Nadja Räss ist eine der vielseitigsten Jodlerinnen der Schweiz. Sie tritt am Zentralschweizerischen Jodlerfest March mit einem Terzett und einem Quartett auf. Bild zvg
Nadja Räss ist eine der vielseitigsten Jodlerinnen der Schweiz. Sie tritt am Zentralschweizerischen Jodlerfest March mit einem Terzett und einem Quartett auf. Bild zvg

Musik

Singen ist Geduld mit sich selber haben

Nadja Räss hat das Jodeln zum Beruf gemacht. Ihr Wissen und Können bringt sie auch als künstlerische und operative Leiterin der Klangwelt Toggenburg ein. Am Zentralschweizerischen Jodlerfest in der March singt sie zweimal mit Schülern.

Mit Nadja Räss sprach Frieda Suter

Wie beginnt ein Nadja-Räss-Tag?

Vor allem früh. Spätestens um sieben Uhr bin ich im Büro der Klangwelt Toggenburg. Die Nachmittage sind meistens ausgefüllt mit Unterrichten, Üben und Komponieren; die Abende zum Teil mit Auftritten, aber auch mit Proben. Weitgehend heilig sind mir die Sonntage. Ich verbringe sie oft in der Natur.

Nun rückt das Zentralschweizerische Jodlerfest March näher. Sind sie auch dabei?

Selbstverständlich. Das sind immer ganz coole Anlässe und ich bin sicher nicht bei den ersten, die nach Hause gehen.

Singen Sie auch vor der Jury?

Ja, mit einem Terzett und einem Quartett. Beides sind Auftritte mit Schülerinnen und Schülern von mir. Es geht aber nicht um die Noten. Denn Jodeln zu benoten finde ich schwierig. Für mich steht die Freude am Singen im Vordergrund.

Zum Thema Freude am Singen passen die beiden Titel.

Genau, ich habe zwei fröhliche Lieder ausgewählt, die Geschichten erzählen. «S Jödele» von Ruedi Renggli mit dem Terzett und «Wenn de Mond chönt rede» von Robert Fellmann mit dem Quartett. Im Quartett singt übrigens eine Frau mit, die erst mit 60 Jahren mit Jodeln begann. Im Terzett singe ich mit zwei Jodlern ein Duettlied, das ich mit dem Einverständnis des Komponisten mit einer dritten Stimme ergänzt habe.

Sie singen am Fest in der March mit erwachsenen Schülern. Wer kann das Jodeln überhaupt erlernen?

Grundsätzlich braucht es ein gewisses Talent und eine stimmliche Begabung zum Jodeln. Es ist aber auch sehr viel Handwerk dabei. Das können gute Ausbildner Kindern und Erwachsenen vermitteln.

Wie definieren Sie Singen und Jodeln?

Grundvoraussetzung für das Singen und Jodeln ist, dass man mit sich selber zufrieden ist. Denn Singen ist Beschäftigung mit sich selber und zugleich das beste Training, um mit sich selber Geduld zu üben.

Jeder Mensch hat eine Stimme. Dann kann auch jeder Mensch singen?

Ja, doch ist das wie mit jeder anderen Fertigkeit. Es braucht viel Übung. Das sieht man auch beim Arbeiten oder Musizieren. Erst wenn jemand Freude hat und immer wieder übt, gelingt es besser und müheloser.

Was ist beim Jodeln anders als beim Singen?

Sicherlich der Gebrauch der verschiedenen Stimmregister und auch, dass das Jodeln einen grossen Stimmumfang bedingt. Auch singt ein Mann, der die Hauptstimme singt, in der gleichen Lage wie wir Frauen, also ziemlich hoch.

Vor Publikum zu Singen braucht aber auch Mut?

Ja, das ist so. Aber es gibt auch eine grosse Befriedigung, wenn man den Menschen Freude machen kann und sie zutiefst in der Seele berührt.

Wie kamen Sie zum Jodeln?

Das Jodeln gehörte in unserer Familie ganz einfach dazu. Mein Vater stammt aus Herisau, die Mutter aus Unteriberg, ich bin in Einsiedeln aufgewachsen. Es wurde an Familienfesten und im Alltag immer viel gesungen. Und ich durfte schon ab dem siebten Lebensjahr in die Stunde zu einem ganz tollen Primarlehrer gehen, der für mich extra kindgerechte Lieder komponiert hat.

Daraus entwickelte sich der Berufswunsch Jodlerin?

Für mich war immer klar, dass ich Jodlerin werden wollte. Allerdings gab es dafür keine Ausbildung. Deshalb habe ich klassischen Gesang studiert.

Ein Umweg?

Nicht unbedingt. Die Grundlagen sind ja die gleichen. Und ich bin durch das Studium sicher offener für alle Richtungen geworden und habe das gesangspädagogische Handwerk von Grund auf gelernt.

Verstehen das die traditionellen Jodler?

Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann, und zudem ist es auch nicht meine Absicht. Mir ist viel wichtiger, dass ich das, was ich mache, von Herzen mache und ich dahinter stehen kann. Für alles andere müsste ich mich verstellen und wäre dann nicht glaubwürdig. Zudem wäre das sehr, sehr anstrengend.

Was ist das Schöne am Jodeln?

Mir gefällt, dass das Jodeln keine Worte braucht. Es lässt Raum für eigene Gefühle und Interpretationen und man wird wortlos verstanden.

Wie kommt Neues an?

Das ist ganz unterschiedlich, denn Musik ist ja schliesslich auch Geschmackssa

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

20.06.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/sNdxPs