Überraschung für die Fasnächtler: Die traditionellen Schwyzer Maskenfiguren und ihre Strassenfasnacht haben alle Chancen, dass sie in die Unesco-Liste aufgenommen werden. Bild Ladina Cattaneo
Überraschung für die Fasnächtler: Die traditionellen Schwyzer Maskenfiguren und ihre Strassenfasnacht haben alle Chancen, dass sie in die Unesco-Liste aufgenommen werden. Bild Ladina Cattaneo
Das Küssnachter Chlausjagen, lebendiges Brauchtum mit guten Chancen für die Aufnahme.
Das Küssnachter Chlausjagen, lebendiges Brauchtum mit guten Chancen für die Aufnahme.
Auch ein Einsielder Kulturanlass: das Welttheater empfiehlt sich für die Aufnahme in das Weltkulturerbe.
Auch ein Einsielder Kulturanlass: das Welttheater empfiehlt sich für die Aufnahme in das Weltkulturerbe.

Volkskultur

Fasnacht als Unesco-Kulturerbe

Unesco-Inventare schützen das Natur- und Kulturerbe. Ab 2012 werden dazu auch Traditionen gehören. Aus dem Kanton Schwyz haben die Fasnacht, das Welttheater Einsiedeln und das Chlausjagen Küssnacht allergrösste Chancen.

Aus der Schweiz stehen aktuell zehn Objekte auf der Unesco-Liste des Welterbes. Zum Beispiel die Altstadt von Bern, der Stiftsbezirk St. Gallen, die Weinbaulandschaft des Lavaux, die Burgen in Bellinzona oder die Rhätische Bahn. Jetzt werden diese «greifbaren» Objekte ergänzt durch das immaterielle Kulturerbe. Die Schweiz ist dieser Unesco-Konvention beigetreten, nun erfolgt die Bestandesaufnahme. Es wird eine nationale Liste der «lebendigenTraditionen » erarbeitet. Bis 2012 soll diese fertigerstellt sein. Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat die Federführung, die Kulturstellen der Kantone, die Hochschule Luzern und die Schweizerische Unesco-Kommission arbeiten mit.

Sechs Kantone gemeinsam

Die sechs Zentralschweizer Kantone haben sich für diese Arbeit zusammengetan. Damit soll auf regionaler Ebene die Koordination sichergestellt und die Chancen der Zentralschweiz verbessert werden, mit ihren Traditionen Eingang in die Unesco-Liste zu finden. Mit der Bearbeitung ist Marius Risi beauftragt worden. Risi ist in Zug aufgewachsen, hat in Basel Volkskunde studiert und leitet derzeit das Institut für Kulturforschung Graubünden in Chur. Das Mandat der Zentralschweizer Kantone wird er im Nebenamt wahrnehmen. Bis Ende Jahr wird Risi eine Liste mit rund 80 Einträgen aus allen sechs Kantonen erarbeiten. Aufnahme finden werden Traditionen, Praktiken, Darbietungen, Kenntnisse, Fähigkeiten und Ausdrucksweisen, die von einer Generation an die nächste weitergegeben und von Gemeinschaften als ihr Kulturerbe angesehen werden.

Lebendige über 60-jährige Tradtionen

Die Unesco setzt dazu zwei ganz klare Kriterien für den Eintrag als «lebendige Tradition»: Sie müssen seit mindestens 60 Jahren bestehen und gesellschaftlich breit verankert sein. Bearbeiter Risi kann sich vorstellen, dass sich aus einer ersten Erhebung bis zu 150 Eintragungen ergeben werden, besonders dann, wenn auch aus dem Publikum und der Brauchtums-Szene Vorschläge eingereicht werden. Diese erste Liste wird dann mit Fachleuten aus der Steuerungsgruppe bearbeitet. Man könne davon ausgehen, so Risi, dass schliesslich zwischen 20 und 30 «lebendigeTraditionen » aus der Zentralschweiz Eingang in die schweizerische Unesco- Liste finden werden. Gesamthaft wird sie rund 100 Eintragungen aufweisen.

Fasnacht, Welttheater, Chlausjagen

Welche Traditionen, Bräuche und welches gelebte Kulturgut werden schliesslich aus der Zentralschweiz in der Liste aufgeführt sein? Grosse Überraschungen werde es nicht geben, ist Risi der Ansicht, denn «die relevanten Sachen sind eigentlich alle bekannt». Auch sei der Spielraum aufgrund der Kriterien nicht allzu gross. Auch werde er darauf achten, dass kantonsübergreifende Traditionen gesamthaft oder thematisch erfasst werden. So etwa die Volksmusik, die Chilbi, die städtische und die ländliche Fasnacht, typische Masken-Traditionen wie in Kriens, Schwyz und der March, der Alpsegen und Ähnliches. Ohne dass Risi einer Liste vorgreifen wollte, geht er davon aus, dass zum Beispiel das Welttheater Einsiedeln oder das Chlausjagen Küssnacht Eingang in die Liste finden werden. Kandidaten sind auch der Greiflet, das Wildiheuen oder die Japanesen-Spiele.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

04.09.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/hsAavv