Bänz Friedli beobachtete auch Geschehnisse in Schwyz. Bild Patrick Kenel
Bänz Friedli beobachtete auch Geschehnisse in Schwyz. Bild Patrick Kenel

Bühne

Friedli als Anwalt der heutigen Jugend

Mit einem humorvollen Samstagabend feierte der StorchenTreff sein 25-jähriges Bestehen.

«Ehemalige sind erstaunt, dass es denStorchenTreff immer noch gibt», sagte Isabelle Marcon Lindauer, welche im Vorstand mitwirkt. Der StorchenTreff organisiert monatlich Vorträge in Seewen rund ums Elternwerden und Elternsein. Solche Themen bleiben aktuell, da stets neue Paare sich damit beschäftigen müssen. Der Kabarettabend im Chupferturm war ein Dankeschön an die Sponsoren und Helfer, die den Verein ein Vierteljahrhundert lang aufrechterhalten haben.

Hausmann der Nation engagiert

Der aus jungen Müttern und einer Fachfrau bestehende Vorstand engagierte dafür Bänz Friedli, welcher sich als bekannter Hausmann zu verschiedenen Familienthemen geäussert hat. Nun, da seine Kinder im Teenageralter sind, beschäftigt sich der Kabarettist und Kolumnist mit der Jugendsprache, die er seinen Altersgenossen näherbringen will. Als Einstieg beschrieb er den Ausdruck «Fremdschämen» anhand eines Videos, das im Internet millionenfach angeklickt wurde. Es heisse «Sitting on a toilet» und zeige genau das, erklärte Friedli vor dem belustigten Publikum. Während des zweistündigen Auftritts gelang es ihm, die Zuschauer in seinen Monolog mit einzubeziehen. So nahm er wiederholt den StorchenTreff, den er im Vorfeld kennenlernen durfte, auf die Schippe – inklusive Spekulationen darüber, ob der Kindersegen im Vorstand mit dem Katholizismus zusammenhängt. «Keine im Vorstand ist die Chefin. Das gäbe es in einem Männerverein nicht», kommentierte Friedli ausserdem. Lustig wurde es vor allem, wenn der 50-Jährige die Sprache heutiger Jugendlicher nachahmte. Sätze wie «Gömmer Starbucks?» oder «Geit gar nid (GGN)» vernimmt er häufig in Zürich oder Bern. Die Jugend spreche so, wie sie ihre Kurzmitteilungen schreibe: «Diese Jugendsprache ist kreativ und wie ein Drehbuch: kurz und auf den Punkt.» Es sei das Gegenteil des langatmigen Berndeutsch aus seiner Jugendzeit, welches er ebenfalls demonstrierte.

Jugend besser als ihr Ruf

Immer deutlicher schwang sich Bänz Friedli in seinem Programm zum Anwalt der «heutigen Jugend» auf, welcher Gewalt à la Carlos und Exzesse im Ausgang vorgeworfen werden. Sie leide auch nicht unter «digitaler Demenz», wie oft zu lesen sei, sondern sei «die erste Generation, die mehr weiss und technisch mehr draufhat als die Eltern». 55-jährige Politiker hätten das Chatten ja gar nicht im Griff, behauptete er mit einem Seitenhieb auf die Affäre Geri Müller: «Erwachsene spinnen, und den Kindern gibt man die Schuld.»

Bote der Urschweiz (Patrick Kenel)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

09.11.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/Yr8f48