Gilbert Kammermann: Auch nach 20 Jahren hat der Kindercircus für den Direktor nichts von seinem Zauber verloren. (Bild Kindercircus Piccolo)
Gilbert Kammermann: Auch nach 20 Jahren hat der Kindercircus für den Direktor nichts von seinem Zauber verloren. (Bild Kindercircus Piccolo)
Klein aber oho: Der Kindercircus Piccolo weiss das Publikum zu begeistern. (Bild Kindercircus Piccolo)
Klein aber oho: Der Kindercircus Piccolo weiss das Publikum zu begeistern. (Bild Kindercircus Piccolo)
Auch die Fakire dürfen in keinem Circus fehlen. (Bild Kindercircus Piccolo)
Auch die Fakire dürfen in keinem Circus fehlen. (Bild Kindercircus Piccolo)

Bühne

Der Zirkusdirektor im Interview

20 Jahre zählt der Circus Piccolo. Zirkusdirektor Gilbert Kammermann spricht im Interview über die Anfänge des Circus, Kindertränen und das Herz in der Manege.

20 Jahre Kindercircus Piccolo. Hätten Sie zu Ihren Anfangszeiten gedacht, dass dieses Projekt derart langlebig ist?
Nein, überhaupt nicht. Aber man wuchs hinein und steigerte sich – aber immer mit Bodenhaftung.

Sie sind der Motor, die Drehscheibe, der Mittelpunkt. Ich behaupte, ohne Ihr Engagement ginge es nicht.
Doch. Da bin ich sicher, in der Zwischenzeit auf jeden Fall. Es wurde ein Verein gegründet. Das war gegenüber den Behörden und gegenüber den tollen Geldgebern eine nötige Absicherung. Wir machten fünf Ressorts, die von einem Ressortleiter oder einer Ressortleiterin geführt werden. Sie arbeiten selbstständig, entwickeln Ideen, stellen Gruppen zusammen und überlegen, was man neu verwirklichen könnte. Da weiss ich längst nicht mehr alles bis ins Detail. Das funktioniert wie ein kleines KMU Unternehmen.

Denkt der Zirkusdirektor im Hinterkopf bereits ans Aufhören?
Wir sind etwa hundert Erwachsene. Entflechtungen haben stattgefunden. Es lastet nicht mehr alles auf einer Schulter, sondern ist auf mehrere verteilt.
Die Jahresgruppe, das Sondergastspiel-Team, leite ich seit einem Jahr nicht mehr. Das macht jetzt Brigitte Heller. Sie hat organisatorisch alles übernommen. Da bin ich noch dabei für die Fakire und Zauberer. Das Übernachten der Kinder im Zirkuszelt, die Plakate, auch das habe ich früher organisiert. Beides mache ich heute nicht mehr. Würde ich ausfallen, es ginge sicher flott weiter. Eine Übergangslösung ist im Gespräch, doch werde ich im Hintergrund oder beim Requisitenbau noch eine gewisse Zeit mithelfen.

Warum sind Sie so angefressen vom Zirkus?
Das kommt von früher her. Mich faszinierte vor allem das Varieté. Später machten wir mit der eigenen Familie jeweils Zeltferien im Tessin, dort gastierte der Circus Robinson. Das schauten wir uns regelmässig an. Dann hatten unsere Kinder den Wunsch, im «Eigenwies», wo wir damals wohnten, einen eigenen Zirkus zu machen. Danach engagierten wir für den Ferienpass den Circus Pipistrello. Das gab mir einen interessanten Einblick, und ich sagte: «Das können wir auch.» So nahm es den Anfang, speziell im Folgejahr mit dem Klassenprojekt. Im Jahre 2000 konnten Sie im Rahmen einer Lehrerfortbildung während fünf Wochen beim Circus Monti arbeiten.

Was bleibt Ihnen?
Zirkus ist eine Zauberwelt, die strahlt und schön wirkt. Man sieht oft nur den Glanz. Mal hinter den Sattelgang zu kiebitzen, war eine interessante und lehrreiche Erfahrung.

Warum sieht das Publikum nur den Glanz, und was haben Sie konkret gemacht?
Der Mensch kommt schon mit einer Strahlestimmung beim Zirkus an. Ich habe auch erlebt, dass es ein Chrampf ist. Ich war Mädchen für alles, machte den Zeltbau, habe Sachen frisch gestrichen, zwei Wochen auf Tournee und drei Wochen im Winterquartier. Der Mensch hat ein paar Muskeln mehr, als er braucht, das habe ich als Schreibtischtäter gespürt.

Beim Circus Piccolo kommen jedes Jahr über den Ferienpass neue Piccolini nach. Kennen Sie Nachwuchsprobleme?
Nein, über den Ferienpass nicht, nur bei der Jahresgruppe. Das hat mit der Freizeitüberlastung zu tun, welche die Kinder immer mehr haben. Neben den Schulverpflichtungen, die fordern, besteht ein Überangebot in der Freizeit. In den letzten Jahren stieg ein Drittel bis zu der Hälfte der Kinder aus der Sondergastspiel-Gruppe aus. Aber so ist es immer, wenn man mit Jugendlichen arbeitet. Zum Glück stellt man bald fest, dass die neuen Kinder auch super sind. Als Leiter hat man zuerst «Bammel», sorgt sich, ob man wieder eine tolle Gruppe zusammenbringt.

Warum ist das so wichtig?
Sagt der Circus Piccolo Ja zu einem Auftritt, muss er ihn einhalten. Wir haben Verträge für Gastauftritte unterschrieben und wollen das Beste geben.

Führen Sie darum am nächsten Dienstag ein Casting durch? Oder folgen Sie dem allgegenwärtigen Casting-Boom?
Wir haben das Wort gewählt, weil es einfach verständlich ist. Zuvor schauten wir uns jeweils aufmerksam um und sprachen die Kinder direkt an. Sie mussten zu Hause jeweils abklären, ob sie in die Son

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

11.07.2009

Webcode

www.schwyzkultur.ch/sdu9ge