Verena Steiger in ihrem Atelier in Steinen beim Ausschneiden eines Mundes an einer Maske. Bilder Christoph Clavadetscher
Verena Steiger in ihrem Atelier in Steinen beim Ausschneiden eines Mundes an einer Maske. Bilder Christoph Clavadetscher

Volkskultur

«Ich habe keinen Fingerabdruck mehr»

Sie ist die einzige Produzentin von traditionellen Wachsmasken in der Schweiz. Verena Steiger aus Steinen über das Kunsthandwerk des Maskenfertigens, die Schwyzer Maskenlandschaft und ihren Schatz im Keller.

Mit Verena Steiger sprach Christoph Clavadetscher

Danke, dass Sie sich mitten in der Fasnacht für den «Boten» Zeit genommen haben. Ich nehme an, Sie haben zurzeit Hochsaison?

Ja, ich habe sehr viel zu tun. Die Hochsaison ist aber fast vorbei. Seit September bin ich sehr viel am Produzieren, meistens sechs Tage die Woche, von früh bis spät. Es ist zwar intensiv, da ich aber nach wie vor meine Arbeit gerne mache, fällt es mir nicht schwer.

Was machen Sie denn den ganzen Tag?

Ich forme, modelliere und male Masken. Während der Fasnacht sind aber auch Besichtigungen und Kurse am meisten gefragt. Alles läuft parallel. Deswegen ist es intensiv, aber auch sehr spannend.

Was meinen Sie mit «spannend»?

Zu dieser Zeit lebt das Atelier am meisten. Ganz verschiedene Leute gehen ein und aus. Das liebe ich.

Produzieren Sie hauptsächlich auf Auftrag, oder bleibt auch Zeit für freies Schaffen?

Es wäre sicher schön, wenn es mir gelingen würde, auch mehr frei schaffen zu können. Die meiste Zeit erledige ich Aufträge, was ich aber sehr gerne mache.

Wer zählt alles zu Ihren Kunden?

Viele Fasnächtler aus Innerschwyz, Ausserschwyz, Luzern, aber auch Basel. Überall sowohl Private wie auch Vereine.

Auch Basler?

Ja, es werden sogar immer mehr. Es spricht sich herum, dass ich Wachsmasken mache, was in Basel wieder mehr gefragt ist, da früher viele Fasnächtler Wachsmasken getragen haben. Vor allem sogenannte Schissdräggzügli fragen mich an, ob ich so zwischen fünf und zwanzig Masken herstellen könnte. In Basel bin ich mehr in der alternativen Szene tätig. Eigentlich noch ein guter Gegenpol zur Innerschweiz, wo ich hauptsächlich traditionelle Larven anfertige.

Und ausserhalb der Fasnacht?

Ich habe viele Anfragen von Theatern – von grossen und kleinen Bühnen, bis zu Opernhäusern. Auch aus Frankreich, Deutschland, Italien. Der aktuelle Eurokurs bremst die Anfragen aus dem Ausland allerdings etwas. Ich werde wohl die Preise anpassen müssen.

Ihre Hauptklientel stammt somit aus der Fasnachtsszene?

Das kann man so nicht sagen. Der Theatermarkt wird immer grösser, und die Kurse beanspruchen mich auch immer mehr. Zudem ist die Fasnacht immer auch Veränderungen unterworfen.

Heisst das, Sie spüren Trends wie die Zunahme von Schminken und Airbrushing?

Ja, klar. Gerade Ball- und Damenmasken braucht es heute wenig. Die traditionellen Masken wird es immer brauchen, doch gerade viele Junge gehen heute lieber geschminkt als maskiert an die Fasnacht. Das ist nicht wertend gemeint, mit Schminke kann man auch sehr schöne und spannende Sachen machen.

Wie viele Masken produzieren Sie pro Jahr?

Das weiss ich nicht. Keine Ahnung.

Schätzen Sie: 500 oder 5000?

5000 sicher nicht, aber sicher auch einiges mehr als 500. Auf alle Fälle habe ich in meinem Leben schon unzählige Masken gefertigt. Meine «Fingerbeeri» sind regelrecht abgeschliffen vom vielen Modellieren. Ich konnte für den Pass keinen Fingerabdruck machen, da ich schlicht und einfach keinen Fingerabdruck mehr habe. Das fand ich noch ziemlich lustig.

Sie sind im positiven Sinne ein Unikum. Wünschen Sie sich manchmal Berufskollegen?

Ich bin nicht die Einzige, die Masken herstellt. Meines Wissens bin jedoch die Einzige in der Schweiz, die Wachsmasken produziert. Selber sehe ich mich nicht als Unikum. Ich habe ein sehr gutes Netzwerk, viele Freunde, auch aus der Szene. In Basel beispielsweise kenne ich Larvenmacher, mit denen ich regen Austausch pflege. Zudem besuche ich jedes Jahr Weiterbildungskurse – imModellieren, betreffend Materialien, kreativem Schaffen. Oder ich schule mein Auge. Aber klar, manchmal wäre es schön, wenn ich mich mit jemandem austauschen könnte, der von Anfang an versteht, von was ich rede.

Als was sehen Sie sich überhaupt? Als Handwerkerin oder als Künstlerin?

Zurzeit klar als Handwerkerin. Es braucht aber eine künstlerische Ader, ein künstlerisches Auge, eine gewisse Offenheit. Wenn ich frei schaffen kann, ist es eher Kunst.

Machen Sie lieber schöne oder «wüeschti Maschgärä

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

14.02.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/9j3L3R