Solo im Duo mit Piano: Esther Hasler beflügelte das Chupferturm-Publikum mit Musik, Witz und schier grenzenloser Fantasie. Bild Désirée Schibig
Solo im Duo mit Piano: Esther Hasler beflügelte das Chupferturm-Publikum mit Musik, Witz und schier grenzenloser Fantasie. Bild Désirée Schibig

Bühne

Beflügelte weibliche Satire im Chupferturm

Sprachakrobatisch, intelligent und tiefsinnig unterhaltend präsentierte Esther Hasler dem Chupferturm-Publikum am Samstagabend ihr drittes Soloprogramm – und hob dabei ab zum humoristischen Überflug.

Esther Hasler erzählt und singt abgründige Geschichten am Klavier und hält damit dem Publikum den Spiegel hin. Ihr Programm «Beflügelt! » entstand mehrheitlich während Haslers Auslandaufenthalten in New York und Berlin. Zurück in der Schweiz wurde das Programm zusammen mit der Regisseurin Annette Windlin in die passende Form gebracht. Die Eindrücke des Reisens sind ins Programm eingeflossen: «Zeitzonensurfen», um nach der Landung den Jetlag, den «Zeitzonenkater » zu kurieren. Dafür bleibt jedoch nicht viel Zeit, denn die Kabarettistin und Schnelldenkerin wechselt die Rollen, Sprachen und Dialekte «prestissimo».

Körperkult bis zum Letzten

In ihrem Programm begegnet man allerlei schrägen Paradiesvögeln. Die markige Frau Friedli zum Beispiel hadert im breitesten Berner Dialekt mit den Auswüchsen der Schönheitsindustrie und meint, nicht jedes Entlein müsse partout zum Schwan mutieren. Noch mehr Körperkult und Selbstverwirklichung verulkt sie mit der naiven Figur der Frau Tschudi. Als Novität gibt diese ultimative Einblicke in Körper und Welten: «Man wird wie neu geboren, wenn man mal ein bisschen übers Sterben hinaus denkt.» Deshalb vermacht Frau Tschudi ihren Körper schon zu Lebzeiten Gunther von Hagens, damit er diesen einst, fein gescheibelt im Querschnitt, der Welt präsentieren wird. Oder die Deutsche Hannelore, «she goes west» nach New York mit einem Lehrauftrag für Tätowierkunst im Sack. Als sie den grossen japanischen Tätowierer Mr. Takachi um ein Interview bittet, gewährt er ihr dieses allerdings nur unter der Bedingung, dass sie sich endlich selber etwas in die Haut stechen lässt. Hannelore ringt sich zu einer japanischen Kirschblüte durch, endet jedoch mit einem japanischen Schriftzeichen für «Europäisches Sumpfhuhn».

Fantasie und Witz

Mit viel Wortwitz und schier grenzenloser Fantasie wechselt Esther Hasler die Themen und Rollen. Sie überzeugt aber auch als virtuose Pianistin, deren selbst geschriebene Lieder vom klassischen Chanson bis zu Tango, Latin und Jazz reichen. Mit wandelbarer Stimme und umwerfender Mimik weiss die Sängerin und Schauspielerin diese mitreissend vorzutragen.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

23.01.2012

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schwyzkultur.ch/rXbyek