3800 Zuschauer sahen sich 1994 die vielgelobte Adaption des Kinofilms «Einer flog über das Kuckucksnest» an. Bild Bühne 66
3800 Zuschauer sahen sich 1994 die vielgelobte Adaption des Kinofilms «Einer flog über das Kuckucksnest» an. Bild Bühne 66

Bühne

50 Jahre Schwyzer Theatergeschichte

Die Bühne 66 ist 50 Jahre alt. Die Jubiläumsproduktion «Am Franz ä Chranz» ist hervorragend besucht. Doch wie nahm alles seinen Anfang?

Zum 50. Mal jährt sich heuer der Geburtstag der Bühne 66. Herausgehend aus einer losen Spielervereinigung, wurde der Verein 1966 mit dem Ziel gegründet, «gute und anspruchsvolle Theaterliteratur auf der Bühne umzusetzen». Seit dem Auftakt mit Paul Schoecks «Tell» realisierte der Verein in ungebrochener Spieltradition 53 Theaterprojekte, wobei die literarischen Texte stets in die Schwyzer Mundart übersetzt wurden.

Bis 3500 Besucher

Neben Werken deutschsprachiger Autoren (Herbert Meier, Friedrich Dürrenmatt, Hansjörg Schneider, Bertolt Brecht, Peter Turini u. a.) stellen Theaterstücke aus dem englischen Sprachraum einen Schwerpunkt dar (Edward Albee, Michael Frayn, Alan Ayckbourn, Martin McDonagh u. a.). Dank dieser klaren Profilierung nimmt die Bühne 66 eine bedeutende Position in der Innerschweizer Theaterszene ein. Sie erreicht mit jeweils 15 bis 20 Vorstellungen ein treues Stammpublikum von 3000 bis 3500 Personen.

Zahlreiche Auszeichnungen

Als Zeichen der hohen lokalen und regionalen Wertschätzung wurden dem Verein unter anderen Anerkennungspreise des Kantons Schwyz (1986) und der Alfred Koechlin Stiftung (2000), der Kulturpreis der Gemeinde Schwyz (2006) und ein Publikumspreis an denTheatertagen Aarau (2007) zugesprochen.

Gründerjahre mit Emmy Grätzer

Die Anfänge wurden massgeblich durch die charismatische Regisseurin Emmy Grätzer geprägt, die sich mit ihren Regiekursen auch beim Zentralverband Schweizer Volkstheater besondere Verdienste erwarb. Dank 20 Inszenierungen in 16 Jahren – inklusive Studio-Aufführungen und Freilichtspielen – etablierte sie die hohe Spielqualität und den guten Ruf der Bühne 66. Schon in den Siebzigerjahren wagte man sich an grosse Meister wie John Steinbeck («Of Mice and Men») oder Maxim Gorki («Nachtasyl»), was damals im Volkstheater kaum denkbar und erst nach intensiven Verhandlungenmit den skeptischen Verlagen machbar war.

Die Ära Imfeld

Ab 1983 liess Grätzers «Ziehsohn» Werner Imfeld die Darsteller «einen Hauch freier spielen». Er scheute sich auch nicht, einen Bauernschwank zu spielen, um gegen die bescheidene Zusprache der lokalen Bevölkerung anzugehen. Das Bedauern der Stammkundschaft und der Medien sorgte dafür, dass man in der Folge wieder anspruchsvolle oder gar sperrige Stücke spielte. Zur 25-Jahr-Feier präsentierte die Bühne 66 im Kollegium eine Doppelproduktion, indem sie selber mit Bert Brechts «Kleinbürgerhochzeit » und ihr Jugendtheater Pronto mit Stefan Reisners «Wasser im Eimer» aufwarteten. Mit Brechts Einakter gastierte man auch an den internationalen Spieltagen in Meran.

Stabwechsel zu Urs Kündig

Werner Imfeld reichte 1994 den Regiestab an Urs Kündig weiter, der seit über zehn Jahren das Jugendtheater Pronto als «Nachwuchsabteilung» der Bühne 66 leitete. Mit der Adaption des Kino- Hits «Einer flog über das Kuckucksnest» landete er gleich einen Besucherrekord (3800 Zuschauer). Umgekehrt erntete er zwei Jahre später teilweise heftige Kritik, als er mit Peter Turrinis «Die Minderleister» die Entlassungswelle bei Schweizer Grossfirmen thematisierte. 66 : 2 = 33. Grund genug, nach 33 Spieljahren 1999 etwas Besonderes zu wagen. Der Brecht-Klassiker «Mutter Courage» (Regie Werner Imfeld) als Freilichtspiel im Garten des Ital-Reding- Hauses geriet zu einem weiteren Höhepunkt in der Vereinsgeschichte.

Haus- und Gastregisseure

Seit Anbruch des neuen Jahrhunderts überliessen die hauseigenen Kräfte (Imfeld, Kündig, Zälli Beeler) das Regiepult wiederholt externen Profis (Annette Windlin,Thomy Truttmann, Oscar Salis Bingisser). Einen wesentlichen Anstoss dazu lieferte das schon unter Emmy Grätzer gepflegte Bestreben, sich ständig weiterzuentwickeln und neue Erfahrungen zu sammeln. Zum 40-jährigen Bestehen schliesslich vergab man erstmals einen Werkauftrag. Der Autor Hannes Glarner übernahm zugleich die Inszenierung seines kontrovers aufgenommenen Stücks «Der Patriarch».

Gelungenes Experiment

Mit dem Filmtheaterkrimi «Föhnsturm » (2014) wurde das Leitungsteam über Stefan Camenz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

13.05.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/d7XSFA