Alle gegen alle – für den gläsernen Schuh - 1

Bühne

Alle gegen alle – für den gläsernen Schuh

Diese Koproduktion von Prisca Anderhub, Nelly Bütikofer, Annette Windlin und den Freunden des MythenForums war keine Nacherzählung des Märchens: «Flirten mit Aschenputtel» karikiert die Kernbotschaft des Märchens.

Beim Betreten der Bühne begann der Wettbewerb. Wie bei Misswahlen trat ein Akteur nach dem anderen auf, bewegte sich, als ob er auf dem Laufsteg laufen würde, lächelte ins Publikum und begutachtete die andern Akteure des Ensembles kritisch. Konkurrierend um Schönheit zu jedem Preis, schlüpften alle in alle Rollen. Mal in die demütige des Aschenbrödels, mal in die erbarmungslose der Stiefmutter, die grausame der Stiefschwestern oder in die auswählende des Prinzen. Wie beim Werben um seine Geliebte schlüpften die Darsteller in Rollen, die nicht zu ihnen passten: Geht es darum, zu gefallen und der Geliebten Herz zu gewinnen, springt man über seinen Schatten. Die Tänzer tanzten bis zum Umfallen, die Schauspieler rissen sich gegenseitig die Kleider vom Leib, weil sie glaubten, mit den Kleidern der Nebenbuhler noch schöner auszusehen. Die Männer stritten sich um die Rolle des Prinzen – um die Krone. Immer schneller, immer heftiger kämpften alle gegen alle und dafür, den gläsernen Schuh an ihrem Fusse tragen zu dürfen. Mitunter vergassen sie, wie das Märchen weiterging, oder verwechselten Parts mit Szenen aus anderen Märchen wie Frau Holle, Schneewittchen oder Dornröschen. Am Ende schrien plötzlich alle um goldene und silberne Kleider, und keiner wusste auf die Frage «Rucke di guck, rucke di guck, wem passt der Schuk?» eine Antwort.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

26.10.2009

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schwyzkultur.ch/PhGhfK