So lassen sich Künstler inspirieren: Sie sitzen da und betrachten das Publikum. Bild Tobias von Rickenbach
So lassen sich Künstler inspirieren: Sie sitzen da und betrachten das Publikum. Bild Tobias von Rickenbach

Bühne

Es ist alles nur geklaut – «Lapsus» kopiert sich auch selbst

Zum 25-Jahr-Jubiläum haben die Organisatoren von Kultur an der KKS einige Hochkaräter ins Kollegi geholt. So auch das Comedy-Duo Lapsus mit seiner neuesten Nummer «Lapsus klaut».

«Lapsus klaut», das fünfte abendfüllende Programm des Duos, dreht sich erwartungsgemäss um künstlerisches Klauen, geistiges Eigentum und Plagiate. Kopie und Original. Echt und Unecht. Und um die klangliche Nähe von Klauen und «iCloud».

Ehrlich geklaut

Zu Beginn bekommt man den Eindruck, dass dem Manager Theo Hitzig (Peter Winkler) und Bruno Gschwind (Christian Höhener) die Ideen ausgegangen sind. Zum Glück deklariert das Duo aber alle entliehenen Passagen. «Hol mal Kafi», kommandiert Hitzig, das stamme von Giaccobo/ Müller, trötzelt Gschwind. Das Quellenangaben-Furioso erreicht seinen Höhepunkt mit einem «Bisch vom Aff bisse?», worauf von Gschwind nur ein «Mörgeli» folgt. Natürlich besteht das Programm nicht nur aus Sampling-Technik. Neben «Diebstahl» dominiert die perfektionierte Mischung aus Comedy-Show, Satire und Akrobatik.

Worthülsen und Pointenklauer

Das programmatische Plagiieren wird bis zum Exzess durchexerziert. Sehr witzig zwar und meisterhaft durch die multimedialen Elemente unterstützt. Etwas stimmt da aber nicht, was selbst Hitzig ahnt und weswegen er Gschwind im Gerichtssaal auch des Illusionenraubs am Publikum anklagt. Es bleibt eine nachdenkliche Ebene bestehen, die selbst vor den Protagonisten nicht haltmacht: Hier der belehrende Besserwisser Hitzig, der unentwegt nichtssagende Manager- Worthülsen spuckt und die Lorbeeren der Arbeit für sich beansprucht, da der bauernschlaue, orange-gewandete Bruno Gschwind, der gerne Pointen klaut. Im zweiten Teil des Abends kopieren sie sogar die eigene Show. Dazu kommt der zentrale Programmteil: Die Laufband-Nummer ist grosses Kino, aber aus einem Videoclip geklaut. Was nicht deklariert wird. Da bleibt nur zu sagen: «Isch mini Idee gsi.» «Roger Schawinski», würde Bruno Gschwind einwerfen. Plagiate sind die Plage unserer Zeit. Doch die Frage bleibt: Ist undeklarierte Inspiration letztlich Diebstahl oder doch die nötige Voraussetzung für etwas gänzlich Neues?

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

19.10.2013

Webcode

schwyzkultur.ch/vhdKHk