Loslassen: Vreni Achermann (alias Eva Engel) und ihr Bruder Thomas Achermann versuchten mit Wort und Musik das Toggali zu vertreiben, das auf ihrer Brust lastete. Bild Christian Ballat
Loslassen: Vreni Achermann (alias Eva Engel) und ihr Bruder Thomas Achermann versuchten mit Wort und Musik das Toggali zu vertreiben, das auf ihrer Brust lastete. Bild Christian Ballat

Bühne

Das Agendaverbrennen an Silvester

Tag für Tag, Woche für Woche gingen in Flammen auf, begleitet von traurigen Geschichten und jazzigen Klängen. Das «Toggali» begeisterte.

«Ich bin Eva, wie der erste Mensch, der aus dem Paradies vertrieben wurde. Und ich bin auf der Suche nach meinem Engel.» Der Einstieg in den vom «sagenhaft»-Projekt unterstützten Theaterabend im Chupferturm hätte inklusive Biss in einen saftigen Apfel nicht passender sein können. Vreni Achermann präsentierte ihr Stück «Toggali – ein urbaner Alptraum », ihr Bruder Thomas Achermann lieferte dazu schrägschrullig anmutende Töne mit Piano, Saxofon, Klarinette und seiner Stimme. Der Jazzmusiker gab dem Stück die Erde, aus der saftige Äpfel gedeihen, und die Leichtigkeit, in der Engelsträume sich vervielfältigen können.

Die Geister der Vergangenheit

Vreni Achermann überzeugte als Eva Engel, die im und mit dem Leben zu kämpfen hat und sich als erlösende Kurzschlusshandlung von der alljährlichen Silvesterfeier im privaten Grossstadtkreis losreisst und auf den Weg macht. Auf den Weg ins «Vogelloch», zuhinterst im Luzerner Hinterland, bei Luthern Bad. Hier begegnet sie beim Verbrennen ihrerAgenda den Geistern ihrer Vergangenheit und Gegenwart, wird konfrontiert mit all dem, was ihr Mühe und Sorgen macht. Dabei spielt die Luzernerin nicht nur ihre sich auf den Leib geschriebene Rolle der Eva eindrücklich, sondern auch mit voller Hingabe die ihres gegen den Konkurs kämpfenden Gatten, ihres Vaters, ihres Grossvaters Seele und viele weitere.

Toggali, das auf der Seele hockt

Für den Zuschauer und die Zuschauerin ist es nicht immer ganz einfach, der Person oder dem Geist zu folgen, der gerade auf der Bühne steht. Und trotzdem wird man nie los- oder alleingelassen. Laufend gibt es Einstiegspunkte, die einem vom Sinnieren über das eigene Leben wieder abholen, rein ins Stück, rein in die Geschichte des Toggalis, das einem auf der Seele hockt. Mit «Das Poulet im Ofen ist verbrannt, jetzt muss er mit leerem Magen ins Fegefeuer » ist der Zuschauer wieder mittendrin im Elend, das Leben heisst. Mit «Blumen sind das Lächeln der Erde » ist man zwei Minuten später aber auch mittendrin in der Hoffnung, die Leben heisst.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

21.05.2013

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schwyzkultur.ch/9AwS9s