Regisseur Urs Kündig auf der Bühne der Kantonsschule Kollegium Schwyz. Hier hat er während der intensiven Probenzeit die letzten Monate viel Zeit verbracht. Bild Silvia Camenzind
Regisseur Urs Kündig auf der Bühne der Kantonsschule Kollegium Schwyz. Hier hat er während der intensiven Probenzeit die letzten Monate viel Zeit verbracht. Bild Silvia Camenzind

Bühne

«Die Geschichte der Schwyz-Brunnen- Musik packte mich sofort»

Die Bühne 66 feiert ihren 50. Geburtstag mit der Uraufführung des Musiktheaters «Am Franz ä Chranz». Mit der heutigen Premiere endet für Regisseur Urs Kündig eine intensive Zeit.

Mit Urs Kündig sprach Silvia Camenzind

Camenzind: Das Jubiläumsspiel der Bühne 66 behandelt eine wahre Geschichte. Haben Sie die Erfolgsgeschichte der Schwyz-Brunnen-Musik zuvor schon gekannt?

Nein. Ich hörte das erste Mal von unserem Autor Franz-Xaver Nager davon. Die Geschichte packte mich sofort, denn man fragt sich unweigerlich: Wie war dies vor 150 Jahren möglich?

Haben Sie vor Probenbeginn zum Thema recherchiert?

Wir recherchierten sehr viel, besuchten das Staatsarchiv und die Kantonsbibliothek. Der Schwyzer Sprachwissenschaftler Victor Weibel hat mich mit Jahresberichten aus dem Kollegium Schwyz und aus dem Lehrerseminar Rickenbach bedient. Ich erhielt zum Beispiel auch eine Dokumentation über das Feuerwehrwesen. Daraus konnte man ein Sittenbild darüber herstellen, wie die Menschen damals gelebt hatten und wie deren Verhältnis zur Obrigkeit war. Fotografien gab es noch keine, die ersten kamen zwanzig Jahre später. Wir orientierten uns an Bildern aus dieser Zeit.

Wird zum Jubiläum mit grosser Kelle angerührt?

Wir verfügen sicherlich über ein anderes, grösseres Budget. Weil die Geschichte derart vielschichtig ist, unterstützen wir sie mit visuellen Mitteln. Das macht die Produktion aufwendiger. Ein Beispiel: Wir haben auf der Bühne zwei Projektionswände, auf die mit Beamern Bilder projiziert werden. Diese Beamer sind gross, lichtstark und müssen während unserer Spielzeit einwandfrei funktionieren.

Da ist man bei der künstlerischen Umsetzung auf Profis angewiesen.

Und ja, es stimmt: Zum 50-Jahr-Jubiläum darf man tatsächlichmit einer grösseren Kelle anrühren.

Haben alle Mitglieder der Bühne 66, die mitwirken wollten, die Möglichkeit, zum 50-Jahr-Jubiläum auf der Bühne zu stehen?

Ja, das war unser erklärtes Ziel. Das Jubiläum soll nicht nur mit einer besonderen Produktion nach aussen wirken, sondern auch für uns stimmen. Darum sagten wir: Alle, die spielen wollen, erhalten eine Rolle. Unserem Autor, dem Urner Franz-Xaver Nager, teilten wir anschliessend mit, dass 33 Leute auf der Bühne spielen möchten. Er hat in der Folge tatsächlich für alle eine Rolle geschrieben.

Was war die besondere Herausforderung von «Am Franz ä Chranz»?

Neben den 33 Spielerinnen und Spielern galt es, Musiker zu finden, die auch bereit waren,Theater zu spielen. Einige Musiker spielen sehr gerne. Sie wollten eine Rolle mit Text, andere Musiker wollten auf keinen Fall eine Sprechrolle. Die grösste Herausforderungbei derart vielen Mitwirkenden war der Probenplan. Er musste auf zahlreiche Absenzen Rücksicht nehmen. Diese waren nicht nur privater Natur, sondern auch beruflicher. Gerade Berufsmusiker können ihre Termine nicht einfach sausen lassen.

Wie gross und bedeutend ist der musikalische Anteil im Spiel?

Er ist gross. Das Publikum wird wunderschöne Livemusik zu hören bekommen. Es gab übrigens Musiker, die extra für die Produktion ein Instrument lernten. Am Mittwoch hatten wir Hauptprobe. Ich bin begeistert– wie unsere Musiker die Ouvertüre von Rossini spielen– wow. Das ist cool und gut und präzis.

Wie war es, die Musikanten ins Spiel zu integrieren?

In einer Szene spielt die Gruppe der Musiker eine Probe, die von einem Todesfall überschattet wird. Es haben lediglich fünf der Musikanten einen Text, doch die anderen müssen ebenfalls das Tragische des Moments in ihrer Gestik zeigen. Die Reaktionen sollen möglichst natürlich wirken. Das gelingt inzwischen bestens. Sie machen das sehr gut und auch gerne.

Der Klarinettist Dani Häusler spielt den Hauptdarsteller Franz Tschümperlin. Er ist ein begnadeter Musiker, spielt aber das erste Mal Theater.

Es ist nicht ganz das erste Mal. Ich habe Dani Häusler bei Probenbeginn in Einsiedeln in einer Produktion mit dem Schauspieler und Regisseur Oscar Sales Bingisser gesehen. Damals standen die beiden lediglich zu zweit auf der Bühne, das war eine Herausforderung. Dani Häusler hat mich schon dort sehr überzeugt.

Warum?

Dani Häusler ist ein natürlicher Mensch, der auf dem Boden steht, kein abgehobene

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

23.04.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/gtKJuF