Die Aufführenden mit dem Komponisten des uraufgeführten Werks «Stillabunt montes» (v.l.): Marius Sampelean, Nicola Cittadin, der italienische Komponist Daniele Ferretti, Gaby und Dieter Laetsch sowie Martin Roos.Es fehlt Abt Urban Federer. Bild Franz
Die Aufführenden mit dem Komponisten des uraufgeführten Werks «Stillabunt montes» (v.l.): Marius Sampelean, Nicola Cittadin, der italienische Komponist Daniele Ferretti, Gaby und Dieter Laetsch sowie Martin Roos.Es fehlt Abt Urban Federer. Bild Franz

Musik

Sinnliche Alphornklänge im Kloster

Am vergangenen Sonntagabend fand im Kloster Einsiedeln im Rahmen des Musiksommers am Zürichsee ein ökumenisches Konzert zum Bettag statt. Der Abend war geprägt von Gegensätzen. Es wurden verschiedene Werke für Alphörner, Orgel und Gesang aufgeführt. Abt Urban Federer wandte sich zudem mit einer eindrücklichen Meditation ans Publikum.

Eröffnet wurde dieser spezielle Konzertabend in der Klosterkirche mit dem «Grossen Präludium und der Fuge in e-Moll» für Orgel des deutschen Komponisten Nikolaus Bruhns. Der italienische Organist Nicola Cittadin intonierte das mal bedächtige, dann wieder lebhafte und gar virtuose Werk auf der Marienorgel.

In die Natur entführt

Mit einem «Betruf» für zwei Büchel und «San Gian», einem Werk für zwei Alphörner, wurden die zahlreich erschienenen Zuhörer getreu dem Motto «Come una preghiera montanara» ein erstes Mal in die Natur entführt. Das Ehepaar Gaby und Dieter Laetsch platzierte sich für die Interpretation der beiden Werke aus der Feder von Gaby Laetsch im hinteren Bereich auf den beiden Emporen. Diese Anordnung ermöglichte spannende Klangeindrücke und Echospiele. Ebenso spannend waren die Klangunterschiede vom kantigeren Büchel- zum etwas volleren, runderen Alphornklang. Bei den drei «Religiösen Gesängen» op. 157 für Bariton und Orgel des deutschen Komponisten Joseph Rheinberger wurde der junge rumänische Bariton Marius Sampelean von Nicola Cittadin an der Mauritiusorgel lieblich und mit viel Feingefühl begleitet. Zwei Lieder ertönen in deutscher, eines in lateinischer Sprache. Schade, dass Sampeleans Stimme in der Akustik dieses grossartigen Bauwerks etwas zu wenig zum Tragen kam. Es folgte ein erstes Werk für Alphorn und Orgel: Der Zuger Komponist Carl Rütti hat in der «Suite Pastorale» alte Schweizer Alphornweisen unterschiedlicher Herkunft vom Fribourgerland, übers Muotathal bis zum Klöntal, in ihrer Einzigartigkeit verarbeitet. Der anspruchsvolle Solopart am Alphorn wurde vom Basler Alphornisten Martin Roos übernommen.

Zum Wort Ökumene

Mit einer Meditation wandte sich nun Abt Urban Federer persönlich an die Konzertbesucher. Er nahm die Kombination der drei äusserst unterschiedlichen Instrumente zum Anlass, um das Wort «Ökumene» genauer zu erläutern und auf allgegenwärtige weltpolitische Probleme hinzuweisen, die wohl nur gemeinsam und im Dialog zu lösen seien. Nach vier verschiedenen «Biblischen Liedern» op. 99 für Bariton und Orgel von Antonin Dvoràk, gelangte das mit Spannung erwartete Werk «Stillabunt montes» des italienischen Komponisten Daniele Ferretti zur Uraufführung. Die Alphornistin und die zwei Alphornisten hatten sich im Chorraum formiert, dazu gesellten sich nochmals Bariton Sampelean auf der Orgelempore, sowie Nicola Cittadin an der Mauritiusorgel. Mal im Dialog, mal gemeinsam boten sie ein interessantes und wahrlich nicht alltägliches Klangspektakel. Das Publikum war beeindruckt und applaudierte spontan. Komponist Ferretti war an diesem Abend persönlich anwesend und ob der Aufführung mehr als zufrieden und sichtlich bewegt. Mit Marco Enrico Bossis virtuosem Orgelwerk «Stunde der Freude» op. 132 erfuhr das rund achtzigminütige Konzert des Musiksommers 2015 im Kloster Einsiedeln einen würdigen Abschluss. Die Aufführenden/Musiker mit dem Komponisten des Werks «Stillabunt montes», welches uraufgeführt wurde (von links): Bariton Marius Sampelean, Organist Nicola Cittadin, der italienische Komponist Daniele Ferretti, das Alphorn-EhepaarGabyundDieterLaetsch,sowieAlphornistMartinRoos.EsfehltAbtUrbanFederer. Foto:FranzKälin

Einsiedler Anzeiger (ank)

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

22.09.2015

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schwyzkultur.ch/B8YDxh