, die sich eingeprägt hat, wobei einem nicht alle Tage eine solche Komposition gelingt. Sie trägt meine Handschrift, ich finde die Melodie persönlich schön und spiele sie nach wie vor sehr gerne.

Mittlerweile hast du 2000 Titel komponiert, wie kommen dir die Ideen dafür?

Der Laie stellt sich vor, man lasse sich durch irgendwelche Naturereignisse, wie Abendstimmung oder Sonnenaufgänge, inspirieren. Ich schreibe die Titel ganz nüchtern am Schreibtisch von Hand auf Papier. Das geht meistens sehr schnell, dauert mal eine halbe Stunde, mal eine Stunde, aber kaum länger. Das ist eine Begabung, die ich glücklicherweise habe.

Du bekommst die Auszeichnung vor allem für dein innovatives Schaffen. Was ist für dich die erfolgreichste Produktion?

Lustigerweise sind das die «Lumpenliedli mit Carlo und Arno».Auf diesen CDs spiele ich Akkordeon, das Instrument, das ich am wenigsten beherrsche. Aber die Lieder kamen an und haben sich etwa 50 000 Mal verkauft.

Deine Hauptinstrumente sind Klarinette und Saxophon. Du spielst auch Jazz und Swing. Woher kommt die Freude an dieser Art Musik?

Ich habe Musik grundsätzlich gerne, sei es Volkstümliches oder Jazz, Klassik, Unterhaltung oder Schlager. Es gibt keine schlechte Musik, es gibt nur schlecht gespielte Musik. Die Qualität ist für mich sehr wichtig.

Du hast ja auch eine Produktion mit einem klassischen Orchester gemacht. Wie kam es dazu?

Das war schon in jungen Jahren ein Traum von mir, ich konnte mir aber hier in der Schweiz kein Orchester leisten. Möglich war das in Bratislava, wo ich für eine Platten-Produktion in einem 50-Mann-Orchester als Klarinetten- Solist spielte. So ging ich mehrere Male am Morgen in Zürich auf den Flieger und kehrte am Abend spät wieder von Bratislava zurück. Und später war ich zusammen mit Walter Balmer der Initiant für eine Produktion mit be

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

10.11.2012

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