Man sieht es gerade nicht, aber diese Frau steht mit beiden Beinen auf dem Boden: Barbara Balldini in ihrer Rolle als Pornodarstellerin. Bild Silvia Camenzind
Man sieht es gerade nicht, aber diese Frau steht mit beiden Beinen auf dem Boden: Barbara Balldini in ihrer Rolle als Pornodarstellerin. Bild Silvia Camenzind

Bühne

Balldini klärt Erwachsene auf

Spricht eine Frau einen Abend lang alleine auf einer Bühne über Sex und das überaus unterhaltend, kompetent und mit Humor – ja, dann strömen die Schwyzerinnen und Schwyzer in das MythenForum. 360 Personen waren es, die am Freitagabend Barbara Balldinis «Heart Core»-Programm applaudierten.

Barbara Balldini nannte ihr Programm etwas «härter» als das vorangegangene, das die Sexualpädagogin schon zwei Mal in Schwyz gezeigt hatte. Im Publikum waren denn auch viele, die ihr erstes Programm bereits kannten. Doch diesmal ging es nicht um die Unterschiede zwischen Mann und Frau, die Irrtümer zwischen den Geschlechtern, nicht um Liebe und Gefühle.

Beim Cabarett angekommen

Es ging um Sex. Darüber spricht Balldini so offen wie eine Reiseführerin über ihre Lieblingsstadt. Sie zeigt nicht den Weg vom Dom zum Stadthaus, sondern wie man vom G- zum A-Punkt findet. Wer am liebsten Balldini als Balldini auf der Bühne sieht, der war zu Beginn des Abends vielleicht etwas enttäuscht. Denn die Frau, die einst mit Vorträgen über Sex anfing und weil das Publikum ständig lachte, ihr Talent für die Bühne entdeckte, ist definitiv beim Kabarett angekommen.

Verschiedene Rollen

Barbara Balldini selber agierte als Moderatorin und schlüpfte in verschiedene Rollen, war die Frau von der Sexhotline, die Pornodarstellerin oder die Tantratante. In diesen Rollen spricht sie locker über Sex und Tabus. Was Balldini präsentiert, ist Aufklärung für Erwachsene. Am besten aber ist Balldini im Gespräch mit dem Publikum. Da kann sie ihre Spontaneität ausleben. Es folgt Lacher um Lacher. Die Sexualpädagogin ist schlagfertig, aber nie beleidigend. Ihr ist auch nichts zu peinlich: Kurzerhand macht sie den Sessel zum Mann und demonstriert Stellungen aus dem Kamasutra. Die 50-jährige Österreicherin hat dieses Kumpelhafte, diese unbeschwerte Fröhlichkeit, die beim Publikum bestens ankommt.

Herausforderung

Doch dieses zweistündige One-Woman-Programm schüttelt auch sie nicht einfach aus dem Ärmel. Am Schluss der Show gesteht die «Sexpertin», es sei eine unglaubliche Herausforderung, auf die Bühne zu treten und über all diese Dinge zu sprechen. «Aber ich habe mir gesagt, jemand muss es einmal sagen», lacht sie ins Publikum. Dafür gibt es an diesem Abend tosenden Applaus. Dann kündigt sie ihr nächstes Programm an, eines, das pädagogisch wertvoll sei, und eilt nach draussen an den Büchertisch, wo sie sogleich vom Publikum belagert wird. Sex sells.

Bote der Urschweiz (Silvia Camenzind)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

01.06.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/cDQXu4